Erfahre alles über die Kandare: ihre Funktion, korrekte Anpassung und Anwendung. Unser Ratgeber für Reiter zur Zäumung auf Kandare mit Unterlegtrense.

Die Kandare ist ein Gebiss mit Hebelwirkung, das aus einem Mundstück mit seitlichen Anzügen, auch Bäume genannt, und einer Kinnkette besteht. Sie wird in der fortgeschrittenen Dressur ab Klasse L eingesetzt, um die Hilfengebung zu verfeinern und eine höhere Versammlung zu erreichen. Die Kandare wirkt nicht nur auf die Zunge und die Laden des Pferdes, sondern durch die Hebelwirkung auch auf das Genick und die Kinngrube. Sie wird grundsätzlich in Kombination mit einer Unterlegtrense als Teil einer Kandarenzäumung verwendet und erfordert eine sehr erfahrene und feinfühlige Reiterhand.
Kandaren unterscheiden sich hauptsächlich durch die Form der Anzüge und des Mundstücks. Die Anzüge gibt es in verschiedenen Längen und Formen, zum Beispiel gerade, S-förmig oder C-förmig, wobei längere Anzüge eine stärkere Hebelwirkung erzeugen. Bei den Mundstücken gibt es Varianten als Stange, also ungebrochen, oder mit einfacher bzw. doppelter Brechung. Viele Modelle besitzen eine Zungenfreiheit, einen nach oben gewölbten Bogen im Mundstück, dessen Höhe und Breite variiert. Sonderformen sind beispielsweise das Pelham, das die Wirkung von Trense und Kandare vereint, oder die spanische Kandare mit aufwendig verzierten Anzügen.
Das Mundstück besteht häufig aus rostfreiem Edelstahl, Argentan oder Aurigan, wobei kupferhaltige Legierungen wie Argentan den Speichelfluss anregen sollen. Auch Gebisse aus "Sweet Iron", das an der Oberfläche rostet und einen süßlichen Geschmack entwickelt, sind verbreitet. Die Anzüge sind meist aus Edelstahl gefertigt. Qualitätsmerkmale sind eine glatte, gratfreie Verarbeitung, leichtgängige Gelenke und die Verwendung von langlebigen, ungiftigen Materialien. Renommierte Hersteller bürgen oft für eine hohe Materialgüte und anatomische Passform.
Eine Kandare wird immer zusammen mit einer dünneren Unterlegtrense am Kandarenzaum verschnallt, weshalb der Reiter zwei Paar Zügel führt. Der Trensenzügel wirkt wie bei einer normalen Trense, während der Kandarenzügel nur zur Verfeinerung mit minimalem Kontakt eingesetzt wird. Die Kinnkette muss korrekt verschnallt sein, sie sollte flach in der Kinngrube anliegen und erst bei einem Winkel von etwa 45 Grad zwischen Maulspalte und Anzügen zum Tragen kommen. Eine korrekte Anwendung setzt einen ausbalancierten Sitz und eine ruhige, unabhängige Reiterhand voraus und ist fortgeschrittenen Reitern vorbehalten.
Die Preise für Kandaren reichen von etwa 40 Euro für einfache Edelstahlmodelle bis über 200 Euro für anatomisch geformte Gebisse aus Speziallegierungen von Markenherstellern. Beim Kauf ist die Passform entscheidend, die Gebissweite muss zur Maulbreite des Pferdes passen. Auch die Dicke des Mundstücks und die Form der Zungenfreiheit sollten auf die Anatomie des Pferdemauls abgestimmt sein, wofür die Beratung durch einen erfahrenen Ausbilder oder Gebiss-Spezialisten ratsam ist. Die Länge der Anzüge, meist zwischen 5 und 7 cm, sollte zum Ausbildungsstand von Pferd und Reiter passen.
Nach jedem Reiten sollte die Kandare mit lauwarmem Wasser gründlich abgespült werden, um Speichel und Futterreste zu entfernen. Eine weiche Bürste hilft bei der Reinigung von Gelenken. Das Gebiss sollte trocken gelagert werden, um Rostbildung bei bestimmten Materialien zu vermeiden. Regelmäßige Kontrollen auf scharfe Kanten oder Abnutzungserscheinungen, besonders an den Gelenken, sind wichtig für die Sicherheit. Bei guter Pflege ist eine hochwertige Metallkandare sehr langlebig.

Pferdeliebhaberin seit Kindertagen und Autorin auf pferdekumpel.de. Lisa vereint ihre langjährige Erfahrung als Reiterin und Pferdebesitzerin mit fundiertem Wissen über artgerechte Haltung, Pferdegesundheit und Reitsport. Als Fachautorin und passionierte Dressurreiterin liegt ihr Fokus auf praxisnaher Wissensvermittlung — von der richtigen Ausrüstung über Pferdeernährung bis hin zu Trainingstipps für Reiter aller Levels.
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Die Kandare ist ein spezielles Gebiss, das in der fortgeschrittenen Reitkunst, insbesondere in den höheren Dressurklassen, zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zu einer einfachen Wassertrense, die primär auf die Zunge und die Maulwinkel des Pferdes wirkt, entfaltet die Kandare eine komplexere Wirkung durch ihre besondere Bauweise. Sie besteht aus einem Mundstück, das als Stange oder mit Zungenfreiheit geformt sein kann, und seitlichen Hebelarmen, den sogenannten Anzügen oder Bäumen. Geritten wird die Kandare fast immer in Kombination mit einer dünneren Unterlegtrense, was als „Zäumung auf Kandare und Trense“ oder Kandarenzäumung bezeichnet wird. Der Reiter führt dabei vier Zügel: zwei für die Unterlegtrense und zwei für die Kandare. Die Hauptfunktion der Kandare liegt nicht darin, ein Pferd zu „bremsen“ oder zu kontrollieren, sondern die Hilfengebung zu verfeinern und eine präzisere Kommunikation zu ermöglichen. Sie dient dazu, die Haltung des Pferdes zu beeinflussen, eine korrekte Anlehnung zu fördern und den Grad der Versammlung zu verbessern. Die Nutzung einer Kandare setzt eine sehr erfahrene, feinfühlige und vom Sitz unabhängige Reiterhand voraus, da eine unsachgemäße Anwendung dem Pferd erhebliche Schmerzen zufügen und zu schweren Rittigkeitsproblemen führen kann.
Die Wirkungsweise der Kandare basiert auf dem Hebelgesetz. Wenn der Reiter am Kandarenzügel einen Impuls gibt, rotiert das Mundstück im Pferdemaul. Diese Rotation löst eine Kette von Effekten aus: Die oberen, kürzeren Hebelarme, die Oberbäume, bewegen sich nach vorne und üben einen leichten Druck auf das Backenstück des Zaums aus, was wiederum einen Druck auf das Genick des Pferdes überträgt. Gleichzeitig drückt das Mundstück auf die Zunge und die Laden des Pferdes, also die zahnfreien Bereiche des Unterkiefers. Die unteren, längeren Hebelarme, die Unterbäume, an denen der Kandarenzügel befestigt ist, bewegen sich nach hinten und spannen die Kinnkette an, die in der Kinngrube des Pferdes liegt. Dieser Druck auf die Kinngrube begrenzt die Hebelwirkung und verteilt den Druck auf den gesamten Unterkiefer. Die Kombination dieser drei Druckpunkte – Genick, Laden/Zunge und Kinngrube – veranlasst das Pferd, im Genick nachzugeben und den Kopf in eine gesetztere Haltung zu bringen. Der Winkel, den die Anzüge bei angenommenem Zügel zur Maulspalte bilden, sollte idealerweise 45 Grad nicht überschreiten. Eine korrekte Anwendung erfordert, dass die Führung primär über den Trensenzügel erfolgt, während der Kandarenzügel nur für kurze, feine und korrigierende Impulse eingesetzt wird.
Der Zweck der Kandare ist ausschließlich die Verfeinerung der Hilfen auf einem bereits hohen Ausbildungsniveau. Ein Pferd muss gelernt haben, reell an die Hand heranzutreten, sich selbst zu tragen und auf feine Gewichtshilfen und Schenkelhilfen zu reagieren, bevor der Einsatz einer Kandare überhaupt in Erwägung gezogen wird. Sie ist ein Instrument, das dem Reiter ermöglicht, mit minimalen Bewegungen der Hand deutliche Signale zu senden, die das Pferd zu mehr Aufrichtung und Versammlung animieren. In der hohen Dressur ist sie unerlässlich, um Lektionen wie Piaffe, Passage oder Pirouetten in der geforderten Präzision und Ausdrucksstärke zu reiten. Es ist ein weit verbreiteter und gefährlicher Irrglaube, dass eine Kandare dazu dient, ein starkes oder widersetzliches Pferd besser kontrollieren zu können. Das Gegenteil ist der Fall: Der Einsatz von Kraft auf dem Kandarenzügel führt zu Verspannungen, Widerstand und einem Vertrauensverlust des Pferdes. Die Verantwortung, die mit der Nutzung dieses Instruments einhergeht, ist immens. Der Reiter muss die Fähigkeit besitzen, seine Hände völlig unabhängig voneinander und vom restlichen Körper zu bewegen und die Wirkung der vier Zügel präzise zu dosieren. In Deutschland ist die Kandarenzäumung in Dressurprüfungen ab der Klasse S vorgeschrieben und in der Klasse M** optional zugelassen.
Die Kandare ist ein Werkzeug zur Verfeinerung, nicht zur Kontrolle. Nutze sie nur mit einer ruhigen, unabhängigen Hand und einem ausbalancierten Sitz. Der Kandarenzügel gibt lediglich feine, punktuelle Impulse, während die stetige Anlehnung und Führung über den Trensenzügel erfolgt. Ein „Ziehen“ oder „Riegeln“ am Kandarenzügel ist absolut tabu und schadet dem Pferd.
Die Vielfalt an Kandarengebissen auf dem Markt kann überwältigend sein, doch im Grunde lassen sie sich durch die Kombination von drei Hauptkomponenten unterscheiden: dem Mundstück, den seitlichen Anzügen (Bäumen) und der Kinnkette. Jede Variation in diesen Elementen hat einen direkten Einfluss auf die Wirkungsweise und die Schärfe des Gebisses. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, um eine für das jeweilige Pferd-Reiter-Paar passende Kandare auszuwählen. Die grundlegendste Unterscheidung wird beim Mundstück gemacht. Hier gibt es im Wesentlichen zwei Haupttypen: die Stangenkandare, deren Mundstück eine durchgehende, gerade oder leicht gebogene Stange ist, und die Kandare mit Zungenfreiheit, deren Mundstück in der Mitte eine Wölbung nach oben aufweist, den sogenannten Port. Eine Stangenkandare verteilt den Druck gleichmäßig über die gesamte Zungenbreite. Eine Kandare mit Zungenfreiheit hingegen soll der Zunge mehr Platz bieten und den Druck primär auf die Laden lenken. Die Form und Höhe dieser Zungenfreiheit ist dabei ein entscheidender Faktor für die Wirkung.
Bei der Betrachtung der Mundstücke ist eine detaillierte Analyse unerlässlich. Die Zungenfreiheit kann sehr unterschiedlich ausfallen: von einer flachen, breiten Wölbung, die lediglich den mittleren Teil der Zunge entlastet, bis hin zu einem hohen, schmalen Port, der bei starkem Zügelanzug den Gaumen des Pferdes berühren kann und somit eine extrem scharfe Wirkung entfaltet. Die Wahl der richtigen Zungenfreiheit hängt maßgeblich von der Anatomie des Pferdemauls ab, insbesondere von der Dicke der Zunge und der Höhe des Gaumens. Ein Pferd mit einer fleischigen Zunge und wenig Platz im Maul profitiert oft von einer Kandare mit einer angemessenen Zungenfreiheit. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Dicke des Mundstücks. Generell gilt: Ein dickeres Mundstück (z.B. 16-18 mm) verteilt den Druck auf eine größere Fläche und wirkt dadurch weicher, während ein dünneres Mundstück (z.B. 12-14 mm) den Druck konzentrierter weitergibt und somit schärfer ist. Die Wahl der Dicke muss jedoch auch zur Maulgröße des Pferdes passen; ein zu dickes Gebiss in einem kleinen Maul kann unangenehm sein. Das Material des Mundstücks, wie Edelstahl, Kupferlegierungen (z.B. Aurigan, Sensogan) oder „Sweet Iron“, beeinflusst zudem die Kautätigkeit und den Speichelfluss des Pferdes.
Die seitlichen Anzüge sind das Herzstück der Hebelwirkung. Ihre Form und Länge bestimmen maßgeblich die Intensität der Kandarenwirkung. Man unterscheidet hier zwischen dem Oberbaum (der Teil oberhalb des Mundstücks) und dem Unterbaum (der Teil unterhalb des Mundstücks). Das Verhältnis der Längen dieser beiden Teile ist entscheidend. Ein längerer Unterbaum erzeugt eine stärkere Hebelwirkung und gilt daher als schärfer. Gängige Längen für den Unterbaum sind 5 cm (gilt als relativ weich) und 7 cm (Standardmaß mit deutlicherer Wirkung). Längere Anzüge, wie sie manchmal im Westernreiten oder bei Barockpferden zu sehen sind, verstärken den Hebel nochmals. Ein kürzerer Oberbaum im Verhältnis zum Unterbaum führt zu einer schnelleren, direkteren Reaktion auf den Zügelzug. Die Form der Anzüge kann ebenfalls variieren. Gerade Anzüge sind der Standard, während S-förmig geschwungene Anzüge verhindern sollen, dass das Pferd mit den Lippen nach den Anzügen greift. Die Wahl der richtigen Anzuglänge sollte sich nach dem Ausbildungsstand von Pferd und Reiter sowie der Sensibilität der Reiterhand richten. Einsteiger in die Kandarenreiterei sollten stets mit der kürzestmöglichen und somit weichsten Variante beginnen.
| Merkmal | Variante A (Weicher) | Wirkung A | Variante B (Schärfer) | Wirkung B |
|---|---|---|---|---|
| Mundstück | Dicke Stange (16-18 mm) | Breite Druckverteilung auf der Zunge | Dünne Stange (12-14 mm) oder hoher Port | Konzentrierter Druck, potenzielle Gaumenwirkung |
| Unterbaum-Länge | Kurz (z.B. 5 cm) | Geringere Hebelwirkung, sanfteres Einwirken | Lang (z.B. 7 cm oder mehr) | Stärkere Hebelwirkung, intensiveres Einwirken |
| Verhältnis Ober-/Unterbaum | Eher ausgeglichen (z.B. 1:1.5) | Schnellere, direktere Reaktion | Stark unausgeglichen (z.B. 1:2.5) | Verzögerte Reaktion, aber stärkerer Hebel |
| Kinnkette | Mit breiter Unterlage (Leder/Gel) | Großflächige Druckverteilung in der Kinngrube | Ohne Unterlage, schmale Glieder | Punktueller, schärferer Druck |
Eine exakte Passform ist bei der Kandarenzäumung von noch größerer Bedeutung als bei einer einfachen Trense, da hier zwei Gebisse im Maul Platz finden müssen, ohne sich gegenseitig zu stören oder dem Pferd Unbehagen zu bereiten. Der erste Schritt ist die Wahl der richtigen Breite für beide Gebisse. Die Kandare selbst sollte so breit sein, dass sie ruhig auf den Laden liegt, ohne die Maulwinkel einzuklemmen oder seitlich zu viel Spiel zu haben. Sie sollte bündig mit den Maulwinkeln abschließen. Die Unterlegtrense, die über der Kandare liegt, wird in der Regel 0,5 bis 1,0 cm breiter gewählt. Dieser zusätzliche Platz ist notwendig, damit die Ringe der Unterlegtrense nicht von den Anzügen der Kandare eingeklemmt werden und die Gebissteile frei und unabhängig voneinander agieren können. Um die korrekte Breite zu ermitteln, kannst du ein Gebissweiten-Messwerkzeug verwenden oder einen erfahrenen Fachmann um Hilfe bitten. Eine falsche Breite führt unweigerlich zu Problemen: Eine zu schmale Kandare kneift und verursacht Schmerzen, eine zu breite Kandare rutscht hin und her und liegt unruhig im Maul, was eine präzise Einwirkung unmöglich macht.
Die korrekte Höhe der beiden Gebisse im Maul ist der nächste entscheidende Faktor. Hier gilt eine klare Regel: Die Unterlegtrense wird wie eine normale Wassertrense verschnallt, sodass sie ein bis zwei leichte Falten in den Maulwinkeln erzeugt. Sie liegt also in der gewohnten Position. Die Kandare hingegen wird darunter, also etwas tiefer, eingeschnallt. Sie sollte so positioniert sein, dass sie ruhig und satt auf den Laden des Pferdes aufliegt, ohne die Maulwinkel nach oben zu ziehen. Zwischen dem Mundstück der Kandare und dem der Unterlegtrense sollte ein Fingerbreit Platz sein. Diese Positionierung verhindert, dass die beiden Metallteile ständig gegeneinander schlagen, was für das Pferd sehr unangenehm wäre und zu Unruhe im Maul führen würde. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Kandare nicht so tief verschnallt wird, dass sie die Hengstzähne (falls vorhanden) berührt oder das Pferd sie mit der Zunge über die Laden heben kann. Die Einstellung erfordert Geduld und ein genaues Auge und muss über die separaten Backenstücke des Kandarenzaums vorgenommen werden.
Die Verschnallung der Kinnkette ist ein kritischer Punkt, der über Wohl und Wehe des Pferdes entscheidet. Eine falsch angepasste Kinnkette kann extreme Schmerzen verursachen und die gesamte Wirkung der Kandare zunichtemachen oder ins Negative verkehren. Die Kette muss zunächst so lange gedreht (ausgedreht) werden, bis die einzelnen Glieder flach und glatt aneinander liegen. Nur so kann sie den Druck gleichmäßig in der Kinngrube verteilen. Sie wird dann in die dafür vorgesehenen Haken an den Oberbäumen der Kandare eingehängt. Die Verwendung einer Kinnkettenunterlage aus Leder, Gel oder Lammfell ist dringend zu empfehlen, um den Druck noch besser zu verteilen und Scheuerstellen zu vermeiden. Die entscheidende Frage ist die richtige Spannung: Als Faustregel gilt, dass bei angenommenem Kandarenzügel, wenn die Anzüge einen Winkel von etwa 45 Grad zur Maulspalte bilden, noch ein bis zwei aufgestellte Finger zwischen Kette und Unterkiefer passen sollten. Eine zu lockere Kette lässt eine zu starke Hebelwirkung zu und kann dazu führen, dass das Gebiss im Maul kippt. Eine zu enge Kette wirkt permanent, schränkt die Zungen- und Kieferfreiheit massiv ein und verursacht Dauerschmerz, der zu heftigem Widerstand führen kann.
Überprüfe vor jedem Aufsteigen die korrekte Verschnallung. Liegt die Kinnkette flach und ist die Unterlage nicht verrutscht? Ist der Kandarenzügel korrekt am unteren Ring der Anzüge befestigt und nicht verdreht? Teste die Spannung der Kinnkette: Passt bei leichtem Anzug ein Finger zwischen Kette und Kiefer? Sitzen beide Gebisse in der richtigen Höhe, ohne sich zu berühren?
Das am weitesten verbreitete Material für Kandarengebisse ist Edelstahl. Seine Popularität verdankt es einer Reihe von praktischen Eigenschaften: Edelstahl ist extrem langlebig, rostfrei, geschmacksneutral und sehr pflegeleicht. Für die meisten Pferde ist es ein unproblematisches Material. Eine hochwertige Edelstahlkandare zeichnet sich durch eine makellose, glatte Oberfläche und eine solide Verarbeitung aus. Es gibt keine scharfen Kanten oder Grate, die das empfindliche Pferdemaul verletzen könnten. Bei günstigeren Modellen sollte man darauf achten, dass sie nickelfrei sind, da manche Pferde auf Nickel allergisch reagieren können, was sich durch Hautirritationen im Maulbereich äußern kann. Insgesamt ist Edelstahl eine verlässliche und bewährte Wahl, die eine präzise und neutrale Einwirkung ermöglicht, ohne das Pferd durch einen Eigengeschmack zu beeinflussen. Die Reinigung ist denkbar einfach, da einfaches Abspülen mit Wasser meist ausreicht, um Speichel und Futterreste zu entfernen, was es zu einer sehr hygienischen Option macht.
Neben Edelstahl haben sich in den letzten Jahrzehnten verschiedene Kupferlegierungen auf dem Markt etabliert, die gezielt die Kautätigkeit und den Speichelfluss des Pferdes anregen sollen. Zu den bekanntesten gehören Aurigan und dessen Weiterentwicklung Sensogan. Diese Materialien enthalten einen hohen Kupferanteil. Durch die Oxidation des Kupfers im Kontakt mit dem warmen, feuchten Pferdemaul entsteht ein leicht süßlicher Geschmack, den viele Pferde als angenehm empfinden. Dies animiert sie zum Kauen und zur vermehrten Speichelproduktion, was zu einer lockereren Kiefermuskulatur und einer besseren Akzeptanz des Gebisses führen kann. Sensogan wurde entwickelt, um den Oxidationsprozess gezielter zu steuern und eine gleichmäßigere Abgabe des Geschmacks zu gewährleisten. Ein weiteres Material ist „Sweet Iron“ oder Süßes Eisen, das bewusst an der Oberfläche rostet. Dieser Rost hat ebenfalls einen süßen Geschmack, der die Kautätigkeit fördert. Kandaren aus diesen Materialien sind oft teurer und pflegeintensiver, da sie anlaufen und poliert werden müssen (außer Sweet Iron, bei dem der Rost erwünscht ist), bieten aber für viele Pferde einen deutlichen Komfortgewinn. Seltener finden sich auch Kandaren mit Mundstücken aus Kunststoff, die eine sehr weiche Alternative für extrem sensible Pferde darstellen können.
Unabhängig vom gewählten Material ist die Verarbeitungsqualität das entscheidende Kriterium für eine gute Kandare. Eine hochwertige Kandare erkennst du an der Perfektion im Detail. Alle Übergänge, insbesondere vom Mundstück zu den Anzügen, müssen absolut glatt und nahtlos sein. Die Ringe zur Befestigung der Zügel und Backenstücke müssen fest und sauber verschweißt sein, ohne raue Stellen. Bei einer Kandare mit Zungenfreiheit muss der Port harmonisch in das Mundstück integriert sein, ohne scharfe Kanten an der Unterseite, die auf die Zunge drücken könnten. Nimm ein potenzielles Gebiss in die Hand und fahre mit den Fingern über alle Oberflächen und Verbindungsstellen. Fühlt sich etwas rau oder unsauber an, ist vom Kauf abzuraten. Ein schlecht verarbeitetes Gebiss ist nicht nur ein Qualitätsmangel, sondern ein echtes Sicherheits- und Tierschutzrisiko. Die Investition in ein Produkt eines renommierten Herstellers, der für seine präzise Fertigung bekannt ist, zahlt sich durch die Sicherheit, den Komfort für das Pferd und die Langlebigkeit des Produkts langfristig immer aus.
| Material | Vorteile | Nachteile | Pflegeaufwand |
|---|---|---|---|
| Edelstahl | Sehr langlebig, rostfrei, pflegeleicht, meist allergikerfreundlich, preisgünstig | Geschmacksneutral, regt die Kautätigkeit weniger an als andere Materialien | Gering |
| Kupferlegierungen (z.B. Aurigan, Sensogan) | Regen Kauen und Speichelfluss stark an, von vielen Pferden gut angenommen | Weicher als Edelstahl (kann beißen), laufen an (oxidieren), teurer | Mittel (regelmäßiges Polieren nötig) |
| Süßes Eisen (Sweet Iron) | Bildet süß schmeckenden Oberflächenrost, fördert die Kautätigkeit | Rostet gewollt, was optisch nicht jedem gefällt; nicht rostfrei | Gering (Rost ist erwünscht und wird nur abgewischt) |
| Kunststoff/Gummi | Sehr weich und maulschonend, für extrem empfindliche Pferde geeignet | Weniger präzise Einwirkung, geringere Haltbarkeit, kann durchgekaut werden | Gering bis mittel (auf Bissspuren kontrollieren) |
Die Entscheidung für eine Kandare und deren Auswahl sollte niemals im Alleingang getroffen werden, insbesondere wenn du noch wenig Erfahrung mit der Kandarenzäumung hast. Der absolut wichtigste Schritt ist die Konsultation eines Experten. Dein Reitlehrer oder Trainer ist hier der erste Ansprechpartner. Er kann beurteilen, ob dein reiterliches Niveau und der Ausbildungsstand deines Pferdes überhaupt schon für den Umstieg auf Kandare bereit sind. Idealerweise ziehst du zusätzlich einen professionellen Gebiss-Anpasser (Bit Fitter) oder einen auf Zahnheilkunde spezialisierten Tierarzt hinzu. Diese Fachleute können die Anatomie des Pferdemauls präzise analysieren: Wie viel Platz ist im Maul? Wie dick und fleischig ist die Zunge? Wie hoch ist der Gaumen? Wie breit sind die Laden? Basierend auf dieser Analyse können sie fundierte Empfehlungen für die Art des Mundstücks (Stange oder Zungenfreiheit, Dicke) und die passende Breite geben. Ein Pferd mit einem flachen Gaumen und einer dicken Zunge benötigt ein völlig anderes Gebiss als ein Pferd mit einem hohen Gaumen und mehr Platz im Maul. Eine uninformierte Kaufentscheidung führt fast immer zu Frustration, Widerstand und Unbehagen beim Pferd.
Kandarengebisse gibt es in einer breiten Preisspanne, die von etwa 40 bis 60 Euro für einfache, aber solide Edelstahlmodelle bis hin zu über 200 Euro für anatomisch geformte High-End-Gebisse aus Speziallegierungen wie Sensogan reichen kann. Der Preisunterschied spiegelt in der Regel die verwendeten Materialien, die Komplexität des Designs und die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Herstellers wider. Ein günstigeres Edelstahlgebiss ist nicht per se schlecht, solange die Verarbeitung einwandfrei ist (glatte Oberflächen, keine scharfen Kanten). Die teureren Modelle bieten jedoch oft Vorteile durch Materialien, die die Kautätigkeit anregen, oder durch ergonomische Formen, die sich besser an die Maulhöhle anpassen und den Druck gezielter verteilen. Betrachte den Kauf einer hochwertigen Kandare als eine Investition in den Komfort und die Gesunderhaltung deines Pferdes. Bedenke auch die Folgekosten: Du benötigst nicht nur die Kandare selbst, sondern auch eine passende Unterlegtrense, einen speziellen Kandarenzaum mit zwei Paar Backenstücken und zwei Paar Zügel, die sich in Haptik und Breite unterscheiden sollten, um sie im Gefühl auseinanderhalten zu können.
Einer der häufigsten Fehler beim Kauf ist die Wahl eines zu scharfen Modells in der irrigen Annahme, damit mehr Kontrolle zu erlangen. Die Kandare dient der Verfeinerung, nicht der Gewalt. Ein zu scharfes Gebiss führt zu Verkrampfung, Angst und Abwehrreaktionen beim Pferd. Ein weiterer typischer Fehler ist, sich nur auf die Kandare zu konzentrieren und die passende Unterlegtrense zu vernachlässigen. Beide Gebisse müssen als System harmonieren. Ebenso fatal ist es, eine Kandare zu kaufen, nur weil ein berühmter Reiter sie benutzt, ohne die individuelle Anatomie des eigenen Pferdes zu berücksichtigen. Jedes Pferdemaul ist anders. Bei der ersten Gewöhnung an die Kandare ist Geduld der Schlüssel. Erwarte nicht sofort Perfektion. Beginne mit kurzen Einheiten im Schritt, bei denen der Kandarenzügel zunächst durchhängt, damit sich das Pferd an das Gefühl von zwei Gebissen im Maul gewöhnen kann. Erst nach und nach nimmst du den Kandarenzügel für kurze, feine Impulse auf und gibst sofort wieder nach. Der Weg zum korrekten Reiten auf Kandare ist ein Prozess, der Zeit und Einfühlungsvermögen erfordert.
Die tägliche und gründliche Reinigung der Kandare und der Unterlegtrense ist keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit für die Gesundheit und das Wohlbefinden deines Pferdes. Nach jedem Reiten sammeln sich Speichel, Futterreste und Schweiß auf den Gebissen an. Diese Mischung bildet einen idealen Nährboden für Bakterien und kann, wenn sie antrocknet, zu harten, scharfkantigen Verkrustungen führen. Solche Rückstände können die empfindliche Maulschleimhaut, die Zunge und die Maulwinkel reizen oder sogar verletzen. Zudem greifen die aggressiven Rückstände auf Dauer das Material an, was besonders bei hochwertigen Kupferlegierungen oder Sweet-Iron-Gebissen die gewünschte Funktion beeinträchtigen kann. Die tägliche Routine ist zum Glück unkompliziert: Spüle beide Gebissteile direkt nach dem Abtrensen unter fließendem, lauwarmem Wasser gründlich ab. Eine weiche Bürste, beispielsweise eine ausgediente Zahnbürste, hilft dabei, auch schwer zugängliche Stellen wie Gelenke oder die Übergänge zu den Anzügen von allen Resten zu befreien.
Für eine intensivere Grundreinigung, die in regelmäßigen Abständen oder bei starker Verschmutzung sinnvoll ist, kannst du auf spezielle, für Pferde unbedenkliche Gebissreiniger aus dem Fachhandel zurückgreifen. Diese helfen, auch hartnäckige Beläge zu lösen. Die Pflege richtet sich auch nach dem Material. Während bei Edelstahl eine einfache Reinigung mit Wasser und Bürste meist ausreicht, benötigen andere Materialien etwas mehr Aufmerksamkeit. Kandaren aus Kupferlegierungen wie Aurigan oder Sensogan neigen dazu, mit der Zeit anzulaufen und eine matte Patina zu entwickeln. Um den Glanz und den frischen Geschmack wiederherzustellen, können sie mit einer speziellen Gebisspolitur behandelt werden. Achte darauf, die Politur danach wieder restlos abzuspülen. Bei Gebissen aus Sweet Iron ist der entstehende Oberflächenrost gewollt und sollte nicht weggeschrubbt werden; hier genügt das Abspülen und Trocknen. Vergiss auch die Kinnkette und ihre Unterlage nicht. Eine Lederunterlage benötigt regelmäßige Pflege mit Lederfett oder -öl, um geschmeidig zu bleiben, während Unterlagen aus Gel, Neopren oder Lammfell je nach Herstellerangabe gewaschen werden können.
Die richtige Aufbewahrung trägt maßgeblich zur Langlebigkeit und Sicherheit deiner Ausrüstung bei. Nach der Reinigung sollten Kandare und Unterlegtrense vollständig trocknen, bevor der Zaum weggehängt wird. Der ideale Aufbewahrungsort ist ein trockener, sauberer und gut belüfteter Sattelschrank. Hänge den Kandarenzaum ordentlich auf einen speziellen Zaumhalter. Dies verhindert, dass die Gebisse verkratzen, sich verhaken oder auf den Boden fallen und beschädigt werden. Das lose Hineinwerfen in eine feuchte, unaufgeräumte Putzkiste ist der sichere Weg, hochwertiges Material zu ruinieren. Vor jedem einzelnen Ritt ist zudem ein kurzer, aber gründlicher Sicherheitscheck unerlässlich. Überprüfe beide Gebisse auf eventuelle Abnutzungserscheinungen. Gibt es scharfe Kanten durch Bissspuren? Sind Risse im Material sichtbar? Funktionieren alle Gelenke einwandfrei? Kontrolliere auch die Kinnkette auf schwache oder gebrochene Glieder. Ein beschädigtes Gebiss stellt ein enormes Sicherheitsrisiko dar und muss sofort ausgetauscht werden. Bei guter Pflege kann eine Qualitätskandare dich und dein Pferd viele Jahre begleiten.
Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Gesundheitsfragen immer einen qualifizierten Arzt. Ändern Sie niemals eigenständig Ihre Medikation oder Behandlung.
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