Umfassender Ratgeber zu Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung. Erfahre alles über diesen Notfall.

Die Anzeichen einer Hufrehe können plötzlich und heftig auftreten. Die wichtigsten Symptome sind: Sägebockhaltung: Das Pferd streckt die Vorderbeine nach vorne und stellt die Hinterbeine unter den Bauch, um die schmerzenden Zehen zu entlasten. Bewegungsunlust: Das Pferd weigert sich, sich zu bewegen, oder läuft nur sehr zögerlich und steif ('wie auf Eiern'). Warme Hufe: Die Hufe fühlen sich deutlich wärmer an als normal. Pulsation: Eine starke, pochende Pulswelle ist an der Mittelfußarterie (an der Fessel) zu fühlen. Wendeschmerz: Das Pferd hat große Schwierigkeiten und Schmerzen beim Wenden auf engem Raum. Häufiges Liegen: Das Pferd liegt mehr als üblich, um die Hufe zu entlasten.
Hufrehe ist oft ein Symptom einer anderen Grunderkrankung. Die häufigsten Auslöser sind: Fütterungsbedingt: Die häufigste Ursache. Aufnahme großer Mengen an Fruktan (z.B. auf sehr kurzem oder gestresstem Weidegras) oder Stärke/Zucker (z.B. durch zu viel Kraftfutter, Brot). Stoffwechselerkrankungen (Endokrinopathien): Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und das Equine Cushing Syndrom (PPID) sind die Hauptrisikofaktoren für Hufrehe. Belastungsrehe: Überlastung eines Hufes, oft weil das gegenüberliegende Bein verletzt ist und geschont wird (Stützbeinrehe). Vergiftungs- oder Infektionsbedingt: Aufnahme von Giftpflanzen, schwere Koliken, zurückgehaltene Nachgeburt bei Stuten (Nachgeburtsverhaltung) oder andere schwere Infektionen (Sepsis) können eine Rehe auslösen.
Hufrehe ist ein absoluter Notfall! Die Behandlung muss immer und ausschließlich durch einen Tierarzt erfolgen. Ziel ist es, den Schmerz zu lindern, die Entzündung zu stoppen und die Ursache zu bekämpfen. Diagnostik: Der Tierarzt stellt die Diagnose und beurteilt mittels Röntgenbildern das Ausmaß der Schädigung im Huf (z.B. Hufbeinrotation). Schmerztherapie: Verabreichung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln durch den Tierarzt. Kühlung (Kryotherapie): Sofortiges und andauerndes Kühlen der Hufe ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Druckentlastung: Das Pferd wird auf eine sehr weiche, dicke Einstreu (z.B. Sand, Späne) gestellt. Spezielle Hufverbände oder orthopädische Hufschuhe können den Huf zusätzlich entlasten. Ursachenbekämpfung: Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Cushing) und striktes Diätmanagement. Hufbearbeitung: Nach der akuten Phase ist eine spezielle, korrigierende Hufbearbeitung durch einen erfahrenen Hufschmied in Absprache mit dem Tierarzt entscheidend.
Vorbeugung ist der beste Schutz vor Hufrehe. Als Halter können Sie viel tun: Fütterungsmanagement: Langsames Anweiden im Frühjahr, Weidezeit begrenzen (ggf. Fressbremse nutzen), keine abrupten Futterwechsel, zucker- und stärkearme Fütterung. Gewichtsmanagement: Übergewicht unbedingt vermeiden und auf einen gesunden Body Condition Score achten. Regelmäßige Bewegung: Angepasste, regelmäßige Arbeit hält den Stoffwechsel in Schwung. Gesundheits-Check: Risikopferde (z.B. Ponys, ältere Pferde) regelmäßig vom Tierarzt auf EMS oder PPID untersuchen lassen. Hufpflege: Regelmäßige und fachgerechte Hufbearbeitung ist essenziell.
Die Prognose hängt stark von der Ursache, der Schwere des Reheschubs und der Geschwindigkeit des Behandlungsbeginns ab. Gut: Bei leichten Fällen, die sofort und korrekt behandelt werden, kann ein Pferd wieder vollständig gesund werden. Vorsichtig bis schlecht: Bei schweren Fällen mit starker Hufbeinrotation oder -senkung ist die Prognose oft schlecht. Das Pferd kann chronische Schmerzen behalten und möglicherweise nicht mehr reitbar sein. Langzeitfolgen: Auch nach einem überstandenen Schub bleibt das Pferd oft ein Risikopatient. Lebenslanges, angepasstes Management ist meist notwendig, um Rückfälle zu vermeiden.
Bei Verdacht auf Hufrehe zählt jede Minute. Dies sind die wichtigsten Schritte, bis der Tierarzt eintrifft: 1. SOFORT TIERARZT RUFEN! Beschreiben Sie die Symptome genau. 2. BEWEGUNG STOPPEN: Das Pferd sofort von der Weide oder aus der Arbeit nehmen. Nicht mehr bewegen als absolut notwendig. 3. HUFE KÜHLEN: Die wichtigste Maßnahme! Die Hufe und Unterbeine ununterbrochen mit kaltem Wasser kühlen (Wasserschlauch, Eimer, spezielle Kühl-Boots). Dies sollte bis zum Eintreffen des Tierarztes fortgesetzt werden. 4. WEICH STELLEN: Das Pferd auf einen weichen, tiefen Untergrund stellen (z.B. Box mit dicker Sand- oder Späneschicht), um den Druck auf die Hufe zu minimieren. 5. FUTTER WEGNEHMEN: Sofort jegliches Kraftfutter und Gras entziehen. Nur Heu (am besten nach Rücksprache mit dem Tierarzt gewässert) zur Verfügung stellen.
Weitere wichtige Informationen zum Thema
Die Kosten für die Behandlung einer Hufrehe können stark variieren, liegen aber in der Akutphase oft im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich. Hierzu zählen die Notfallvisite des Tierarztes, Schmerzmittel, Entzündungshemmer, das Anlegen von speziellen Reheverbänden und die Anfertigung von Röntgenbildern zur Statusbestimmung. Bei Komplikationen oder einem Klinikaufenthalt steigen die Kosten schnell weiter an.
Zusätzlich müssen langfristige Kosten für orthopädische Hufbeschläge oder speziellen Hufpflege-Maßnahmen eingerechnet werden, die alle 4-6 Wochen anfallen. Auch Labortests auf Stoffwechselerkrankungen wie EMS oder Cushing verursachen regelmäßige Folgekosten. Da die Therapie oft über Monate oder Jahre läuft, sollten Besitzer frühzeitig mit dem Tierarzt über einen Kostenplan sprechen.
Die Genesung nach einer Hufrehe ist ein langwieriger Prozess, der viel Geduld erfordert. In der Regel dauert es mindestens 9 bis 12 Monate, bis die beschädigte Hornkapsel einmal komplett gesund von oben nach unten durchgewachsen ist. Während der ersten Wochen ist strikte Boxenruhe auf weichem Untergrund meist unumgänglich, um eine weitere Ablösung des Hufbeinträgers zu verhindern.
Der Übergang zur normalen Belastung darf nur in enger Absprache mit dem Tierarzt und dem Hufschmied erfolgen. Oft kann das Pferd erst nach vielen Monaten wieder leicht bewegt werden. Eine zu frühe Belastung birgt das Risiko eines Rückfalls oder einer dauerhaften Chronifizierung, weshalb die Rekonvaleszenzzeit niemals überstürzt werden darf.
Nein, Hufrehe ist keine Infektionskrankheit und damit nicht von Pferd zu Pferd ansteckend. Da es sich um eine aseptische Entzündung der Huflederhaut handelt, die durch Stoffwechselprobleme, Fütterungsfehler oder mechanische Überlastung ausgelöst wird, besteht keine Gefahr für Stallnachbarn durch direkten Kontakt.
Dennoch sollten Besitzer aufmerksam sein, wenn mehrere Pferde gleichzeitig Symptome zeigen. Dies deutet meist nicht auf eine Ansteckung hin, sondern auf eine gemeinsame Ursache in der Haltung oder Fütterung, wie zum Beispiel ein zu hoher Fruktangehalt auf der gemeinsamen Weide oder eine fehlerhafte Charge des verwendeten Kraftfutters. Bei Unsicherheit sollte immer ein Tierarzt zur Ursachenforschung hinzugezogen werden.
Die Fütterung während eines akuten Schubs muss sofort auf eine strikte Diät umgestellt werden. Die Basis bildet hochwertiges, spät geerntetes Heu, das idealerweise für etwa 30 bis 60 Minuten gewaschen wurde, um enthaltene Zucker und Fruktane auszuspülen. Kraftfutter, Getreide, Leckerlis, Äpfel und Karotten sowie jeglicher Weidegang sind absolut tabu, da sie den Entzündungsprozess weiter befeuern können.
Um den Mineralstoffgehalt trotz der Heudiät zu sichern, kann ein spezielles, getreidefreies Mineralfutter für Rehepferde gegeben werden. Wichtig ist zudem eine ausreichende Versorgung mit frischem Wasser. Da die Fütterung einen direkten Einfluss auf den Heilungsverlauf hat, sollte jede Änderung des Diätplans vorab mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.
Ob ein Pferd nach einer Hufrehe wieder reitbar ist, hängt entscheidend vom Grad der Schädigung ab. Bei leichten Schüben ohne Hufbeinrotation oder -senkung ist die Prognose für eine spätere Nutzung oft gut. Voraussetzung ist jedoch ein konsequentes Management der Ursachen, wie etwa eine strikte Diät oder die Behandlung von Grunderkrankungen.
Bei Pferden mit massiver Lageveränderung des Hufbeins bleibt oft eine dauerhafte Lahmheit oder eine geringere Belastbarkeit bestehen. In diesen Fällen steht das schmerzfreie Leben als Beisteller im Vordergrund. Die Entscheidung über die Reitbarkeit sollte erst nach Abschluss des Hornwachstums und auf Basis aktueller Röntgenbilder gemeinsam mit einem Tierarzt getroffen werden.

Pferdeliebhaberin seit Kindertagen und Autorin auf pferdekumpel.de. Lisa vereint ihre langjährige Erfahrung als Reiterin und Pferdebesitzerin mit fundiertem Wissen über artgerechte Haltung, Pferdegesundheit und Reitsport. Als Fachautorin und passionierte Dressurreiterin liegt ihr Fokus auf praxisnaher Wissensvermittlung — von der richtigen Ausrüstung über Pferdeernährung bis hin zu Trainingstipps für Reiter aller Levels.
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Hufrehe, in der Fachsprache auch als Laminitis bezeichnet, ist eine der schmerzhaftesten und gefürchtetsten Erkrankungen beim Pferd. Es handelt sich um eine diffuse, aseptische (nicht durch Bakterien verursachte) Entzündung der Huflederhaut. Um die Dramatik dieser Erkrankung zu verstehen, muss man sich den Aufbau des Hufes vergegenwärtigen: Das Hufbein, der unterste Knochen im Pferdebein, ist über eine hochkomplexe Struktur, den sogenannten Hufbeinträger, fest mit der Hornkapsel verbunden. Dieser Hufbeinträger besteht aus Tausenden von ineinandergreifenden Lamellen der Lederhaut und der Hornwand. Bei einer Hufrehe entzündet sich genau dieser empfindliche Aufhängeapparat. Durch die Entzündung kommt es zu einer massiven Schwellung und Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im Huf. Da die Hornkapsel starr und unnachgiebig ist, kann sich die Schwellung nicht nach außen ausdehnen. Der Druck im Inneren des Hufes steigt dadurch ins Unermessliche, was die feinen Blutgefäße abdrückt und die Blutzirkulation massiv stört. Dies führt zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen und verursacht extreme Schmerzen für das Pferd. Hufrehe ist daher immer als absoluter Notfall zu betrachten, der sofortiges tierärztliches Handeln erfordert.
Die Folgen einer unbehandelten oder schweren Hufrehe können verheerend sein. Der durch die Entzündung geschwächte Hufbeinträger kann das Gewicht des Pferdes nicht mehr tragen. In der Folge kann es zu einer Lageveränderung des Hufbeins innerhalb der Hornkapsel kommen. Man unterscheidet hierbei zwei pathologische Prozesse: die Hufbeinrotation und die Hufbeinsenkung. Bei der Rotation kippt die Spitze des Hufbeins nach unten in Richtung der Hufsohle. Bei der Senkung löst sich der gesamte Aufhängeapparat und das Hufbein sinkt parallel zur Hornwand nach unten ab. Beide Prozesse sind extrem schmerzhaft und können auf Röntgenbildern exakt vermessen werden. Im schlimmsten Fall, bei einer starken Rotation oder Senkung, kann die Hufbeinspitze die Hufsohle durchbrechen. Dieser sogenannte Hufbeindurchbruch ist in den meisten Fällen mit so unkontrollierbaren Schmerzen und Infektionen verbunden, dass eine Erlösung des Pferdes die einzig tierschutzgerechte Option darstellt. Eine weitere, dramatische Komplikation ist das „Ausschuhen“, bei dem sich die gesamte Hornkapsel vom Huf löst. Auch dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Man unterscheidet zudem zwischen einer akuten Hufrehe, dem plötzlichen, hochschmerzhaften Ereignis, und einer chronischen Hufrehe, die sich aus einem akuten Schub entwickelt oder schleichend beginnt und zu dauerhaften Veränderungen am Huf führt.
Grundsätzlich kann jedes Pferd, unabhängig von Rasse, Alter oder Nutzungsart, an Hufrehe erkranken. Dennoch gibt es bestimmte Risikogruppen. Besonders anfällig sind leichtfuttrige Rassen wie Ponys (z.B. Shetlandponys), Haflinger, Isländer, Fjordpferde und Kaltblüter. Diese Rassen sind genetisch oft an karge Lebensbedingungen angepasst und neigen auf unseren reichhaltigen Weiden und bei großzügiger Kraftfuttergabe zu Stoffwechselproblemen und Übergewicht, was das Reherisiko drastisch erhöht. Pferde mit vorliegenden Stoffwechselerkrankungen wie dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) oder dem Equinen Cushing Syndrom (PPID) tragen ein besonders hohes Risiko, eine Hufrehe zu entwickeln. Die Erkrankung tritt häufiger an den Vorderhufen auf, da diese etwa 60% des Körpergewichts tragen. Es können aber auch alle vier Hufe betroffen sein. Aufgrund der extremen Schmerzhaftigkeit und der potenziell irreversiblen Schäden gehört die Hufrehe zu den Krankheiten, die bei Pferdebesitzern die größten Ängste auslösen. Eine schnelle Erkennung der ersten Anzeichen und ein sofortiges, konsequentes Handeln sind entscheidend für die Prognose.
Die mit Abstand häufigste Ursache für Hufrehe ist die fütterungsbedingte Form, oft als „Futterrehe“ bezeichnet. Der Hauptauslöser sind hierbei hohe Mengen an leicht verdaulichen Kohlenhydraten, insbesondere Fruktane und Stärke. Fruktane sind Zuckerspeicherformen in Gräsern, deren Konzentration je nach Wetter, Jahreszeit und Grasart stark schwankt. Besonders hohe Fruktangehalte finden sich im Frühjahr, wenn das Gras nach dem Winter zu wachsen beginnt, sowie im Herbst. Auch bei sonnigem und gleichzeitig kaltem Wetter (z.B. nach Nachtfrost) oder in gestresstem, kurz abgefressenem Gras steigt der Fruktangehalt an. Gelangen große Mengen dieser Fruktane oder auch Stärke aus Getreide (z.B. durch eine geplünderte Futterkammer) in den Dickdarm des Pferdes, können sie dort nicht schnell genug verdaut werden. Dies führt zu einer massiven Vermehrung von milchsäurebildenden Bakterien und einem Absterben der „guten“ Rohfaser-verwertenden Darmflora. Das Darmmilieu wird extrem sauer (pH-Wert-Abfall), was die Darmwand schädigt. Durch die geschädigte Darmwand können Giftstoffe (Endotoxine) aus absterbenden Bakterien in die Blutbahn gelangen. Diese Endotoxine lösen im Körper eine systemische Entzündungsreaktion aus, die sich besonders fatal in den feinen Blutgefäßen der Huflederhaut auswirkt und den Reheschub auslöst.
Eine weitere, immer häufiger diagnostizierte Ursache ist die stoffwechselbedingte Hufrehe. Hier ist der Reheschub nicht das primäre Problem, sondern das Symptom einer zugrundeliegenden endokrinen (hormonellen) Störung. Die beiden wichtigsten Erkrankungen in diesem Zusammenhang sind das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und das Equine Cushing Syndrom (PPID). EMS ist vergleichbar mit dem Typ-2-Diabetes beim Menschen und betrifft vor allem übergewichtige, leichtfuttrige Pferde. Diese Pferde entwickeln eine Insulinresistenz, was bedeutet, dass ihre Körperzellen nicht mehr richtig auf das Hormon Insulin ansprechen. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies zu kompensieren, indem sie immer mehr Insulin produziert, was zu einem chronisch erhöhten Insulinspiegel im Blut führt (Hyperinsulinämie). Heute weiß man, dass diese Hyperinsulinämie direkt die Lamellen der Huflederhaut schädigen und eine Hufrehe auslösen kann, selbst ohne eine massive Futterentgleisung. Bei PPID (Cushing) handelt es sich um eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die vor allem ältere Pferde betrifft. Sie führt zu einer übermäßigen Produktion des Hormons ACTH und in der Folge oft auch zu einer Insulinresistenz, was das Reherisiko ebenfalls stark erhöht. Bei jedem Reheschub, insbesondere wenn er ohne ersichtlichen Fütterungsfehler auftritt, muss daher dringend eine Abklärung auf EMS oder PPID erfolgen.
Neben den fütterungs- und stoffwechselbedingten Ursachen gibt es noch weitere Auslöser für eine Hufrehe. Die Belastungsrehe entsteht durch eine übermäßige mechanische Beanspruchung der Hufe. Ein klassisches Beispiel ist die Stützbeinrehe: Wenn ein Pferd ein Bein aufgrund einer schweren Verletzung (z.B. einer Fraktur oder eines Sehnenrisses) über längere Zeit nicht belasten kann, wird der Huf des gegenüberliegenden, gesunden Beines permanent überlastet. Diese Dauerbelastung kann die Durchblutung stören und eine Hufrehe auslösen. Auch exzessives Laufen auf hartem Boden bei untrainierten Pferden kann eine Belastungsrehe provozieren. Die Geburtsrehe kann bei Stuten nach der Geburt auftreten, wenn Teile der Nachgeburt in der Gebärmutter verbleiben (Nachgeburtsverhaltung). Dies führt zu einer schweren Gebärmutterentzündung, bei der ebenfalls Bakteriengifte (Endotoxine) in den Blutkreislauf gelangen und eine Rehe auslösen können. Seltener sind die Vergiftungsrehe, verursacht durch die Aufnahme von Giftpflanzen wie Eibe oder Robinie, oder eine medikamenten-induzierte Rehe, die in seltenen Fällen nach der Gabe hoher Dosen bestimmter Medikamente (z.B. Kortison) auftreten kann. Bei Verdacht auf eine Kortison-assoziierte Rehe ist es wichtig zu wissen, dass dies meist bei Pferden mit einer unentdeckten Stoffwechselstörung wie PPID oder EMS passiert.
Die ersten Anzeichen einer Hufrehe sind oft subtil und können leicht übersehen oder fehlinterpretiert werden. Das Pferd wirkt möglicherweise nur geringgradig lahm oder zeigt einen steifen, klammen Gang, besonders auf hartem Untergrund oder in Wendungen. Man spricht hier oft von „Fühligkeit“. Vielleicht möchte es die Hufe nicht gerne geben oder hebt sie nur kurz an. Ein sehr wichtiges Frühwarnzeichen, das du selbst überprüfen kannst, ist der Puls der Mittelfußarterien (Arteria digitalis palmaris/plantaris). Diese Arterien verlaufen an der Rückseite des Fesselgelenks. Bei einem gesunden Pferd ist der Puls hier kaum oder gar nicht zu fühlen. Bei einer Entzündung im Huf, wie der Hufrehe, staut sich das Blut, und der Puls wird kräftig und pochend. Lerne, diesen Puls bei deinem gesunden Pferd zu fühlen, damit du eine Veränderung sofort bemerkst. Ein weiteres frühes Symptom kann eine erhöhte Temperatur der Hufe sein. Vergleiche die Temperatur der Hufwand und des Kronrands mit der Temperatur der Hinterhufe oder der Hufe eines anderen Pferdes. Sind die Hufe auffällig warm oder sogar heiß, ist das ein deutliches Alarmsignal. Diese frühen Symptome können innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach dem auslösenden Ereignis auftreten und sollten dich sofort alarmieren.
Wenn die Erkrankung fortschreitet, werden die Symptome dramatisch und unübersehbar. Das Pferd zeigt nun starke Schmerzen. Das klassischste und bekannteste Symptom ist die charakteristische Hufrehe-Stellung, auch Sägebockstellung genannt. Um die schmerzhaften Zehenbereiche der Vorderhufe zu entlasten, schiebt das Pferd die Hinterbeine weit unter den Bauch und verlagert sein Gewicht so weit wie möglich nach hinten. Die Vorderbeine werden dabei oft nach vorne herausgestellt. Diese Haltung ist ein verzweifelter Versuch, den Druck von den entzündeten Lamellen zu nehmen. Der Gang ist extrem steif und widerwillig. Das Pferd bewegt sich nur, wenn es absolut muss, und setzt die Hufe sehr vorsichtig auf, meist mit der Trachte zuerst. In schweren Fällen verweigert das Pferd jegliche Bewegung, liegt viel oder bleibt sogar komplett liegen und weigert sich aufzustehen. Das Aufheben eines Hufes ist oft unmöglich, da das Pferd die Schmerzen nicht ertragen kann, das gesamte Gewicht auf dem anderen, ebenfalls schmerzenden Huf zu balancieren. Diese akuten Symptome sind ein absoluter Notfall und erfordern die sofortige Alarmierung eines Tierarztes.
Bleibt eine Hufrehe unbehandelt oder wird sie zu einem wiederkehrenden Problem, entwickelt sich eine chronische Hufrehe. Diese ist durch dauerhafte Veränderungen an der Hufstruktur gekennzeichnet. Ein typisches Anzeichen sind die sogenannten Reheringe an der Hufwand. Im Gegensatz zu normalen Wachstumsringen verlaufen diese nicht parallel zum Kronrand, sondern sind an der Ferse (Trachte) breiter und laufen zur Zehe hin enger zusammen. Dies spiegelt das gestörte Hufwachstum wider. Die Hufwand an der Zehe wächst schneller nach unten als nach vorne, was zu einer langen, nach vorne gebogenen „Schnabelzehe“ führen kann, während die Trachten untergeschoben werden. Die weiße Linie, die Verbindung zwischen Hufwand und Sohle, erscheint oft verbreitert und kann mit kleinen Einblutungen oder bröseligem Horn gefüllt sein. Dies ist ein Zeichen für die Zerrung und Schädigung des Hufbeinträgers. Die Sohle kann abgeflacht sein, da das Hufbein von oben Druck ausübt. Pferde mit chronischer Hufrehe neigen zu wiederkehrenden Hufabszessen und zeigen oft eine dauerhafte Fühligkeit oder Lahmheit, die sich bei kleinsten Auslösern zu einem neuen akuten Schub entwickeln kann.
Hufrehe ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Kontaktiere sofort deinen Tierarzt, wenn du eines der folgenden Symptome bei deinem Pferd bemerkst:
Wenn der Tierarzt bei einem Hufrehe-Verdacht eintrifft, wird er zunächst eine gründliche klinische Untersuchung durchführen. Ein zentraler Bestandteil ist die Anamnese, also das ausführliche Gespräch mit dir als Besitzer. Der Tierarzt wird gezielte Fragen zur Fütterung (Art und Menge von Kraftfutter, Weidezugang, plötzliche Futterumstellungen), zur Haltung, zum Trainingszustand und zu eventuellen Vorerkrankungen stellen. Jede Information kann ein wichtiges Puzzleteil sein, um die Ursache der Rehe zu finden. Anschließend wird der Tierarzt das Pferd im Stand und, falls möglich, in der Bewegung beurteilen. Er achtet auf die typische Entlastungshaltung, den steifen Gang und die Schwierigkeiten in den Wendungen. Die Untersuchung der Hufe selbst ist entscheidend: Der Tierarzt wird die Hufe auf Wärmeentwicklung am Kronrand und an der Hufwand abtasten. Das Fühlen der digitalen Pulse an allen vier Gliedmaßen ist ein Standardverfahren. Ein stark pochender Puls ist ein klares Indiz für eine massive Entzündung im Huf. Das wichtigste diagnostische Werkzeug bei der klinischen Untersuchung ist die Hufuntersuchungszange. Mit ihr übt der Tierarzt gezielt Druck auf verschiedene Bereiche der Sohle und des Strahls aus. Bei einer Hufrehe reagiert das Pferd typischerweise mit einer starken Schmerzreaktion, wenn Druck auf den Bereich vor der Strahlspitze, also über der Hufbeinspitze, ausgeübt wird.
Um das Ausmaß der Schädigung im Inneren des Hufes beurteilen zu können, sind bildgebende Verfahren unerlässlich. Das wichtigste und am häufigsten eingesetzte Verfahren ist die Anfertigung von Röntgenbildern. Eine seitliche Aufnahme (latero-medial) des Hufes ist dabei von größter Bedeutung. Auf diesem Bild kann der Tierarzt die genaue Position des Hufbeins innerhalb der Hornkapsel erkennen und präzise Vermessungen durchführen. Er bestimmt, ob und in welchem Grad eine Hufbeinrotation (Kippung) oder eine Hufbeinsenkung (Absinken) stattgefunden hat. Der Grad der Rotation, also der Winkel zwischen der Vorderwand der Hornkapsel und der Vorderseite des Hufbeins, ist ein entscheidender prognostischer Faktor. Eine Rotation von über 8 bis 10 Grad macht eine zukünftige sportliche Nutzung bereits unwahrscheinlich. Die Röntgenbilder sind nicht nur für die Prognose wichtig, sondern auch eine unverzichtbare Grundlage für die therapeutische Hufbearbeitung durch den Hufschmied. Oft werden im Verlauf der Behandlung mehrere Röntgenaufnahmen angefertigt, um den Erfolg der Therapie zu kontrollieren und die Hufbearbeitung immer wieder anzupassen. In spezialisierten Kliniken kann zusätzlich ein Venogramm durchgeführt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel in die Blutgefäße des Hufes injiziert und anschließend geröntgt. Dies macht die Durchblutungssituation im Huf sichtbar und zeigt, welche Bereiche der Lederhaut bereits abgestorben sind.
Neben der direkten Untersuchung des Hufes ist es von entscheidender Bedeutung, die zugrundeliegende Ursache der Hufrehe zu finden, um zukünftige Schübe zu verhindern. Hierfür sind Laboruntersuchungen des Blutes unerlässlich. Besteht der Verdacht auf eine stoffwechselbedingte Hufrehe, wird der Tierarzt Blut abnehmen, um auf das Equine Cushing Syndrom (PPID) und das Equine Metabolische Syndrom (EMS) zu testen. Der Test auf PPID erfolgt in der Regel durch die Messung des ACTH-Wertes im Blut. Für die Diagnose von EMS werden die Konzentrationen von Insulin und Glukose bestimmt, oft im Rahmen eines speziellen Stimulationstests (z.B. oraler Glukosetoleranztest), um eine Insulinresistenz nachzuweisen. Ein allgemeines Blutbild kann zudem Aufschluss über den Grad der Entzündung im Körper geben und die Funktion wichtiger Organe wie Leber und Nieren überprüfen. Die Diagnose einer Hufrehe ist somit ein mehrstufiger Prozess, der die klinischen Symptome, die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren und die Laborwerte zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Nur so kann eine gezielte Therapie eingeleitet und vor allem eine wirksame Prophylaxe für die Zukunft entwickelt werden.
Die Behandlung einer akuten Hufrehe muss sofort beginnen, noch bevor der Tierarzt eintrifft. Deine Erste-Hilfe-Maßnahmen können entscheidend dazu beitragen, den Schaden zu begrenzen. Das Allerwichtigste: Rufe bei Verdacht auf Hufrehe SOFORT deinen Tierarzt! Jede Minute zählt. Während du auf den Tierarzt wartest, musst du umgehend handeln. Stelle das Pferd in eine Box mit einer sehr tiefen und weichen Einstreu. Ideal ist Sand, da er sich der Hufsohle anpasst und den Strahl unterstützt, was den schmerzhaften Hufbeinträger entlastet. Alternativ eignen sich dicke Schichten Späne oder Torf. Sorge dafür, dass das Pferd sich so wenig wie möglich bewegen muss. Wasser und Heu sollten in unmittelbarer Reichweite sein. Die zweite entscheidende Maßnahme ist der sofortige und vollständige Futterentzug. Entferne jegliches Kraftfutter, Müsli, Leckerlis und sorge dafür, dass das Pferd keinen Zugang mehr zur Weide hat. Biete vorerst nur eine kleine Menge Heu an, am besten gewässert, um den Zuckergehalt zu reduzieren. Die dritte und vielleicht wirksamste Erste-Hilfe-Maßnahme ist das Kühlen der Hufe. Kälte wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und reduziert die Schwellung. Stelle die Hufe deines Pferdes in Eimer mit Eiswasser oder verwende spezielle Kühlgamaschen. Die Kühlung sollte so kontinuierlich wie möglich erfolgen, bis der Tierarzt eintrifft und weitere Anweisungen gibt. Diese drei Maßnahmen – Boxenruhe, Futterentzug und Kühlung – sind die Grundpfeiler der Notfallversorgung.
Die tierärztliche Behandlung konzentriert sich auf mehrere Ziele: Schmerzlinderung, Entzündungshemmung, Verbesserung der Durchblutung und die Behandlung der auslösenden Ursache. Zur Schmerz- und Entzündungsbekämpfung wird der Tierarzt in der Regel hochwirksame nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs) wie Phenylbutazon oder Flunixin-Meglumin verabreichen. Diese Medikamente sind essenziell, um den Teufelskreis aus Schmerz und Entzündung zu durchbrechen. Dein Tierarzt wird die passende Therapie und Dosierung festlegen. Zusätzlich können Medikamente eingesetzt werden, die die Durchblutung in den feinen Kapillaren des Hufes verbessern, wie zum Beispiel der Wirkstoff Acetylpromazin (ACE). In manchen Fällen werden auch Infusionen verabreicht, um den Kreislauf zu stabilisieren und Giftstoffe aus dem Körper zu spülen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Therapie ist der Hufschutz. Der Tierarzt wird oft spezielle Hufverbände anlegen, die den Strahl und die Sohle polstern und so das Hufbein von unten unterstützen. Diese Verbände helfen, den Zug am geschädigten Hufbeinträger zu reduzieren und weitere Schäden zu verhindern. Parallel zur symptomatischen Behandlung muss die Ursachenforschung und -behandlung beginnen. Wird beispielsweise eine Nachgeburtsverhaltung oder eine schwere Infektion als Auslöser identifiziert, muss diese gezielt behandelt werden. Bei einer diagnostizierten Stoffwechselerkrankung wie PPID wird eine spezifische medikamentöse Therapie (z.B. mit dem Wirkstoff Pergolid) eingeleitet.
Die Hufbearbeitung ist ein zentraler und langfristiger Aspekt der Rehe-Therapie und -Nachsorge. Sie sollte immer in enger Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und einem erfahrenen, auf Hufrehe spezialisierten Hufschmied oder Hufbearbeiter erfolgen. Die Basis für jede Korrektur sind aktuelle Röntgenbilder. Das Ziel der orthopädischen Hufbearbeitung ist es, die Hebelkräfte an der Zehenwand zu reduzieren, die korrekte Position des Hufbeins wiederherzustellen und den hinteren Teil des Hufes (Trachten, Strahl, Sohlengewölbe) zur Lastaufnahme heranzuziehen. Im akuten Stadium wird oft auf einen Eisenbeschlag verzichtet und stattdessen mit gepolsterten Hufverbänden oder speziellen Kranken-Hufschuhen mit Polstereinlagen gearbeitet. Sobald der Zustand es zulässt, kommen therapeutische Beschläge zum Einsatz. Dazu gehören beispielsweise Stegeisen (Heart Bar Shoes), die den Strahl gezielt unterstützen, oder umgedrehte Eisen (Reverse Shoes), die die Zehe schweben lassen und die Last auf die Trachten verlagern. Auch Kunststoffbeschläge oder das Anbringen von Keilen können je nach individuellem Befund sinnvoll sein. Die Hufbearbeitung bei einem Rehepferd ist ein langwieriger Prozess, der regelmäßige, oft kurzfristige Korrekturintervalle (alle 4-6 Wochen) erfordert und über Monate bis Jahre andauern kann. Geduld und die Investition in einen kompetenten Hufbearbeiter sind hier absolut entscheidend für den Erfolg.
Die Genesung von Hufrehe ist ein Marathon, kein Sprint. Neben der tierärztlichen und huftechnischen Versorgung kannst du im Management viel tun, um dein Pferd zu unterstützen. Sorge für eine stressfreie Umgebung. Ein ruhiger Boxennachbar und ein geregelter Tagesablauf helfen, den Heilungsprozess nicht zusätzlich zu belasten. Die Einstreu sollte dauerhaft tief und weich sein, um die Hufe zu schonen. Achte darauf, dass Wasser und Heu so platziert sind, dass dein Pferd sie mit minimaler Bewegung erreichen kann. Die Fütterung muss lebenslang streng kontrolliert werden. Besprich den Futterplan detailliert mit deinem Tierarzt oder einem spezialisierten Futterberater. Jede noch so kleine Futteränderung oder ein unachtsamer Moment auf der Weide kann einen Rückfall auslösen.
Die wichtigste und effektivste Maßnahme zur Vorbeugung von Hufrehe ist ein durchdachtes und konsequentes Fütterungsmanagement. Die Basis der Fütterung sollte immer qualitativ hochwertiges Raufutter, also Heu, sein. Für rehegefährdete Pferde ist es entscheidend, den Zucker- und Stärkegehalt der Gesamtration so niedrig wie möglich zu halten. Eine Heuanalyse ist hierfür ein wertvolles Werkzeug. Sie gibt dir genaue Auskunft über den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten (WSC), zu denen auch die gefährlichen Fruktane gehören. Liegt der Zuckergehalt im Heu zu hoch, kann das Wässern des Heus helfen. Ein einstündiges Einweichen in reichlich Wasser kann den Zuckergehalt um bis zu 30% reduzieren. Auf Kraftfutter auf Getreidebasis (Hafer, Gerste, Mais) sollte bei Risikopferden gänzlich verzichtet werden. Wenn dein Pferd zusätzliche Energie benötigt, greife auf hochverdauliche Faserquellen wie unmelassierte Rübenschnitzel oder spezielle, zucker- und stärkearme Müslis zurück. Auch die Mineralstoff- und Vitaminversorgung muss sichergestellt werden, am besten über ein hochwertiges Mineralfutter ohne zugesetztes Getreide oder Melasse. Füttere mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt, um den Verdauungstrakt nicht zu überlasten, und vermeide abrupte Futterumstellungen. Jede Änderung im Futterplan sollte langsam und schrittweise über mehrere Tage erfolgen.
Ein ebenso kritischer Punkt in der Rehe-Prophylaxe ist das Weidemanagement. Unsere heutigen Weiden sind oft für Hochleistungskühe gezüchtet und enthalten für Pferde, insbesondere für leichtfuttrige Rassen, viel zu viel Energie in Form von Fruktan. Das Weidemanagement muss daher strategisch geplant werden. Die Fruktankonzentration im Gras ist nicht immer gleich. Sie ist besonders hoch im Frühjahr und Herbst, an sonnigen, kühlen Tagen, nach Nachtfrost und wenn das Gras unter Stress steht (z.B. durch Trockenheit oder sehr kurzen Verbiss). Um das Risiko zu minimieren, solltest du dein Pferd langsam anweiden. Beginne im Frühjahr mit nur 15-30 Minuten und steigere die Zeit über mehrere Wochen sehr langsam. Lasse dein Pferd niemals hungrig auf die Weide; füttere vorher eine ausreichende Menge Heu, um die Gier zu dämpfen. Eine Fressbremse (Grazing Muzzle) ist ein exzellentes Hilfsmittel, um die Grasaufnahme effektiv zu reduzieren, ohne dem Pferd den sozialen Kontakt und die Bewegung auf der Weide zu nehmen. Vermeide Weidegang zu den riskantesten Zeiten, also früh morgens nach einer kalten Nacht oder an sonnigen Nachmittagen. Sicherer ist der Weidegang an bewölkten Tagen oder nachts, wenn die Pflanze die tagsüber produzierte Energie veratmet hat.
Neben Fütterung und Weidegang spielen auch das allgemeine Haltungs- und Gesundheitsmanagement eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung von Hufrehe. An erster Stelle steht hier das Gewichtsmanagement. Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren, insbesondere in Verbindung mit dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS). Lerne, den Body Condition Score (BCS) deines Pferdes regelmäßig zu beurteilen, um eine schleichende Gewichtszunahme frühzeitig zu erkennen. Typische Fettdepots bei EMS-Pferden finden sich am Mähnenkamm, an der Schulter, am Schweifansatz und in der Schlauchtasche. Ein angepasstes Bewegungs- und Trainingsprogramm hilft, das Gewicht zu regulieren und die Insulinsensitivität zu verbessern. Regelmäßige, professionelle Hufpflege durch einen guten Hufschmied oder Hufbearbeiter ist ebenfalls unerlässlich. Eine korrekte Hufbalance reduziert mechanischen Stress auf den Hufbeinträger. Schließlich sind regelmäßige Gesundheits-Check-ups wichtig. Insbesondere bei Pferden über 15 Jahren oder bei Pferden, die zur Risikogruppe gehören, sollte jährlich ein Bluttest auf PPID (Cushing) und EMS in Betracht gezogen werden. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung dieser Grunderkrankungen ist der beste Schutz vor einer stoffwechselbedingten Hufrehe.
Die Prognose für ein Pferd mit Hufrehe ist äußerst variabel und hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Eine pauschale Aussage ist daher unmöglich. Zu den entscheidenden Kriterien gehören die Ursache der Rehe, die Schwere des akuten Schubes, wie schnell eine adäquate tierärztliche Behandlung eingeleitet wurde und vor allem das Ausmaß der strukturellen Schäden im Huf. Ein Pferd mit einer leichten, fütterungsbedingten Rehe, das sofort behandelt wird und keine oder nur eine minimale Hufbeinrotation aufweist, hat eine gute Chance auf eine vollständige Genesung und kann oft wieder normal belastet werden. Die Prognose verschlechtert sich jedoch dramatisch mit dem Grad der Hufbeinrotation und/oder -senkung. Liegt eine Rotation von mehr als 10-12 Grad vor, ist eine Rückkehr in den Sport sehr unwahrscheinlich, und das Ziel ist oft nur noch, dem Pferd ein schmerzfreies Leben als Rentner zu ermöglichen. Bei einer sehr schweren Rotation, einer starken Senkung oder gar einem drohenden Hufbeindurchbruch ist die Prognose als schlecht bis infaust zu bewerten. In solchen Fällen muss in Absprache mit dem Tierarzt die schwere Entscheidung über eine Erlösung des Pferdes getroffen werden, um ihm weiteres Leiden zu ersparen. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Pferd, das einmal eine Hufrehe hatte, immer ein Risikopatient bleiben wird. Der Hufbeinträger ist vernarbt und weniger belastbar, was das Risiko für zukünftige Schübe erhöht.
Eine der häufigsten und schwerwiegendsten Langzeitfolgen einer überstandenen akuten Hufrehe ist die Entwicklung einer chronischen Hufrehe. Dies bedeutet, dass die Hufe dauerhaft geschädigt sind und das Pferd ein Leben lang spezielle Pflege und ein striktes Management benötigt. Die chronische Form ist durch die bereits beschriebenen Veränderungen wie Reheringe, eine verbreiterte weiße Linie und eine deformierte Hufkapsel (Knollhuf) gekennzeichnet. Diese Pferde leiden oft unter einer chronischen Fühligkeit und neigen zu wiederkehrenden Lahmheitsschüben, die bereits durch kleinste Fehler im Management ausgelöst werden können. Die geschädigte Verbindung zwischen Hufwand und Sohle (weiße Linie) ist eine Eintrittspforte für Bakterien, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Hufabszesse führt. Die Lebensqualität eines chronischen Rehepferdes hängt maßgeblich von der Konsequenz und dem Engagement des Besitzers ab. Die Reitbarkeit ist oft stark eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Das Management konzentriert sich darauf, dem Pferd ein möglichst schmerzfreies Leben zu ermöglichen, was eine lebenslange Diät, kontrollierten Weidegang und eine hochspezialisierte, regelmäßige Hufbearbeitung erfordert. Dies ist nicht nur eine große Verantwortung, sondern auch eine erhebliche finanzielle und emotionale Belastung für den Pferdebesitzer.
Das Leben mit einem chronischen Rehepferd ist eine Daueraufgabe, die viel Wissen, Geduld und Disziplin erfordert. Die Lebensqualität des Pferdes muss immer im Vordergrund stehen und regelmäßig kritisch hinterfragt werden. Das Ziel ist nicht mehr die vollständige Heilung, sondern ein bestmögliches Management zur Sicherung eines schmerzarmen Daseins. Dies erfordert eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt und dem Hufschmied. Der Futterplan muss penibel eingehalten werden, und Ausnahmen sind tabu. Jedes Gramm Zucker zu viel kann einen neuen, schmerzhaften Schub auslösen. Die Hufbearbeitungsintervalle müssen kurz gehalten werden, um Fehlstellungen kontinuierlich zu korrigieren und den Huf in seiner Funktion zu unterstützen. Trotz aller Bemühungen kann es Phasen geben, in denen das Pferd wieder stärkere Schmerzen zeigt. Es ist wichtig, diese Rückschläge als Teil der Erkrankung zu akzeptieren und das Management entsprechend anzupassen. Die Entscheidung, wie lange eine Behandlung tierschutzgerecht ist, ist eine der schwierigsten, die ein Pferdebesitzer treffen muss. Wenn ein Pferd trotz aller therapeutischen Maßnahmen dauerhaft unter Schmerzen leidet und keine Lebensfreude mehr zeigt, ist es ein Akt der Tierliebe, gemeinsam mit dem Tierarzt den richtigen Zeitpunkt für den Abschied zu finden.
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