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Letztes Update: 02. Mai 2026

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Gesunde Pferdeernährung: Der Ratgeber für artgerechte Fütterung

17. April 2026•26 Min. Lesezeit
von Lisa Brandt
Gesunde Pferdeernährung: Der Ratgeber für artgerechte Fütterung

Das Wichtigste auf einen Blick

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Warum eine gesunde Ernährung die Basis für alles ist

Warum eine gesunde Ernährung die Basis für alles ist
Warum eine gesunde Ernährung die Basis für alles ist

Wusstest du, dass der Magen deines Pferdes nur die Größe eines Handballs hat, sein Darm aber über 30 Meter lang ist? Diese beeindruckende Anatomie macht sofort klar: Die Ernährung eines Pferdes ist keine Nebensache, sondern das absolute Fundament für seine Gesundheit, Leistungsfähigkeit und sein Wohlbefinden. Fütterungsfehler sind eine der häufigsten Ursachen für Krankheiten wie Koliken, Magengeschwüre oder Hufrehe.

Eine ausgewogene und artgerechte Fütterung ist weit mehr als nur die reine Sättigung. Sie liefert die Energie für die tägliche Arbeit, die Bausteine für eine starke Muskulatur und ein glänzendes Fell und unterstützt ein stabiles Immunsystem. Die Beschaffenheit des Fells und die Ausprägung der Muskulatur stehen in direktem Zusammenhang mit der Zusammensetzung der täglichen Futterration. Es geht darum, das empfindliche Verdauungssystem des Pferdes zu verstehen und ihm genau das zu geben, was es von Natur aus braucht.

In unserem Ratgeber zeigen wir dir die Grundpfeiler einer gesunden Pferdeernährung. Wir erklären, warum Raufutter unersetzlich ist, wann Kraftfutter wirklich sinnvoll ist und welche Rolle Mineralien und Vitamine spielen. So kannst du fundierte Entscheidungen treffen und die Fütterung deines Pferdes optimal auf seine individuellen Bedürfnisse abstimmen – für ein langes und gesundes Pferdeleben.

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Fakt

Die Beschaffenheit des Fells und die Ausprägung der Muskulatur stehen in direktem Zusammenhang mit der Zusammensetzung der täglichen Futterration.

Dieser Fakt ist für Pferdebesitzer von zentraler Bedeutung, da er das Pferd als 'Spiegel der Fütterung' beschreibt. Ein stumpfes, glanzloses Fell ist oft nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern kann ein erstes, sichtbares Warnsignal für einen Mangel an essenziellen Nährstoffen wie Zink, Kupfer oder Omega-3-Fettsäuren sein. Ebenso deutet eine schlecht entwickelte Muskulatur trotz regelmäßigem Training darauf hin, dass die Ration möglicherweise nicht genügend hochwertige Proteine (Aminosäuren) für den Muskelaufbau liefert. Die Beobachtung von Fell und Muskulatur wird so zu einem wichtigen, alltäglichen Werkzeug für das Fütterungsmanagement, um den Erfolg der aktuellen Ration zu bewerten und frühzeitig auf Defizite reagieren zu können.

📍 Quelle: cavallo.de

Die Verdauung des Pferdes verstehen: Der Dauerfresser

Die Verdauung des Pferdes verstehen: Der Dauerfresser
Die Verdauung des Pferdes verstehen: Der Dauerfresser

Um dein Pferd richtig füttern zu können, musst du verstehen, wie sein Verdauungssystem funktioniert. Pferde sind von Natur aus Steppentiere und darauf ausgelegt, über 16 bis 18 Stunden am Tag kleine Mengen an rohfaserreichem Futter aufzunehmen. Dieses Prinzip des „Dauerfressers“ prägt den gesamten Verdauungstrakt und ist der Schlüssel zu einer artgerechten Ernährung.

Der Magen: Klein, empfindlich und für Dauerfutter gemacht

Der Pferdemagen ist im Verhältnis zur Körpergröße erstaunlich klein und fasst nur etwa 8 bis 15 Liter. Er ist darauf ausgelegt, kontinuierlich kleine Futterportionen zu verarbeiten. Ein entscheidender Punkt: Der Magen produziert permanent Magensäure, unabhängig davon, ob Futter vorhanden ist oder nicht. Frisst das Pferd, wird die Säure durch den Speichel, der beim Kauen entsteht, und den Futterbrei selbst abgepuffert.

Lange Fresspausen von mehr als vier Stunden sind daher problematisch. Ohne Futterbrei greift die aggressive Magensäure die ungeschützte Magenschleimhaut an, was schmerzhafte Magengeschwüre zur Folge haben kann. Zudem sollte die maximale Menge an Kraftfutter pro Mahlzeit nicht mehr als 1,5 kg Trockensubstanz betragen, um eine Überladung des kleinen Magens und eine zu schnelle Weiterleitung in den Dünndarm zu vermeiden.

Der Dünndarm: Wo Nährstoffe aufgenommen werden

Nach dem Magen gelangt der Futterbrei in den Dünndarm. Hier findet die enzymatische Verdauung von leicht verdaulichen Nährstoffen statt. Dazu gehören Zucker, Stärke (aus Getreide), Proteine und Fette. Diese werden in ihre Einzelteile zerlegt und über die Darmwand ins Blut aufgenommen.

Die Kapazität zur Stärkeverdauung ist beim Pferd jedoch begrenzt. Zu große Mengen an stärkereichem Futter (z.B. viel Getreide auf einmal) überfordern den Dünndarm. Unverdaute Stärke gelangt dann in den Dickdarm, wo sie massive Fehlgärungen und eine Übersäuerung des Milieus verursachen kann – ein häufiger Auslöser für Koliken und Hufrehe. Aus diesem Grund gilt Hafer als besonders pferdegerecht, da seine Stärke im Vergleich zu Mais oder Gerste eine hohe Verdaulichkeit im Dünndarm aufweist.

Der Dickdarm: Das Gärfass für Rohfaser

Der Dickdarm ist das Kraftwerk des Pferdes. Er ist eine riesige Gärkammer, in der Milliarden von Mikroorganismen leben. Ihre Hauptaufgabe ist die Fermentation von Rohfaser – also den schwer verdaulichen Pflanzenfasern aus Heu, Gras und Stroh. Bei diesem Prozess entstehen flüchtige Fettsäuren, die dem Pferd als Hauptenergiequelle dienen.

Ein gesundes Dickdarmmilieu ist entscheidend für die gesamte Pferdegesundheit. Es ist die Basis für ein funktionierendes Immunsystem und das psychische Gleichgewicht des Tieres. Eine ausreichende Versorgung mit Rohfasern durch Heu und Stroh unterstützt nicht nur die Verdauung, sondern dient durch die lange Kautätigkeit auch dem Stressabbau. Das Fundament jeder Fütterung muss es daher sein, diese fleißigen Mikroben im Dickdarm bei Laune zu halten – und das geht nur mit ausreichend Raufutter.

📊

Statistik

16 Stunden

Durchschnittliche Zeitdauer, die Pferde in natürlicher Umgebung mit der Futteraufnahme verbringen

Diese beeindruckende Zahl von 16 Stunden Fresszeit verdeutlicht den fundamentalen Konflikt zwischen der Natur des Pferdes und der modernen Haltung in Boxen mit portionierten Mahlzeiten. Das Verdauungssystem ist auf eine quasi ununterbrochene Aufnahme von rohfaserreichem Futter ausgelegt. Die Statistik erklärt, warum lange Fresspausen (> 4 Stunden) so problematisch sind: Der Magen produziert permanent Säure, die ohne Futterbrei die Magenschleimhaut angreift. Für Pferdehalter bedeutet dies, dass Management-Lösungen wie engmaschige Heunetze, Slow Feeder oder der ständige Zugang zu Raufutter nicht nur 'nice to have', sondern essenziell für die Gesunderhaltung und das Wohlbefinden des Pferdes sind, um diesem natürlichen Verhalten so nah wie möglich zu kommen.

📍 Quelle: masterhorse.de

Säule 1: Raufutter – Das A und O der Pferdefütterung

Wenn es eine goldene Regel in der Pferdeernährung gibt, dann lautet sie: Raufutter ist die Basis. Ohne hochwertiges Heu, Gras oder eine Alternative dazu kann kein Pferd gesund ernährt werden. Raufutter liefert nicht nur die überlebenswichtige Rohfaser für die Verdauung, sondern deckt auch einen Großteil des Energiebedarfs und sorgt für eine artgerechte Beschäftigung. Die Fütterung beginnt und endet mit der Qualität und Menge des Raufutters.

Heu: Die unverzichtbare Grundlage

Hochwertiges Heu ist die wichtigste Rohfaserquelle und bildet die essenzielle Grundlage der täglichen Pferdefütterung. Es sollte dem Pferd idealerweise zur freien Verfügung stehen oder zumindest so portioniert werden, dass keine langen Fresspausen entstehen. Als absolute Mindestmenge gilt die Empfehlung von 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes. Für ein 600 kg schweres Pferd sind das also mindestens 9 kg Heu pro Tag.

Gutes Heu erkennst du an mehreren Merkmalen:

  • Geruch: Es sollte aromatisch und frisch riechen, niemals muffig, modrig oder staubig.
  • Farbe: Eine grüne bis gelb-grüne Farbe zeugt von einer schonenden Trocknung. Braunes oder ausgeblichenes Heu hat an Nährstoffen verloren.
  • Struktur: Es sollte eine gute Struktur mit langen Halmen und verschiedenen Gräsern und Kräutern aufweisen, aber nicht zu holzig sein.
  • Sauberkeit: Es darf keinerlei Anzeichen von Schimmel (weiße oder schwarze Nester), Dreck oder Giftpflanzen enthalten.

Da der Nährstoffgehalt von Heu (insbesondere Zucker, Protein und Mineralien) stark schwanken kann, ist eine Heuanalyse eine sinnvolle Investition. Sie gibt dir genaue Informationen über die Inhaltsstoffe und ermöglicht eine passgenaue Ergänzung der Ration.

Weidegras: Frische Energie mit Tücken

Weidegang ist die natürlichste Form der Futteraufnahme. Frisches Gras ist reich an Energie, Proteinen und Vitaminen. Ein Pferd kann auf einer saftigen Weide bis zu 4 kg Gras pro Stunde aufnehmen, was sich über den Tag auf bis zu 50 kg summieren kann. Dies deckt den Energiebedarf eines Freizeitpferdes oft mehr als ausreichend.

Allerdings birgt Weidegras auch Risiken. Vor allem im Frühjahr und Herbst kann der Fruktan-Gehalt (eine Zuckerart) im Gras stark ansteigen. Für vorbelastete Pferde ist dies ein erhebliches Risiko für Hufrehe. Daher ist ein langsames Anweiden im Frühjahr unerlässlich, bei dem die Weidezeit über mehrere Wochen langsam gesteigert wird. Auch die Weidepflege ist entscheidend, um die Ausbreitung von Giftpflanzen zu verhindern und eine gesunde Grasnarbe zu fördern.

Heulage und Stroh: Alternativen und Ergänzungen

Heulage ist unter Folie fermentiertes Gras und eine staubfreie Alternative zu Heu, die oft bei Pferden mit Atemwegsproblemen eingesetzt wird. Sie ist jedoch feuchter und hat einen niedrigeren pH-Wert. Einmal geöffnet, muss Heulage schnell verfüttert werden, da sie an der Luft leicht verdirbt. Sie ist nicht für jedes Pferd geeignet und erfordert eine einwandfreie hygienische Qualität.

Futterstroh (am besten aus Hafer oder Weizen) ist eine gute Ergänzung, um die Kauzeit zu verlängern und für Beschäftigung zu sorgen. Es ist sehr rohfaserreich, aber energie- und nährstoffarm. Es sollte jedoch nur in begrenzten Mengen (bis zu ca. 3 kg pro Tag für ein Großpferd) gefüttert werden, da zu viel Stroh zu Verstopfungskoliken führen kann. Es ersetzt niemals die tägliche Heuration, sondern ergänzt sie.

📊

Statistik

1,5 bis 2,0 kg

Richtwert für die tägliche Gesamtfuttermenge pro 100 kg Körpergewicht

Dieser Richtwert ist eine der wichtigsten Faustregeln in der Pferdefütterung. Die 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht stellen das absolute Minimum dar, um die Verdauungsgesundheit sicherzustellen. Die Obergrenze von 2,0 kg ist für Pferde relevant, die schwerfuttrig sind, in kälteren Klimazonen leben oder einen höheren Grundumsatz haben. Für ein 600 kg schweres Pferd bedeutet dies eine tägliche Gesamtfuttermenge von 9 bis 12 kg, wovon der Löwenanteil aus Heu bestehen muss. Diese Zahl hilft Pferdebesitzern, die tägliche Heumenge visuell zu überprüfen und eine Unterversorgung zu vermeiden, die zu Verdauungsproblemen und Verhaltensstörungen führen kann. Es ist die Grundlage jeder Rationsberechnung.

📍 Quelle: vetevo.de

Säule 2: Kraftfutter – Wann und wie viel?

Kraftfutter ist der Energielieferant in der Pferdefütterung. Doch während es früher als Standard galt, weiß man heute: Nicht jedes Pferd braucht es. Viele Freizeitpferde sind bereits mit ausreichend Raufutter und einem guten Mineralfutter bestens versorgt. Kraftfutter kommt dann ins Spiel, wenn der Energie- und Proteinbedarf durch das Grundfutter allein nicht mehr gedeckt werden kann. Dies ist typischerweise bei Sportpferden, Zuchtstuten, Jungpferden im Wachstum oder schwerfuttrigen Pferden der Fall.

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Getreide: Der klassische Energielieferant

Getreide liefert schnell verfügbare Energie in Form von Stärke. Der Klassiker und die beste Wahl für Pferde ist Hafer. Seine Stärke ist im Dünndarm hochverdaulich, und sein günstiges Verhältnis von Stärke (ca. 45%) zu Rohfaser (ca. 11%) macht ihn pferdefreundlicher als andere Getreidesorten. Er liefert Energie, ohne den Verdauungstrakt übermäßig zu belasten.

Gerste und Mais sind ebenfalls Energielieferanten, aber ihre Stärke ist schwerer verdaulich. Sie sollten daher nur hydrothermisch aufgeschlossen (z.B. als Flocken) verfüttert werden, um die Verdaulichkeit im Dünndarm zu erhöhen und eine Belastung des Dickdarms zu vermeiden. Die übliche tägliche Kraftfuttermenge liegt je nach Leistungsanforderung zwischen 2 und 5 kg, sollte aber immer auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt werden.

Müsli und Pellets: Die fertigen Mischungen

Fertigfuttermittel wie Müsli oder Pellets sind beliebt, da sie oft bereits mineralisiert und vitaminisiert sind. Sie bieten eine bequeme Komplettlösung. Müslis bestehen aus verschiedenen Komponenten wie Getreideflocken, Luzerne, Kräutern und oft auch Melasse als Bindemittel und Geschmacksträger. Pellets sind verpresste Futterbestandteile, bei denen alle Nährstoffe homogen in jedem Pellet enthalten sind.

Der Vorteil liegt in der einfachen Handhabung. Der Nachteil: Man sieht oft nicht genau, was drin ist. Achte hier besonders auf die Zusammensetzung. Ein hoher Zucker- und Stärkegehalt kann für viele Pferde problematisch sein. Es gibt jedoch eine große Auswahl an Produkten, sodass man für fast jeden Bedarf ein passendes, hochwertiges Pferdefutter finden kann, zum Beispiel auch strukturreiche oder getreidefreie Varianten.

Getreidefreie Alternativen: Für empfindliche Pferde

Für Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), Cushing (PPID), PSSM oder Getreideunverträglichkeiten ist eine stärke- und zuckerarme Fütterung entscheidend. Hier kommen getreidefreie Kraftfutteralternativen ins Spiel. Diese basieren auf hochverdaulichen Faserquellen und Fetten.

Beliebte Komponenten sind:

  • Rübenschnitzel: Unmelassiert und eingeweicht sind sie eine hervorragende, zuckerarme Energiequelle.
  • Luzerne: Reich an essenziellen Aminosäuren und Kalzium, ideal zum Muskelaufbau.
  • Reiskleie: Fettreich und energiereich, aber stärkearm.
  • Leinsamen und Öle: Liefern Omega-3-Fettsäuren und zusätzliche Energie.

Diese Alternativen liefern Energie auf eine Weise, die den Blutzuckerspiegel stabil hält und den empfindlichen Stoffwechsel nicht belastet. Sie sind eine wichtige Säule in der Diätetik für Pferde mit besonderen Bedürfnissen.

Kraftfutter-Typ Vorteile Nachteile Besonders geeignet für
Hafer Hohe Dünndarm-Verdaulichkeit, regt zum Kauen an, liefert schnelle Energie Ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis (muss ausgeglichen werden) Sportpferde, nervöse Pferde ("macht nicht heiß")
Gerste / Mais Sehr energiereich, höherer Energiegehalt als Hafer Stärke schwer verdaulich, nur aufgeschlossen (geflockt) füttern, Risiko für Fehlgärungen Schwerfuttrige Pferde, die an Masse zulegen sollen
Müsli Oft mineralisiert & vitaminisiert, hohe Akzeptanz, große Auswahl Oft hoher Zucker-/Melasse-Anteil, unübersichtliche Zusammensetzung möglich Pferdebesitzer, die eine praktische All-in-One-Lösung suchen
Getreidefrei Stärke- und zuckerarm, schont den Stoffwechsel, gut für die Verdauung Oft teurer, manche Komponenten müssen eingeweicht werden Pferde mit Stoffwechselproblemen (EMS, PSSM, Rehe), Allergiker
💡

Fakt

Hafer gilt aufgrund seiner hohen Verdaulichkeit im Dünndarm und seines günstigen Verhältnisses von Stärke zu Rohfaser als besonders geeignetes Getreide für Pferde.

Dieser Fakt erklärt, warum Hafer traditionell als das 'Pferdegetreide' schlechthin gilt. Die hohe Verdaulichkeit seiner Stärke im Dünndarm ist entscheidend. Das bedeutet, die Energie wird dort freigesetzt, wo der Körper sie effizient aufnehmen kann. Im Gegensatz dazu gelangt die schwerer verdauliche Stärke von Mais oder Gerste oft unverdaut in den Dickdarm. Dort verursacht sie eine gefährliche Verschiebung der Darmflora, was zu Übersäuerung, Koliken und Hufrehe führen kann. Das günstige Verhältnis von Stärke zu Rohfaser im Hafer unterstützt zusätzlich eine gesunde Verdauung. Für Pferdehalter ist dies die Bestätigung, dass Hafer – korrekt dosiert – die sicherste Getreidequelle für zusätzliche Energie ist.

📍 Quelle: dr-susanne-weyrauch.de

Säule 3: Mineralien, Vitamine und Spurenelemente – Die unsichtbaren Helden

Während Raufutter und Kraftfutter die sichtbaren Energielieferanten sind, arbeiten Mineralien, Vitamine und Spurenelemente im Verborgenen. Sie sind die Zündkerzen im Motor des Pferdekörpers. Ohne sie laufen Stoffwechselprozesse, der Knochenaufbau, die Immunabwehr und die Muskelfunktion nicht rund. Ein Mangel kann sich schleichend entwickeln und zu vielfältigen Problemen führen, von einem schwachen Immunsystem bis hin zu brüchigen Hufen.

Warum Mineralfutter (fast) immer nötig ist

Die Annahme, dass Heu und Gras alle nötigen Nährstoffe liefern, ist leider ein Trugschluss. Unsere Böden sind heute oft nicht mehr so nährstoffreich wie früher. Dadurch enthält auch das Grundfutter häufig nicht mehr genügend Mineralien und Spurenelemente, um den Bedarf eines Pferdes vollständig zu decken. Ein Mineralfutter trägt daher ganzjährig zur Aufrechterhaltung einer normalen Nährstoffversorgung bei.

Selbst Pferde, die nur auf der Weide stehen und kein Kraftfutter bekommen, benötigen in der Regel eine Ergänzung. Die Wahl des richtigen Mineralfutters sollte sich idealerweise nach den Ergebnissen einer Heuanalyse richten. So kann man gezielt die Nährstoffe ergänzen, die im Grundfutter fehlen, und eine Überversorgung vermeiden, die ebenfalls schädlich sein kann.

Die wichtigsten Mineralien und Spurenelemente

Ein gutes Mineralfutter sollte eine ausgewogene Mischung wichtiger Nährstoffe enthalten. Zu den entscheidenden Akteuren gehören:

  • Zink: Unverzichtbar für Haut, Fell und Hufe. Ein Mangel zeigt sich oft in schlechter Hornqualität, Hautproblemen oder einem geschwächten Immunsystem. Zinkhaltige Ergänzungen können besonders im Fellwechsel zur Erhaltung normaler Funktionen beitragen.
  • Selen: Ein wichtiges Antioxidans für den Schutz der Zellmembranen und die Muskelfunktion. Aber Vorsicht: Eine Überdosierung ist hochgiftig! Die Ergänzung sollte nur bei nachgewiesenem Mangel erfolgen.
  • Kupfer: Wichtig für die Blutbildung, das Bindegewebe und die Pigmentierung des Fells.
  • Mangan: Spielt eine Rolle im Knochen- und Knorpelstoffwechsel.
  • Calcium & Phosphor: Die Bausteine für Knochen und Zähne. Ihr Verhältnis in der Gesamtration ist entscheidend (ca. 1,5-2:1).

Die bedarfsgerechte Versorgung mit diesen Mikronährstoffen ist ein entscheidender Faktor für die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit deines Pferdes.

Vitamine: Bedarf und Quellen

Vitamine sind ebenfalls lebenswichtige organische Verbindungen. Pferde können einige davon selbst synthetisieren, andere müssen über das Futter aufgenommen werden. Bei Pferden mit Weidegang ist die Versorgung mit den meisten Vitaminen im Sommer gesichert. Im Winter oder bei reiner Stallhaltung kann eine Ergänzung sinnvoll sein.

Besonders wichtig sind:

  • Vitamin A (bzw. Beta-Carotin): Wichtig für Sehkraft, Immunsystem und Schleimhäute. Frisches Gras ist reich an Beta-Carotin, in altem Heu nimmt der Gehalt jedoch stark ab.
  • Vitamin D: Wird bei Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Bei reiner Stallhaltung im Winter kann ein Mangel entstehen.
  • Vitamin E: Ein starkes Antioxidans, das die Muskelzellen schützt. Der Bedarf steigt bei sportlicher Belastung. Da es in konserviertem Futter schnell abgebaut wird, ist eine Ergänzung im Winter oft ratsam.

Eine gezielte Ergänzung, angepasst an Haltung und Leistung, stellt sicher, dass dein Pferd auch mit diesen unsichtbaren Helfern bestens versorgt ist.

💡

Fakt

Mineralfutter trägt ganzjährig zur Aufrechterhaltung einer normalen Nährstoffversorgung bei, da Grundfutter allein oft nicht ausreicht.

Diese Aussage ist von entscheidender Bedeutung, da sie mit dem Mythos aufräumt, dass 'nur Heu' eine vollständige Ernährung darstellt. Die Realität ist, dass unsere landwirtschaftlichen Böden oft arm an wichtigen Spurenelementen wie Selen, Zink und Kupfer sind. Folglich fehlen diese auch im Heu. Ein Mineralfutter ist daher keine 'Zusatzleistung', sondern eine Notwendigkeit, um diese ernährungsbedingten Lücken zu schließen. Es fungiert als eine Art Nährstoff-Versicherung, die sicherstellt, dass der Stoffwechsel, das Immunsystem und die Hufqualität die Bausteine erhalten, die sie benötigen. Selbst Pferde auf der Weide profitieren davon, da auch Weidegras oft nicht alle Mikronährstoffe in ausreichender Menge enthält.

📍 Quelle: equitana.com

Wasser – Der oft unterschätzte Lebenselixier

Wasser – Der oft unterschätzte Lebenselixier
Wasser – Der oft unterschätzte Lebenselixier

In jeder Diskussion über Futterpläne und Nährstoffe wird ein Element oft übersehen, obwohl es das absolut wichtigste ist: Wasser. Ein Pferd besteht zu etwa 60-70 % aus Wasser. Es ist für jeden einzelnen Stoffwechselvorgang, die Regulierung der Körpertemperatur und den Transport von Nährstoffen und Abfallprodukten unerlässlich. Ein Pferd kann wochenlang ohne Futter überleben, aber nur wenige Tage ohne Wasser.

Der tägliche Wasserbedarf eines Pferdes liegt bei etwa 5 Litern pro 100 kg Körpergewicht. Für ein 600 kg schweres Pferd sind das also rund 30 Liter pro Tag. Dieser Bedarf kann sich bei Hitze, anstrengender Arbeit oder bei laktierenden Stuten leicht verdoppeln oder sogar verdreifachen. Pferde, die hauptsächlich trockenes Heu fressen, trinken mehr als Pferde auf der Weide, da Gras bereits einen hohen Wasseranteil hat.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass dein Pferd jederzeit Zugang zu frischem, sauberem Wasser hat. Die Tränke – egal ob Selbsttränke oder Bottich – muss täglich kontrolliert und regelmäßig gründlich gereinigt werden. Im Sommer können sich schnell Algen bilden, im Winter kann das Wasser gefrieren. Beides kann dazu führen, dass Pferde zu wenig trinken, was das Risiko für Dehydration und Verstopfungskoliken dramatisch erhöht. Achte also immer darauf, dass die Wasserversorgung deines Pferdes gesichert ist.

✅

Quick-Check

✅ Quick-Check: Optimale Wasserversorgung sicherstellen Wasser ist der wichtigste Nährstoff. Mit dieser Checkliste stellst du sicher, dass dein Pferd immer genug trinkt:

  • ✓Tägliche Kontrolle: Überprüfe mindestens zweimal täglich die Funktion und Sauberkeit von Selbsttränken oder den Füllstand von Wasserbottichen.
  • ✓Gründliche Reinigung: Reinige Tröge und Eimer mindestens einmal pro Woche gründlich mit einer Bürste, um rutschige Algenbeläge (Biofilm) zu entfernen.
  • ✓Temperatur im Blick: Sorge im Winter dafür, dass das Wasser eisfrei ist. Im Sommer sollte das Wasser nicht durch direkte Sonneneinstrahlung zu warm werden. Lauwarmes Wasser wird oft lieber getrunken als eiskaltes.
  • ✓Mehrere Wasserstellen: Biete in Gruppenhaltungen immer mindestens eine Wasserquelle mehr an, als Pferde in der Gruppe sind. So wird verhindert, dass rangniedere Tiere vom Trinken abgehalten werden.
  • ✓Unterwegs trinken: Nimm auf Reisen gewohntes Wasser von zu Hause mit oder füge einen kleinen Schuss Apfelsaft hinzu, um dein Pferd zum Trinken an fremden Orten zu animieren.
  • ✓Durst anregen: Nach starkem Schwitzen kannst du Elektrolyte über das Futter (nicht ins Wasser!) geben. Das gleicht nicht nur den Mineralverlust aus, sondern regt auch den Durst an.

Individuelle Fütterung: Den Bedarf richtig einschätzen

Es gibt keine Einheitslösung in der Pferdefütterung. Jedes Pferd ist ein Individuum mit eigenen Bedürfnissen. Die perfekte Ration hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Eine bedarfsgerechte Fütterung, die an Rasse, Alter, Haltungsform und körperliche Beanspruchung angepasst ist, ist der Schlüssel zum Erfolg. Nur so vermeidest du eine Unter- oder Überversorgung und hältst dein Pferd gesund und leistungsbereit.

Fütterung nach Leistung: Freizeitpferd vs. Sportpferd

Der größte Unterschied im Futterbedarf ergibt sich aus der Arbeitsleistung. Ein Freizeitpferd, das nur leicht im Gelände geritten wird, hat oft nur einen Erhaltungsbedarf. Dieser wird in den meisten Fällen bereits durch ausreichend hochwertiges Heu gedeckt. Zusätzliches Kraftfutter führt hier schnell zu Übergewicht und Stoffwechselproblemen. Ein gutes Mineralfutter zur Abdeckung der Mikronährstoffe ist hier meist die einzig nötige Ergänzung.

Ein Sportpferd im regelmäßigen Training hat hingegen einen deutlich erhöhten Bedarf an Energie und Proteinen. Der maximale Energieverbrauch durch Training bei einem durchschnittlichen Freizeitpferd liegt bei etwa 15 MJ pro Tag, bei einem Sportpferd kann dieser Wert weit höher sein. Hier ist der gezielte Einsatz von Kraftfutter wie Hafer notwendig, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten und den Muskelaufbau zu unterstützen. Proteine aus Gras, Heu und Hafer tragen zum Erhalt und Aufbau einer normalen Muskulatur bei, wobei die Leber eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von Futterproteinen in körpereigenes Muskeleiweiß spielt.

Senioren und Jungpferde: Besondere Anforderungen

Alte Pferde haben spezielle Bedürfnisse. Oft lassen die Zähne nach, was das Kauen von Heu erschwert. In solchen Fällen muss das Raufutter durch eingeweichte Alternativen wie Heucobs ersetzt werden, um die Nährstoffaufnahme zu sichern. Die empfohlene tägliche Gesamtmenge bei vollständigem Heuersatz kann für Senioren 8-10 kg Trockenmasse betragen, aufgeteilt auf viele kleine Portionen. Zudem ist ihr Stoffwechsel oft weniger effizient, weshalb sie einen höheren Bedarf an hochwertigen Proteinen und bestimmten Vitaminen (z.B. Vitamin C) haben können.

Jungpferde im Wachstum benötigen ebenfalls eine angepasste Fütterung. Sie brauchen ausreichend Energie und vor allem hochwertige Proteine (Aminosäuren) für den Aufbau von Muskeln, Sehnen und Organen. Eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen wie Calcium, Phosphor und Kupfer ist entscheidend für eine gesunde Entwicklung des Skeletts. Eine Überfütterung mit Energie ist hier genauso schädlich wie ein Mangel und kann zu Wachstumsstörungen führen.

Zuchtstuten und Pferde mit Erkrankungen

Trächtige und laktierende Zuchtstuten haben einen enormen Nährstoffbedarf, der ab dem letzten Drittel der Trächtigkeit und vor allem während der Säugezeit stark ansteigt. Eine hochwertige Protein- und Mineralstoffversorgung ist hier unerlässlich, um sowohl die Stute als auch das Fohlen optimal zu versorgen.

Bei Pferden mit chronischen Erkrankungen ist die Fütterung ein zentraler Teil der Therapie. Pferde mit EMS oder Hufrehe-Neigung benötigen eine streng zucker- und stärkearme Diät. Pferde mit Leber- oder Nierenproblemen brauchen eine angepasste Proteinversorgung. In diesen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt unerlässlich. Für weiterführende Informationen zu Haltungs- und Fütterungsrichtlinien bietet die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) umfassende Leitlinien an.

ℹ️

Wissenswertes

ℹ️ Gut zu wissen: Der Body Condition Score (BCS)

Um den Futterbedarf deines Pferdes richtig einzuschätzen, ist die Beurteilung des Ernährungszustands entscheidend. Der Body Condition Score (BCS) ist dafür ein objektives System. Die Skala reicht von 1 (extrem mager) bis 9 (extrem fettleibig), wobei ein Wert zwischen 5 und 6 als ideal gilt. Achte auf diese sechs Schlüsselstellen:

1. Rippen: Sie sollten nicht sichtbar, aber mit leichtem Fingerdruck gut fühlbar sein. Eine Fettschicht darüber deutet auf Übergewicht hin.

2. Widerrist: Der Widerrist sollte definiert sein und harmonisch in den Rücken übergehen, nicht von Fettpolstern umgeben sein.

3. Rücken: Eine gerade Linie oder eine leichte Wölbung ist ideal. Eine Rinne in der Mitte des Rückens ist ein klares Zeichen für Übergewicht.

4. Hinter der Schulter: Hier sollten sich keine Fettablagerungen bilden.

5. Schweifansatz: Der Bereich um den Schweifansatz sollte weich und relativ flach sein, nicht wie ein hartes Fettpolster wirken.

6. Hals: Ein harter, dicker Mähnenkamm kann ein Hinweis auf eine Stoffwechselentgleisung (Equines Metabolisches Syndrom) sein.

Führe diesen Check regelmäßig durch, um die Futterration deines Pferdes bedarfsgerecht anzupassen.

Fütterungsfehler vermeiden: Häufige Probleme und Lösungen

Trotz bester Absichten schleichen sich im Fütterungsmanagement leicht Fehler ein, die weitreichende Folgen für die Pferdegesundheit haben können. Viele der häufigsten Pferdekrankheiten sind direkt oder indirekt auf eine nicht artgerechte Ernährung zurückzuführen. Wenn du die typischen Fallstricke kennst, kannst du sie gezielt vermeiden und deinem Pferd viel Leid ersparen.

Zu wenig Raufutter, zu viel Kraftfutter

Dies ist der wohl häufigste und fatalste Fütterungsfehler. Aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit wird am Heu gespart und stattdessen großzügig Kraftfutter gefüttert. Die Folgen sind gravierend: Die kurzen Fresszeiten führen zu Langeweile und Verhaltensstörungen wie Koppen oder Weben. Die fehlende Pufferung durch Speichel bei langen Fresspausen erhöht das Risiko für Magengeschwüre drastisch. Gelangt zu viel Stärke aus dem Kraftfutter in den Dickdarm, führt dies zu einer Übersäuerung, die Koliken und Hufrehe auslösen kann.

Lösung: Stelle sicher, dass dein Pferd mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht erhält und die Fresspausen vier Stunden nicht überschreiten. Nutze Heunetze oder Futterautomaten, um die Fresszeit zu verlängern. Kraftfutter sollte nur nach Bedarf und immer nach dem Raufutter gefüttert werden.

Plötzliche Futterumstellungen

Die empfindliche Darmflora des Pferdes benötigt Zeit, um sich an neues Futter anzupassen. Eine abrupte Umstellung, sei es der Wechsel der Heucharge, ein neues Kraftfutter oder der erste Weidetag im Frühling, bringt das mikrobielle Gleichgewicht im Dickdarm durcheinander. Dies kann zu schweren Verdauungsstörungen von Durchfall bis hin zu Koliken führen.

Lösung: Jede Futterumstellung muss schrittweise erfolgen. Mische neues Futter über einen Zeitraum von 7 bis 14 Tagen in langsam steigender Menge unter das gewohnte Futter. Das gilt auch für das Anweiden im Frühjahr: Beginne mit 15 Minuten und steigere die Weidezeit täglich nur um weitere 15 Minuten.

Fütterungshygiene: Sauberkeit ist das A und O

Schimmeliges Heu, verunreinigtes Kraftfutter oder dreckiges Wasser sind eine ernsthafte Gefahr für die Pferdegesundheit. Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) können die Leber schädigen und zu Koliken oder Atemwegsproblemen führen. In eingeweichtem Futter wie Heucobs oder Rübenschnitzeln können sich bei Wärme schnell Bakterien vermehren.

Lösung: Kontrolliere jedes Futter vor dem Verfüttern mit Augen und Nase. Lagere Futter immer kühl, trocken und vor Schädlingen geschützt. Futtertröge und Wasserbehälter müssen täglich gereinigt werden. Eingeweichtes Futter sollte besonders im Sommer nicht länger als maximal 3 Stunden stehen und Reste müssen entsorgt werden.

⚠️

Wichtig

⚠️ Achtung: Die Kettenreaktion bei Raufuttermangel

Der häufigste Fütterungsfehler – zu wenig Heu und zu viel Kraftfutter – löst eine gefährliche Kaskade von Gesundheitsproblemen aus, die jeder Pferdehalter kennen muss:

1. Magenprobleme: Ohne den ständigen Futterbrei und den beim Kauen produzierten, säurepuffernden Speichel greift die Magensäure die Magenwand an. Schmerzhafte Magengeschwüre sind eine häufige und direkte Folge.

2. Stärke-Überflutung: Der Dünndarm kann nur begrenzte Mengen Stärke aus Kraftfutter verdauen. Der Überschuss gelangt in den Dickdarm.

3. Dysbiose im Dickdarm: Im Dickdarm führt die Stärke zu einer massiven Vermehrung säurebildender Bakterien. Das empfindliche Mikrobiom kippt, der pH-Wert sinkt (Azidose).

4. Freisetzung von Endotoxinen: Durch die Übersäuerung sterben die nützlichen, rohfaserverdauenden Bakterien ab. Dabei werden Giftstoffe (Endotoxine) freigesetzt, die durch die geschädigte Darmwand in den Blutkreislauf gelangen.

5. Hufrehe: Diese Toxine können eine Entzündung der Huflederhaut auslösen – eine der schmerzhaftesten und gefährlichsten Pferdekrankheiten.

Dieser Kreislauf zeigt, warum eine raufutterbasierte Fütterung keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit ist.

Praktische Tipps für den Fütterungsalltag

Die Theorie der Pferdefütterung in die tägliche Praxis umzusetzen, kann eine Herausforderung sein. Mit einigen praktischen Werkzeugen und Routinen kannst du jedoch sicherstellen, dass die Fütterung deines Pferdes nicht nur theoretisch fundiert, sondern auch im Stallalltag optimal umgesetzt wird. Es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen und den Zustand deines Pferdes regelmäßig zu überprüfen.

Die Heuanalyse: Wissen, was im Futter steckt

Du würdest kein Kraftfutter kaufen, ohne auf den Sack zu schauen, was drin ist. Warum also beim Heu, dem Hauptfuttermittel, blind füttern? Eine Heuanalyse ist ein unschätzbar wertvolles Werkzeug. Du schickst eine Probe deines Heus an ein spezialisiertes Labor, wie zum Beispiel die LUFA Nord-West, und erhältst eine detaillierte Aufschlüsselung der Inhaltsstoffe.

Die Analyse zeigt dir den genauen Energie-, Protein-, Zucker- und Fruktangehalt sowie die Konzentration wichtiger Mineralstoffe und Spurenelemente. Mit diesen Werten kannst du die Ration deines Pferdes exakt berechnen. Du siehst sofort, ob dein Heu zum Beispiel sehr zuckerreich ist und für ein Rehepferd ungeeignet wäre, oder ob ein massiver Zinkmangel vorliegt, den du gezielt mit einem Mineralfutter ausgleichen musst. Eine Heuanalyse ist die Basis für eine wirklich professionelle und bedarfsgerechte Fütterung.

Futterrationen berechnen: Eine einfache Anleitung

Eine Rationsberechnung muss keine Raketenwissenschaft sein. Mit einer einfachen Schritt-für-Schritt-Methode kannst du eine gute Grundlage schaffen:

  1. Gewicht bestimmen: Ermittle das ungefähre Gewicht deines Pferdes. Das geht über eine Pferdewaage oder mit speziellen Maßbändern zur Schätzung.
  2. Raufutterbedarf berechnen: Multipliziere das Körpergewicht mit 0,015 (für 1,5 kg pro 100 kg). Das ist deine tägliche Mindestmenge an Heu.
  3. Leistung einschätzen: Beurteile die tägliche Arbeit deines Pferdes realistisch. Ist es wirklich ein Sportpferd oder doch eher im Freizeitbereich unterwegs?
  4. Kraftfutter anpassen: Nur wenn der Energiebedarf durch Heu nicht gedeckt wird (z.B. bei Gewichtsverlust oder hoher Leistung), ergänzt du Kraftfutter. Beginne mit kleinen Mengen und verteile sie auf mindestens 2-3 Mahlzeiten.
  5. Mineralfutter ergänzen: Gib täglich ein hochwertiges Mineralfutter nach Herstellerangabe, um die Grundversorgung sicherzustellen.
  6. Körperzustand beobachten: Der wichtigste Schritt! Überprüfe regelmäßig den Futterzustand deines Pferdes (Body Condition Score). Die Rippen sollten nicht sichtbar, aber leicht fühlbar sein. Passe die Ration bei Bedarf an.

Diese einfache Methode hilft dir, die Kontrolle über die Fütterung zu behalten und dein Pferd in einem optimalen Ernährungszustand zu halten.

Anzeichen für eine Fehlernährung erkennen

Dein Pferd sendet dir ständig Signale über seinen Ernährungszustand. Du musst nur lernen, sie zu lesen. Achte auf folgende Anzeichen, die auf eine unausgewogene Fütterung hindeuten können:

  • Fell und Haut: Ein stumpfes, glanzloses Fell, Schuppen oder Hautprobleme können auf einen Mangel an Zink, Kupfer oder essenziellen Fettsäuren hinweisen.
  • Hufe: Brüchiges, rissiges oder langsam wachsendes Hufhorn ist oft ein Zeichen für einen Mangel an Biotin, Zink oder bestimmten Aminosäuren.
  • Gewichtsveränderungen: Unerklärlicher Gewichtsverlust oder -zunahme sind klare Indikatoren dafür, dass die Energiezufuhr nicht zum Bedarf passt.
  • Muskulatur: Ein Abbau von Muskulatur, besonders an Rücken und Kruppe, kann auf einen Proteinmangel hindeuten.
  • Verhalten: Lethargie und Antriebslosigkeit können auf einen Energiemangel, aber auch auf einen allgemeinen Nährstoffmangel zurückzuführen sein.
  • Verdauungsprobleme: Wiederkehrende leichte Koliken, Kotwasser oder Durchfall sind ernste Warnsignale, dass im Verdauungstrakt etwas nicht stimmt.

Wenn du eines oder mehrere dieser Anzeichen bei deinem Pferd bemerkst, ist es an der Zeit, die Fütterung kritisch zu überprüfen. Bitte konsultiere bei Symptomen aber immer zuerst deinen Tierarzt, um medizinische Ursachen auszuschließen und eine genaue Diagnose zu erhalten.

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Quick-Check

✅ Quick-Check: Eine Heuanalyse beauftragen Eine Heuanalyse ist kein Luxus, sondern die Grundlage für eine präzise Rationsgestaltung. So gehst du Schritt für Schritt vor:

  • ✓Repräsentative Probe nehmen: Das Wichtigste ist eine gute Durchschnittsprobe. Verwende einen Heuprobenbohrer oder entnimm von Hand Proben aus dem Inneren von 10-15 verschiedenen Ballen derselben Lieferung/Charge.
  • ✓Proben mischen: Gib alle entnommenen Einzelproben in einen sauberen Eimer oder eine große Tüte und vermische sie sehr gründlich. Nur so erhältst du einen repräsentativen Querschnitt.
  • ✓Probe verpacken: Fülle etwa 500 Gramm der gemischten Probe in einen luftdichten Beutel (z.B. Gefrierbeutel). Drücke die Luft heraus und beschrifte ihn mit Datum, Charge und deinen Kontaktdaten.
  • ✓Labor auswählen: Suche online nach einem landwirtschaftlichen Untersuchungslabor (z.B. LUFA, Agrolab). Lade dort das passende Auftragsformular für Futtermittel herunter.
  • ✓Analyseumfang festlegen: Wähle mindestens die Basis-Analyse (Energie, Rohprotein, Rohfaser, Zucker). Für eine genaue Rationsplanung ist die zusätzliche Analyse von Mineralstoffen und Spurenelementen sehr empfehlenswert.
  • ✓Versenden und Auswerten: Schicke die Probe zusammen mit dem ausgefüllten Formular an das Labor. Mit den Ergebnissen kannst du das Mineralfutter exakt anpassen und eine Über- oder Unterversorgung vermeiden.
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Wichtige Hinweise

Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Gesundheitsfragen immer einen qualifizierten Arzt. Ändern Sie niemals eigenständig Ihre Medikation oder Behandlung.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Weitere wichtige Informationen zum Thema

Eine Futterumstellung muss immer langsam und schrittweise erfolgen, um die empfindliche Darmflora deines Pferdes nicht zu stören und Koliken zu vermeiden. Beginne damit, eine kleine Menge des neuen Futters unter das gewohnte Futter zu mischen. Über einen Zeitraum von mindestens zwei bis vier Wochen erhöhst du langsam den Anteil des neuen Futters, während du die Menge des alten Futters entsprechend reduzierst. Beobachte dein Pferd während dieser Zeit genau auf Anzeichen von Verdauungsproblemen wie Blähungen oder veränderten Pferdeäpfeln.

Anzeichen für einen Mangel können vielfältig sein, wie ein stumpfes Fell, brüchige Hufe, schlechter Muskelaufbau oder Müdigkeit. Bevor du jedoch auf eigene Faust zu Ergänzungsfuttermitteln greifst, solltest du unbedingt deinen Tierarzt zurate ziehen. Durch eine Blutanalyse und eine Rationsüberprüfung kann gezielt festgestellt werden, welche Nährstoffe wirklich fehlen. Nur so kannst du eine bedarfsgerechte Anpassung vornehmen, ohne eine gefährliche Überversorgung zu riskieren.

Ja, der Futterbedarf ändert sich saisonal. Im Winter, wenn frisches Gras fehlt, wird qualitativ hochwertiges Heu zur wichtigsten Raufutterquelle und muss in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Zudem verbrauchen Pferde bei Kälte mehr Energie, um ihre Körpertemperatur zu halten, was eine Anpassung der Energiemenge im Futter nötig machen kann. Da Heu oft andere Nährstoffgehalte als Weidegras hat, ist es ratsam, die Mineral- und Vitaminversorgung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Gutes Heu ist die Fütterungsgrundlage, und du kannst die Qualität mit deinen Sinnen grob einschätzen. Es sollte aromatisch und frisch riechen, nicht muffig oder schimmelig. Die Farbe ist idealerweise grünlich, während braune oder schwarze Stellen auf Verderb hindeuten.

Fasse das Heu an: Es sollte sich griffig, aber nicht staubig anfühlen und frei von Giftpflanzen sein. Für eine genaue Bestimmung der Nährwerte, insbesondere bei vorerkrankten Pferden, ist eine professionelle Heuanalyse im Labor die sicherste Methode.

Eine getreidefreie Fütterung ist nicht pauschal die beste Lösung, aber oft sehr sinnvoll. Besonders für Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS, Cushing oder Hufrehe ist eine stärke- und zuckerreduzierte Ration essenziell. Auch für leichtfuttrige Pferde kann es eine gute Wahl sein, um Übergewicht zu vermeiden. Sportpferde mit hohem Energiebedarf können hingegen von der schnell verfügbaren Energie aus Getreide profitieren, solange die Ration insgesamt ausgewogen bleibt und zum Pferd passt.

Nein, eine reine Reduktion der Futtermenge, insbesondere des Heus, kann gefährlich sein und zu Fresspausen führen, die Magengeschwüre begünstigen. Stattdessen solltest du die Energiedichte der Ration senken. Nutze engmaschige Heunetze oder Fressbremsen auf der Weide, um die Fressgeschwindigkeit zu verlangsamen und die Fresszeiten zu verlängern. Kombiniere dies unbedingt mit einem angepassten Bewegungsprogramm und sprich dich im Zweifel immer mit deinem Tierarzt ab, um gesundheitliche Ursachen für das Übergewicht auszuschließen.

Quellen & Weiterführende Links

Dieser Artikel basiert auf 5 vertrauenswürdigen Quellen. Alle Fakten und Statistiken wurden neu formuliert und in eigenen Worten wiedergegeben.

1

Darum ist Fütterung mehr als nur Energiezufuhr

cavallo.de

2

Das richtige Pferdefutter - 7 wichtige Grundsätze

equitana.com

3

Sportpferde leistungsstark füttern | Dr. Susanne Weyrauch

dr-susanne-weyrauch.de

4

Das Pferd gesund füttern - Grundlagen und Tipps

vetevo.de

5

Die Grundversorgung des Pferdes – Rau-, Kraft- und Mineralfutter.

masterhorse.de

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Lisa Brandt
Lisa Brandt
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Pferdeliebhaberin seit Kindertagen und Autorin auf pferdekumpel.de. Lisa vereint ihre langjährige Erfahrung als Reiterin und Pferdebesitzerin mit fundiertem Wissen über artgerechte Haltung, Pferdegesundheit und Reitsport. Als Fachautorin und passionierte Dressurreiterin liegt ihr Fokus auf praxisnaher Wissensvermittlung — von der richtigen Ausrüstung über Pferdeernährung bis hin zu Trainingstipps für Reiter aller Levels.

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