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Was macht das Islandpferd so besonders?
Stell dir vor, du gleitest fast erschütterungsfrei durchs Gelände, während ein gefüllter Becher in deiner Hand kaum schwappt. Was wie ein Traum klingt, ist für Reiter von Islandpferden Alltag. Diese kleinen, robusten Pferde aus dem hohen Norden sind weit mehr als nur zottelige Ponys. Ihre Einzigartigkeit liegt in einer faszinierenden Kombination aus Charakter, Geschichte und vor allem ihren besonderen Gangarten.
Seit über 1000 Jahren werden Islandpferde auf der Insel aus Feuer und Eis in Reinzucht gehalten. Diese Isolation hat eine Rasse geformt, die perfekt an raue Bedingungen angepasst ist – trittsicher, widerstandsfähig und mit einem unerschütterlichen Wesen. Doch das wahre Markenzeichen, das die Herzen von Reitern weltweit höherschlagen lässt, ist ihre genetische Veranlagung für bis zu fünf Gangarten. Neben den bekannten Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen viele von ihnen den Tölt und den Rennpass.
Man unterscheidet zwischen Viergängern, die Schritt, Trab, Galopp und Tölt beherrschen, und Fünfgängern, die zusätzlich den Rennpass im Repertoire haben. Diese genetische Besonderheit macht sie zu sogenannten Gangpferden und verleiht ihnen eine Vielseitigkeit, die in der Pferdewelt ihresgleichen sucht. In unserem Ratgeber tauchen wir tief in die Welt dieser außergewöhnlichen Pferde ein und zeigen dir alles, was du über Tölt, Pass und ihren unverwechselbaren Charakter wissen musst.
Der Steckbrief des Islandpferdes auf einen Blick
Um die Faszination des Islandpferdes vollständig zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Fakten. Diese Rasse vereint eine beeindruckende Geschichte mit bemerkenswerten körperlichen und charakterlichen Eigenschaften. Obwohl sie oft die Größe eines Ponys haben, gelten sie aufgrund ihrer Kraft und ihres Körperbaus offiziell als Pferde und können problemlos Erwachsene tragen.
Die folgende Tabelle gibt dir eine schnelle Übersicht über die wichtigsten Merkmale der robusten Isländer:
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Herkunft | Island |
| Stockmaß | Durchschnittlich 1,35 m – 1,45 m |
| Gewicht | ca. 300 – 400 kg |
| Farben | Alle Farben und Abzeichen sind erlaubt, außer Tigerschecken. Die Vielfalt ist riesig. |
| Lebenserwartung | Sehr hoch, oft 30 – 40 Jahre |
| Charakter | Freundlich, neugierig, robust, trittsicher, willensstark, menschenbezogen |
| Gangarten | Schritt, Trab, Galopp sowie Tölt (Viergänger) und zusätzlich Rennpass (Fünfgänger) |
| Haltung | Ideal: Robuste Offenstallhaltung in der Gruppe |
Besonders bemerkenswert ist die Farbenvielfalt. Vom klassischen Rappen über Füchse und Braune bis hin zu seltenen Farben wie Windfarben oder Farbwechsler ist alles vertreten. Diese bunte Vielfalt spiegelt auch den facettenreichen Charakter der Rasse wider. Ihre Langlebigkeit und robuste Gesundheit machen sie zu treuen Begleitern über viele Jahre, vorausgesetzt, sie werden artgerecht gehalten und gefüttert.
Tölt: Die sanfte Gangart für höchsten Reitkomfort
Der Tölt ist die Gangart, die das Islandpferd weltberühmt gemacht hat. Er ist der Inbegriff für bequemes und schnelles Reiten, selbst über lange Distanzen. Wer einmal das Gefühl erlebt hat, im Tölt durch die Landschaft zu „schweben“, wird es nicht mehr missen wollen. Doch was genau steckt hinter dieser faszinierenden Bewegung?
Was ist Tölt? Die Biomechanik einfach erklärt
Der Tölt ist ein angeborener Viertakt ohne Schwebephase. Das bedeutet, dass immer mindestens ein Huf den Boden berührt. Die Fußfolge ist dabei die gleiche wie im Schritt: zum Beispiel links hinten – links vorne – rechts hinten – rechts vorne. Durch diese gleichmäßige Abfolge und das Fehlen einer Sprung- oder Schwebephase, wie sie im Trab oder Galopp vorkommt, entsteht die extrem ruhige und erschütterungsfreie Bewegung.
Wissenschaftlich betrachtet ist der ideale Tölt ein symmetrischer Viertakt in acht Phasen. Der zeitliche Abstand zwischen dem Auffußen des Hinterbeins und des Vorderbeins auf derselben Seite beträgt dabei idealerweise 25% eines Bewegungszyklus. Diese Präzision sorgt für den unvergleichlichen Komfort. Während im langsamen Tempo immer Bodenkontakt besteht, können bei sehr hohem Tempo kurze Schwebephasen auftreten, die laut neueren wissenschaftlichen Vorschlägen jedoch nicht mehr als 10% des Zyklus ausmachen sollten, um als reiner Tölt zu gelten.
Im Vergleich zum Trab erfordert der Tölt vom Pferd eine höhere Versammlung, also eine stärkere Lastaufnahme mit der Hinterhand, sowie eine aufgerichtete Kopf- und Halshaltung. Das Pferd „setzt“ sich mehr und trägt den Reiter mit einem schwingenden Rücken.
Das Reitgefühl im Tölt: Schweben statt Rütteln
Für den Reiter ist der Unterschied zum Trab fundamental. Statt der typischen Auf- und Abbewegung, die den Reiter aus dem Sattel hebt (Leichttraben), sitzt man im Tölt tief und sicher im Sattel. Die Bewegung fühlt sich an wie ein sanftes, schnelles Gleiten. Dies macht den Tölt nicht nur extrem bequem, sondern auch ideal für Reiter mit Rückenproblemen.
Die Geschwindigkeit im Tölt ist variabel und kann vom Tempo eines langsamen Schritts bis hin zu einem schnellen Galopp reichen. Erfahrene Tölter können Geschwindigkeiten von über 30 km/h erreichen. Diese Eigenschaft macht den Tölt zur perfekten Gangart für ausgedehnte Geländeritte in unwegsamem Terrain, da das Pferd stets sicheren Bodenkontakt hat und der Reiter entspannt bleibt.
Tölt reiten und trainieren: Tipps für Reiter
Obwohl der Tölt angeboren ist, bedeutet das nicht, dass jedes Islandpferd ihn von Geburt an perfekt beherrscht. Die Qualität und Taktreinheit des Tölts hängen von der Veranlagung, dem Exterieur und vor allem vom richtigen Training ab. Viele junge Isländer bieten zunächst eine Mischung aus verschiedenen Gängen an, den sogenannten „Gangsalat“.
Ein gezieltes Training ist entscheidend, um den Tölt zu fördern und zu festigen. Hier sind einige wichtige Aspekte:
- Balance und Geraderichtung: Ein Pferd, das schief läuft, kann keinen taktreinen Tölt entwickeln. Gymnastizierende Übungen wie Seitengänge und Volten sind die Basis.
- Versammlung fördern: Der Tölt erfordert eine aktive Hinterhand. Übergänge zwischen den Gangarten, Tempounterschiede innerhalb des Tölts und Übungen am Hang helfen, die Kraft und Tragfähigkeit der Hinterhand zu stärken.
- Die richtigen Hilfen: Tölt wird oft durch eine Kombination aus leichtem Annehmen der Zügel (Aufrichtung) und treibenden Schenkelhilfen geritten. Der Reiter muss lernen, die Balance zu finden, um das Pferd nicht im Rücken zu blockieren.
- Geduld und Gefühl: Es gibt nicht die eine richtige Hilfe für Tölt. Jeder Isländer ist anders. Es erfordert viel Reitergefühl und Geduld, den „Knopf“ für den Tölt beim eigenen Pferd zu finden.
Ein guter Trainer, der Erfahrung mit Gangpferden hat, ist für die Ausbildung von Reiter und Pferd von unschätzbarem Wert. Er kann helfen, Taktfehler zu korrigieren und das Potenzial des Pferdes voll auszuschöpfen.
Rennpass: Der fünfte Gang für Adrenalin-Junkies
Während der Tölt für Komfort steht, ist der Rennpass der Inbegriff von Geschwindigkeit und Energie. Dieser „fünfte Gang“ ist nur den sogenannten Fünfgängern vorbehalten und stellt eine besondere Disziplin im Islandpferdesport dar. Er ist spektakulär anzusehen und ein echtes Erlebnis für erfahrene Reiter.
Was ist der Rennpass? Die fliegende Gangart
Im Gegensatz zum Viertakt des Tölts ist der Rennpass ein Zweitakt in lateraler Fußfolge. Das bedeutet, dass die gleichseitigen Beinpaare (z.B. links vorne und links hinten) fast gleichzeitig auffußen. Zwischen dem Auffußen der beiden Beinpaare gibt es eine deutliche Schwebephase – das Pferd „fliegt“ für einen kurzen Moment. Diese Bewegung ermöglicht extrem hohe Geschwindigkeiten.
Der Rennpass ist, wie der Name schon sagt, eine Renngangart. Er wird ausschließlich auf kurzen, geraden Strecken geritten und ist nicht für das alltägliche Geländereiten gedacht. In Passrennen erreichen Spitzenpferde Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Die Eleganz und Kraft, die ein Pferd im Rennpass ausstrahlt, ist atemberaubend.
Viergänger vs. Fünfgänger: Nicht jeder Isi kann Pass
Die Fähigkeit, Pass zu gehen, ist genetisch festgelegt. Nur Pferde mit der entsprechenden Veranlagung, die Fünfgänger, können diese Gangart entwickeln. Viergänger haben diese genetische Anlage nicht und können daher keinen Rennpass laufen. Oftmals zeigen fünfgängig veranlagte Pferde auch spezifische Merkmale im Körperbau.
Experten beobachten, dass Fünfgänger häufig eine lange, schräge Schulter und eine tendenziell eher waagerechte Kruppe mit einer etwas ausgestellten Hinterhand aufweisen. Dieses Exterieur begünstigt die enorme Schubkraft, die für den Rennpass erforderlich ist. Die Entscheidung für einen Vier- oder Fünfgänger hängt stark von den Ambitionen des Reiters ab: Wer den Nervenkitzel des Rennpass sucht, benötigt einen Fünfgänger. Für den anspruchsvollen Freizeitreiter ist ein guter Viergänger oft die unkompliziertere Wahl, da die Trennung der Gänge manchmal einfacher ist.
Pass reiten: Nur für erfahrene Reiter und Pferde
Das Reiten im Rennpass erfordert viel Können, Erfahrung und ein gut ausgebildetes Pferd. Der Übergang in den Pass, das sogenannte „Legen“, erfolgt meist aus dem Galopp. Der Reiter gibt eine spezielle Hilfe, um das Pferd zum Umspringen in den Pass zu bewegen. Genauso wichtig ist das kontrollierte „Zurücknehmen“ des Pferdes in den Galopp oder Trab am Ende der Passstrecke.
Da im Pass enorme Kräfte wirken, ist es entscheidend, dass das Pferd gut gymnastiziert und ausbalanciert ist. Es sollte nur auf ebenem, geradem und trittfestem Untergrund geritten werden, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Für die meisten Islandpferdereiter bleibt der Rennpass eine Disziplin für Turniere und spezielle Vorführungen, während der Tölt die dominierende Gangart im Alltag ist.
Die Grundgangarten nicht vergessen: Schritt, Trab und Galopp
Bei all der Faszination für Tölt und Pass dürfen die drei Grundgangarten nicht in den Hintergrund rücken. Ein gutes Islandpferd zeichnet sich dadurch aus, dass es alle seine Gänge taktklar und ausdrucksvoll zeigen kann. Die Qualität von Schritt, Trab und Galopp ist die Grundlage für jede weitere Ausbildung.
Der Schritt: Die Basis jeder Ausbildung
Ein guter Schritt ist das Fundament für ein gesundes und rittiges Pferd. Er sollte taktklar, raumgreifend und gelassen sein. Im Schritt kann der Reiter die Losgelassenheit seines Pferdes am besten überprüfen. Ein fleißiger, aber nicht eiliger Schritt ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal und essenziell für die Lösungsphase zu Beginn jeder Trainingseinheit und für die Erholung zwischendurch.
Der Trab: Oft eine Herausforderung
Der Trab kann bei manchen Islandpferden eine Herausforderung sein. Durch die starke Veranlagung zum Tölt fällt es einigen Pferden schwer, einen klaren Zweitakt im Trab zu halten. Sie neigen dazu, in einen „Trab-Tölt“ oder „Tölt-Trab“ zu fallen, eine Mischform, die als „Gangsalat“ bezeichnet wird. Ein guter Reiter und eine solide Grundausbildung sind hier gefragt, um dem Pferd zu helfen, die Gänge sauber zu trennen. Ein schwungvoller, taktklarer Trab ist jedoch ein Zeichen für eine gute Balance und Durchlässigkeit.
Der Galopp: Von ruhig bis rasant
Der Galopp des Islandpferdes ist meist ein gut gesprungener Dreitakt. Je nach Veranlagung und Ausbildungsstand kann er von einem langsamen, versammelten Arbeitsgalopp bis hin zu einem schnellen Renngalopp variieren. Bei Fünfgängern ist ein guter, bergauf gesprungener Galopp besonders wichtig, da aus ihm oft der Übergang in den Rennpass erfolgt. Ein ruhiger, ausbalancierter Galopp ist nicht nur ein Genuss im Gelände, sondern auch eine wichtige gymnastizierende Übung.
Der Charakter des Islandpferdes: Robust, freundlich und willensstark
Neben den einzigartigen Gängen ist es vor allem der Charakter, der das Islandpferd so beliebt macht. Die jahrhundertelange Haltung in der rauen Natur Islands hat ein Pferd geformt, das nicht nur körperlich, sondern auch mental extrem robust ist. Sie gelten als unkompliziert, aber niemals als langweilig.
Ein Herz aus Gold: Das freundliche und menschenbezogene Wesen
Islandpferde sind für ihr freundliches und neugieriges Wesen bekannt. Sie bauen oft eine enge Bindung zu ihrem Menschen auf und zeigen sich im Umgang unerschrocken und geduldig. Sie sind keine nervösen Fluchttiere, sondern begegnen neuen Situationen oft mit einer gesunden Portion isländischer Gelassenheit und Neugier. Diese Eigenschaften machen sie zu verlässlichen Partnern in fast allen Lebenslagen.
Gleichzeitig besitzen sie einen klugen Kopf und einen starken eigenen Willen. Ein Islandpferd ist kein reiner Befehlsempfänger, sondern ein Partner, der mitdenkt. Diese Intelligenz erfordert einen fairen und konsequenten Umgang. Wer versucht, einen Isländer mit Druck zu dominieren, wird schnell auf Granit beißen. Wer ihn jedoch als Partner behandelt, gewinnt einen Freund fürs Leben, der für einen durchs Feuer geht.
Robust und trittsicher: Der perfekte Partner fürs Gelände
Ihre Herkunft aus dem unwegsamen Hochland Islands hat die Pferde mit einer außergewöhnlichen Trittsicherheit und einem natürlichen Orientierungssinn ausgestattet. Sie bewegen sich souverän über steinige Pfade, durch Wasser oder an steilen Hängen. Diese Selbstsicherheit gibt auch dem Reiter ein enormes Gefühl von Sicherheit im Gelände. Ein Islandpferd gerät selten in Panik und findet fast immer einen Weg. Diese mentale Stärke, gepaart mit ihrer Ausdauer, macht sie zu den wohl besten Geländereitpferden der Welt.
Für wen eignet sich ein Islandpferd?
Die Vielseitigkeit des Islandpferdes macht es für eine breite Gruppe von Reitern interessant. Es ist jedoch ein Mythos, dass jeder Isländer automatisch das perfekte Anfängerpferd ist. Ihre Eignung hängt stark von der individuellen Persönlichkeit, der Ausbildung und der Gangveranlagung ab.
- Für Freizeitreiter: Der Großteil der Islandpferde findet hier sein Zuhause. Ein gut gerittener Viergänger mit angenehmem Temperament ist der ideale Partner für entspannte Ausritte im Tölt.
- Für Familien und Kinder: Viele ältere, erfahrene Islandpferde sind wunderbare Lehrmeister für Kinder und Reitanfänger. Ihre Größe und ihr geduldiges Wesen sind hier ein großer Vorteil.
- Für ambitionierte Sportreiter: Im Gangpferdesport gibt es anspruchsvolle Prüfungen in Tölt, Viergang, Fünfgang und Pass. Hier sind Pferde mit viel Energie, Ausdruck und klar getrennten Gängen gefragt.
- Für Wanderreiter: Ihre Ausdauer, Robustheit und Trittsicherheit machen sie zu perfekten Begleitern für mehrtägige Wanderritte.
Letztendlich ist die Partnerschaft entscheidend. Ein willensstarkes, fünfgängiges Sportpferd kann einen Anfänger überfordern, während ein gemütlicher Freizeit-Tölter einen Turnierreiter unterfordern würde. Die Kunst liegt darin, das passende Pferd für die eigenen Wünsche und Fähigkeiten zu finden.
Artgerechte Haltung und Pflege: Was Islandpferde wirklich brauchen
Die robuste Natur des Islandpferdes bedeutet nicht, dass es anspruchslos ist. Im Gegenteil: Um gesund und leistungsbereit zu bleiben, benötigen sie eine Haltung, die ihren ursprünglichen Lebensbedingungen so nahe wie möglich kommt. Standard-Haltungsformen für Großpferde werden ihnen oft nicht gerecht.
Robusthaltung im Offenstall: Das isländische Ideal
Ein Leben in einer Einzelbox ist für ein geselliges und bewegungsfreudiges Islandpferd nicht artgerecht. Die ideale Haltungsform ist der Offenstall oder Aktivstall in einer stabilen Herde. Hier können sie ihr Sozialverhalten ausleben und sich rund um die Uhr frei bewegen. Ihr dichtes, zweischichtiges Winterfell schützt sie zuverlässig vor Kälte und Nässe, sodass sie auch bei Minusgraden keine Decke benötigen, solange sie gesund sind und einen trockenen, windgeschützten Unterstand haben. Ständige Bewegung ist zudem essenziell für ihren Stoffwechsel und ihre Gelenkgesundheit.
Fütterung: Weniger ist oft mehr
Islandpferde sind von Natur aus extrem gute Futterverwerter. Ihr Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, aus karger Nahrung maximale Energie zu ziehen. Das macht sie in unseren Breitengraden „leichtfuttrig“. Eine Überfütterung mit energiereichem Gras und Kraftfutter ist eine der größten Gefahren für ihre Gesundheit und kann zu Krankheiten wie Hufrehe oder dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) führen.
Die Basis der Fütterung sollte immer qualitativ hochwertiges, zuckerarmes Heu sein, das am besten 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht (z.B. aus Heunetzen mit kleinen Maschen). Kraftfutter ist nur bei hoher sportlicher Leistung oder bei speziellen Bedürfnissen notwendig. Ein gutes Mineralfutter, das auf die hiesigen Böden abgestimmt ist, ist hingegen unerlässlich, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Pflege von Mähne, Schweif und Fell
Das üppige Langhaar und das dichte Fell sind charakteristisch für die Rasse. Die lange Mähne und der volle Schweif benötigen regelmäßige Pflege, um nicht zu verfilzen. Vorsichtiges Verlesen von Hand oder mit speziellen Bürsten ist hier besser als aggressives Kämmen, das die Haare ausreißt. Im Fellwechsel im Frühjahr verlieren sie Unmengen an Winterfell. Hier hilft tägliches, intensives Striegeln, den Prozess zu unterstützen und die Hautatmung zu fördern. Ansonsten ist die Fellpflege unkompliziert – der natürliche Talg schützt die Haut, weshalb zu häufiges Waschen vermieden werden sollte.
Gesundheit und rassetypische Krankheiten
Trotz ihrer Robustheit gibt es einige gesundheitliche Themen, die bei Islandpferden gehäuft auftreten. Ein verantwortungsbewusster Besitzer sollte diese kennen, um präventiv handeln zu können. Bei gesundheitlichen Problemen oder Symptomen ist es unerlässlich, immer einen Tierarzt zu konsultieren.
Das Sommerekzem: Die größte Herausforderung
Das Sommerekzem ist die wohl bekannteste und leider auch häufigste Erkrankung bei Islandpferden. Es handelt sich um eine allergische Reaktion auf den Speichel von bestimmten Stechmücken (Kriebelmücken, Gnitzen). Die Pferde reagieren mit extrem starkem Juckreiz, scheuern sich Mähne und Schweif blutig und entwickeln offene, nässende Hautstellen.
Da es keine Heilung gibt, liegt der Fokus auf dem Management:
- Schutz vor Insekten: Spezielle Ekzemerdecken, die das gesamte Pferd bedecken, sind der wirksamste Schutz.
- Standortwahl: Ställe in windigen Lagen und fern von Gewässern sind weniger mückenbelastet.
- Pflege: Beruhigende, pflegende Lotionen können den Juckreiz lindern und die Haut heilen.
- Fütterung: Eine angepasste, zuckerarme Fütterung und die gezielte Gabe von Nährstoffen wie Zink können das Immunsystem und die Hautbarriere unterstützen.
Pferde, die direkt aus Island importiert werden, entwickeln besonders häufig ein Ekzem, da sie auf der Insel keinen Kontakt mit den auslösenden Allergenen hatten.
Weitere gesundheitliche Aspekte: Spat und Hufrehe
Spat, eine Form der Arthrose im Sprunggelenk, tritt bei Islandpferden ebenfalls häufiger auf. Die genauen Ursachen sind komplex, aber eine Rolle spielen genetische Veranlagung, Fehlstellungen und Belastung. Ein gutes Management mit ausreichend Bewegung auf gutem Boden und korrektem Hufbeschlag kann präventiv wirken.
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, die oft durch Fütterungsfehler ausgelöst wird. Zu viel fruktanreiches Gras im Frühjahr oder zu viel stärke- und zuckerreiches Futter sind die Hauptrisikofaktoren für die leichtfuttrigen Isländer. Eine karge, heubasierte Fütterung ist die beste Vorbeugung.
Vorsorge und Langlebigkeit
Mit der richtigen Haltung, Fütterung und Pflege sind Islandpferde außergewöhnlich langlebig und bleiben oft bis ins hohe Alter von über 30 Jahren fit und reitbar. Regelmäßige Hufpflege durch einen erfahrenen Hufschmied, jährliche Zahnkontrollen und Impfungen sowie eine strategische Entwurmung sind selbstverständliche Bestandteile der Gesundheitsvorsorge. Ein aufmerksamer Blick auf das eigene Pferd hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.
Ein Islandpferd kaufen: Worauf du achten solltest
Die Entscheidung für ein eigenes Islandpferd ist ein großer Schritt. Damit der Traum vom eigenen Isi nicht zum Albtraum wird, ist eine sorgfältige Auswahl entscheidend. Nimm dir Zeit und lass dich von erfahrenen Islandpferde-Leuten beraten.
Die richtige Wahl: Viergänger oder Fünfgänger?
Diese Frage solltest du dir zu Beginn stellen. Wenn du von Passrennen träumst, brauchst du einen Fünfgänger. Bedenke aber, dass Fünfgänger oft mehr „Go“ haben und die saubere Trennung der Gänge anspruchsvoller sein kann. Für den entspannten Freizeitreiter, der vor allem bequem tölten möchte, ist ein taktklarer Viergänger mit einem ausgeglichenen Temperament oft die bessere und unkompliziertere Wahl. Sei ehrlich zu dir selbst, was deine reiterlichen Fähigkeiten und Ziele angeht.
Checkliste für den Pferdekauf
Bevor du einen Kaufvertrag unterschreibst, solltest du das Pferd mehrmals besuchen und ausprobieren. Eine Ankaufsuntersuchung durch einen unabhängigen Tierarzt ist dringend zu empfehlen. Achte auf folgende Punkte:
- Gesundheitszustand: Gibt es Anzeichen für Sommerekzem (gescheuerte Stellen, schuppige Haut)? Wie ist der Allgemeinzustand? Sind die Beine klar und die Hufe in Ordnung?
- Charakter und Verhalten: Wie verhält sich das Pferd im Umgang, beim Putzen und Satteln? Ist es neugierig und menschenbezogen oder eher ängstlich und zurückhaltend?
- Ausbildungsstand und Gänge: Lass dir das Pferd vom Besitzer vorreiten und reite es selbst Probe. Sind die Gänge taktklar und einfach abrufbar? Reagiert das Pferd fein auf die Hilfen?
- Herkunft und Papiere: Ein seriöser Verkäufer kann dir die Abstammungspapiere (FEIF-ID) und den Equidenpass zeigen. Bei Importpferden ist die Geschichte seit dem Import interessant.
- Passform: Fühlst du dich auf dem Pferd wohl und sicher? Stimmt die Chemie zwischen euch? Dies ist oft der wichtigste Punkt.
Nimm am besten einen erfahrenen Freund oder Trainer mit, der einen objektiven Blick auf das Pferd werfen kann.
Was kostet ein Islandpferd? Preise und laufende Kosten
Die Preise für Islandpferde variieren stark je nach Alter, Abstammung, Ausbildung und Gangqualität. Als grobe Orientierung können folgende Preisspannen dienen:
- Absetzer/Jungpferd: ab ca. 3.000 – 7.000 €
- Solide gerittenes Freizeitpferd: ca. 8.000 – 15.000 €
- Gut ausgebildeter Vier- oder Fünfgänger für den Sport: ab 15.000 €, nach oben offen
Zu den Anschaffungskosten kommen die monatlichen laufenden Kosten. Diese umfassen Stallmiete (ca. 250-500 €), Futter, Hufschmied (ca. 40-150 € alle 6-8 Wochen), Tierarzt (Impfungen, Entwurmung, Notfälle), Versicherungen und Ausrüstung. Rechne hier mit mindestens 400-700 € pro Monat.
Fazit: Das Islandpferd – Mehr als nur ein Pony mit Tölt
Das Islandpferd ist eine Rasse, die begeistert. Es ist die einzigartige Mischung aus einem robusten, verlässlichen Charakter und den faszinierenden, komfortablen Gangarten, die es so besonders macht. Ob als treuer Freizeitpartner für entspannte Töltausritte, als sportlicher Wettkämpfer in Gangprüfungen oder als geduldiger Lehrmeister für die ganze Familie – der Isländer ist ein wahrer Allrounder.
Die Entscheidung für ein Islandpferd ist eine Entscheidung für einen Partner, der einen mit seiner Intelligenz, Stärke und seinem freundlichen Wesen jeden Tag aufs Neue fordert und bereichert. Wer bereit ist, sich auf ihren besonderen Charakter einzulassen und ihnen eine artgerechte Haltung zu bieten, wird in einem Islandpferd einen Freund fürs Leben finden, der mit einem durch dick und dünn geht – am liebsten im Tölt.
Wichtige Hinweise
Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Gesundheitsfragen immer einen qualifizierten Arzt. Ändern Sie niemals eigenständig Ihre Medikation oder Behandlung.
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