Entdecke das Islandpferd: Alles über Charakter, Haltung, Tölt, Pass und die Pflege dieser robusten und vielseitigen Pferderasse aus dem hohen Norden.

Das Islandpferd ist ein kompaktes und kräftiges Kleinpferd mit einem Stockmaß von etwa 130 bis 145 cm und einem Gewicht von 300 bis 400 kg. Sein Körperbau ist robust mit einem starken Fundament, oft ergänzt durch üppiges Langhaar an Mähne und Schweif. Bis auf Tigerschecken kommen alle Fellfarben vor, was eine enorme Vielfalt erzeugt. Das herausragendste Merkmal sind die genetisch verankerten Zusatzgangarten Tölt und Pass, die es neben Schritt, Trab und Galopp beherrscht.
Islandpferde besitzen einen vielseitigen Charakter, der lebhaftes Temperament mit einem freundlichen und ausgeglichenen Wesen verbindet. Sie sind menschenbezogen, unkompliziert im Umgang und zeigen eine hohe Lernbereitschaft, was sie zu kooperativen Partnern macht. Ihre angeborene Nervenstärke und Trittsicherheit machen sie auch in anspruchsvollem Gelände zu verlässlichen Begleitern.
Dank seiner Spezialgangarten ist das Islandpferd prädestiniert für Gangpferdeprüfungen, zeigt sich aber auch als vielseitiger Freizeitpartner für ausgedehnte Geländeritte. Seine bequemen Gänge und sein verlässlicher Charakter machen es zu einem idealen Pferd für die ganze Familie, vom Anfänger bis zum ambitionierten Turnierreiter. Aufgrund seiner sanften Art und handlichen Größe wird es zudem erfolgreich in der Reittherapie eingesetzt.
Die artgerechteste Haltung für das robuste Islandpferd ist die ganzjährige Robusthaltung im Offenstall mit ständigem Zugang zu Auslauf und Weide. Diese Haltungsform kommt ihrem Bedürfnis nach Bewegung und Sozialkontakt in der Herde am besten nach. Da sie leichtfuttrig sind, muss der Weidegang, besonders auf nährstoffreichen Wiesen, kontrolliert werden, um Übergewicht und Stoffwechselproblemen vorzubeugen.
Islandpferde sind für ihre Langlebigkeit bekannt und erreichen oft ein Alter von über 30 Jahren. Eine rassetypische Anfälligkeit besteht für das Sommerekzem, eine allergische Hautreaktion, die besonders importierte Pferde betrifft. Aufgrund ihrer guten Futterverwertung neigen sie zudem zu Stoffwechselerkrankungen wie dem Equinen Metabolischen Syndrom und Hufrehe, weshalb eine angepasste Fütterung entscheidend ist.
Der Ursprung des Islandpferdes liegt bei den Pferden, die von den Wikingern im 9. und 10. Jahrhundert nach Island gebracht wurden. Ein seit über 1000 Jahren bestehendes Importverbot für Pferde nach Island hat die Rasse rein erhalten und durch die rauen Lebensbedingungen geprägt. Heute wird das Islandpferd weltweit als vielseitiges Freizeit- und Sportpferd geschätzt, dessen Zucht durch die FEIF und nationale Verbände wie den IPZV geregelt wird.
Weitere wichtige Informationen zum Thema
Islandpferde sind für ihre außergewöhnliche Langlebigkeit bekannt. Es ist keine Seltenheit, dass diese Tiere ein Alter von 30 bis 35 Jahren erreichen, wobei einige Individuen sogar über 40 Jahre alt werden können. Diese Robustheit verdanken sie ihrer natürlichen Selektion in der rauen Natur Islands, die nur die widerstandsfähigsten Pferde überlebten ließ.
Besonders bemerkenswert ist, dass Islandpferde auch im hohen Alter oft noch leistungsfähig bleiben. Viele Tiere können bis weit in ihre 20er Jahre hinein entspannt im Freizeitbereich geritten werden. Diese späte Reife bedeutet jedoch auch, dass sie erst mit etwa fünf Jahren schonend angeritten werden sollten, um eine gesunde körperliche Entwicklung zu gewährleisten.
Die monatlichen Fixkosten für ein Islandpferd variieren stark je nach Region und Haltungsform, liegen in der Regel aber zwischen 300 und 600 Euro. Darin enthalten sind die Stallmiete (Offenstall), Grundfutter, eine Haftpflichtversicherung sowie eine Rücklage für den Schmied, da Islandpferde aufgrund ihrer Gänge oft einen speziellen Beschlag benötigen.
Zusätzlich sollten Besitzer monatliche Polster für Tierarztkosten und Ausrüstung einplanen. Da Islandpferde oft anfällig für das sogenannte Sommerekzem sind, können in den warmen Monaten zusätzliche Kosten für Spezialfutter, Decken oder Pflegemittel anfallen, die das Budget belasten können.
Obwohl sie extrem robust sind, leiden viele Islandpferde in Mitteleuropa unter dem Sommerekzem. Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion auf den Speichel von Kriebelmücken, die zu starkem Juckreiz an Mähne und Schweif führt. Da diese Insekten auf Island ursprünglich nicht vorkamen, hat das Immunsystem mancher Importpferde keine natürliche Abwehr dagegen entwickelt.
Zudem neigen Islandpferde aufgrund ihrer effizienten Futterverwertung bei zu üppigem Weidegang leicht zu Übergewicht und damit verbundenen Stoffwechselkrankheiten wie Hufrehe oder dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS). Eine kontrollierte Fütterung mit energiearmem Raufutter ist daher für diese Rasse essentiell.
Grundsätzlich ist die Vergesellschaftung mit anderen Pony- und Pferderassen möglich, erfordert aber Fingerspitzengefühl. Islandpferde verfügen über ein sehr ausgeprägtes, oft ursprüngliches Sozialverhalten und kommunizieren sehr klar. In gemischten Herden kann es vorkommen, dass die kleinen Isländer aufgrund ihrer Durchsetzungsstärke und ihres kompakten Körpers die Führung übernehmen oder aber von deutlich größeren Pferden beim Futter verdrängt werden.
Ein Hauptproblem in gemischten Gruppen ist meist das unterschiedliche Futterbedürfnis. Während ein Warmblut energiereiches Futter benötigt, verfettet ein Islandpferd unter den gleichen Bedingungen schnell. Ein separates Paddock oder zeitweise Trennung bei der Fütterung sind oft notwendig, um den gesundheitlichen Bedürfnissen beider Seiten gerecht zu werden.
Nein, dies ist aufgrund der strengen Seuchenschutzgesetze Islands absolut verboten. Sobald ein Islandpferd die Insel einmal verlassen hat, gibt es keinen Weg zurück. Diese Regelung dient dem Schutz der dortigen Population, die aufgrund der jahrtausendlangen Isolation keinerlei Immunität gegen auf dem Kontinent verbreitete Krankheiten oder Viren besitzt.
Selbst Ausrüstung, die im Ausland mit Pferden in Kontakt kam (Sättel, Zaumzeug, gebrauchte Reitkleidung), unterliegt strengen Desinfektionsvorschriften, bevor sie nach Island eingeführt werden darf. Dies sichert den Erhalt der Rasse in ihrer ursprünglichen Heimat und verhindert das Einschleppen von Infektionen, die den gesamten Bestand gefährden könnten.

Pferdeliebhaberin seit Kindertagen und Autorin auf pferdekumpel.de. Lisa vereint ihre langjährige Erfahrung als Reiterin und Pferdebesitzerin mit fundiertem Wissen über artgerechte Haltung, Pferdegesundheit und Reitsport. Als Fachautorin und passionierte Dressurreiterin liegt ihr Fokus auf praxisnaher Wissensvermittlung — von der richtigen Ausrüstung über Pferdeernährung bis hin zu Trainingstipps für Reiter aller Levels.
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Die faszinierende Geschichte des Islandpferdes ist untrennbar mit der Besiedlung Islands durch die Wikinger im 9. und 10. Jahrhundert verbunden. Als die nordischen Seefahrer die raue, unberührte Insel erreichten, brachten sie ihre besten Pferde mit. Diese Tiere waren keine homogene Rasse, sondern eine bunte Mischung aus germanischen und keltischen Ponys, die sich durch ihre Zähigkeit, Kraft und Trittsicherheit auszeichneten. In einem Land ohne Straßen, Brücken oder befahrbare Wege wurde das Pferd schnell zum wichtigsten Begleiter und unverzichtbaren Nutztier. Es war Transportmittel für Menschen und Güter, Arbeitstier in der Landwirtschaft und ein Statussymbol. Die enge Beziehung zwischen Mensch und Pferd in dieser isolierten Umgebung prägte die Entwicklung der Rasse nachhaltig. Die Pferde mussten nicht nur extremen Wetterbedingungen trotzen, sondern auch einen kooperativen und verlässlichen Charakter besitzen, um das Überleben ihrer Besitzer zu sichern. Diese frühe, auf reiner Funktionalität basierende Selektion legte den Grundstein für die robusten und menschenbezogenen Pferde, die wir heute kennen und schätzen. Ihre Rolle ist tief in den isländischen Sagas und der Mythologie verwurzelt, wo Pferde wie Sleipnir, das achtbeinige Ross des Gottes Odin, von ihrer überragenden Bedeutung zeugen.
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Islandpferdes war ein Gesetz, das das isländische Parlament, das Althing, bereits im Jahr 982 n. Chr. erließ: ein striktes Importverbot für Pferde. Ursprünglich eingeführt, um die Einschleppung von Seuchen zu verhindern und die begrenzten Ressourcen der Insel zu schonen, hatte dieses Gesetz eine weitreichende Konsequenz: Es führte zu einer über tausendjährigen Reinzucht. Seit diesem Zeitpunkt wurde kein fremdes Blut mehr in die Population eingekreuzt. Diese genetische Isolation ist weltweit einzigartig und macht das Islandpferd zu einer der reinsten Pferderassen überhaupt. Selbst heute gilt die Regelung noch in aller Strenge: Ein Islandpferd, das die Insel einmal verlassen hat – sei es für einen Wettbewerb oder einen Verkauf – darf niemals zurückkehren. Diese Maßnahme schützt die heimische Population weiterhin vor Krankheiten, gegen die sie keine Immunität besitzt, und bewahrt den einzigartigen Genpool. Diese lange Periode der Isolation ohne äußere Einflüsse hat nicht nur die besonderen Gangarten Tölt und Pass gefestigt, sondern auch die bemerkenswerte Robustheit und Anpassungsfähigkeit der Rasse konserviert und geformt.
Die Entwicklung der Zucht auf Island selbst war über Jahrhunderte von den harten Lebensbedingungen geprägt. Die Zuchtauswahl erfolgte quasi durch die Natur selbst, ergänzt durch die praktischen Bedürfnisse der Menschen. Nur die Pferde, die stark, ausdauernd, trittsicher und intelligent genug waren, um in der kargen Landschaft zu überleben und ihren Besitzern zu dienen, konnten sich fortpflanzen. Ein gutes Reitpferd musste einen Erwachsenen über weite Strecken in schwierigem Gelände tragen können, und das möglichst komfortabel. Daher wurde großer Wert auf die Veranlagung für den Tölt gelegt, eine erschütterungsfreie Gangart, die lange Reisen erträglich machte. Das äußere Erscheinungsbild oder die Farbe spielten eine untergeordnete Rolle, was die heute so beeindruckende Farbvielfalt erklärt. Erst im 20. Jahrhundert begann eine systematischere, organisierte Zucht, die auf die Erhaltung und Verbesserung der Reiteigenschaften abzielte. Mit der Gründung von Zuchtverbänden und der Einführung von Zuchtprüfungen (FIZO) wurden die Zuchtziele klar definiert und das Islandpferd entwickelte sich vom reinen Nutz- und Transporttier zu dem vielseitigen Sport- und Freizeitpartner, der heute weltweit über 250.000 Liebhaber begeistert.
Das Islandpferd präsentiert sich als ein kompaktes, kräftiges und ausdrucksstarkes Kleinpferd, das trotz seiner relativ geringen Größe eine enorme Stärke ausstrahlt. Das Stockmaß, also die Widerristhöhe, liegt im Durchschnitt zwischen 130 und 148 cm. Obwohl viele von ihnen damit unter das Ponymaß von 148 cm fallen, werden sie aufgrund ihrer Abstammung, ihres Körperbaus und ihrer Fähigkeit, auch schwere Erwachsene mühelos zu tragen, international als Pferde klassifiziert. Der Körperbau ist robust und gut proportioniert, geprägt von einem stabilen Fundament. Sie besitzen einen kräftigen, oft kurzen Rücken, eine tiefe, breite Brust, die viel Platz für Herz und Lunge bietet, und eine schräge, gut bemuskelte Schulter. Die Kruppe ist ebenfalls kräftig und oft leicht abfallend, was ihnen die nötige Schubkraft für die Gänge und das Klettern in unwegsamem Gelände verleiht. Die Gliedmaßen sind kurz und stark, mit trockenen Gelenken und harten, widerstandsfähigen Hufen. Ein Merkmal für die Stabilität ist der Röhrbeinumfang – der Umfang des Röhrenknochens unterhalb des Vorderfußwurzelgelenks – der im Verhältnis zur Körpergröße beachtlich ist und die Belastbarkeit des Pferdes unterstreicht.
Der Kopf des Islandpferdes ist ein wesentlicher Teil seines charakteristischen Aussehens. Er ist meist trocken, mit einem geraden oder leicht konkaven Profil, obwohl auch ein leichter Ramskopf (konvexes Profil) vorkommen kann. Die Augen sind groß, wach und ausdrucksstark und zeugen von Intelligenz und einem freundlichen Wesen. Die Ohren sind klein und beweglich und spiegeln die Aufmerksamkeit des Pferdes wider. Der Hals ist kräftig, hoch aufgerichtet und gut bemuskelt, was für eine gute Balance und eine natürliche Aufrichtung unter dem Reiter sorgt. Eines der markantesten Merkmale des Islandpferdes ist jedoch sein üppiger Behang. Mähne und Schweif sind extrem dicht, lang und oft wellig. Im Winter entwickeln die Pferde ein dichtes, zweischichtiges Winterfell mit langer Grannenbehaarung und dichter Unterwolle, das sie effektiv vor Kälte, Wind und Nässe schützt. Dieses „Teddyfell“ ermöglicht ihnen eine artgerechte Haltung im Freien über das ganze Jahr hinweg und macht sie zu wahren Überlebenskünstlern in rauen Klimazonen. Im Sommer wird dieses dichte Fell abgestoßen und durch ein kurzes, glänzendes Sommerfell ersetzt.
Eine weitere Besonderheit, die das Islandpferd so einzigartig macht, ist seine außergewöhnliche Farbvielfalt. Da die Farbe in der Zuchtgeschichte Islands nie ein Selektionskriterium war, konnte sich eine breite Palette an Genen erhalten. Es gibt fast alle bekannten Pferdefarben und -zeichnungen. Neben den Grundfarben wie Rappen (Schwarz), Füchse (Braunrot) und Braune (Braun mit schwarzem Behang) findet man eine Fülle von Sonderfarben. Dazu gehören Falben in allen Variationen (Braunfalbe, Graufalbe, Rotfalbe), die oft mit einem Aalstrich auf dem Rücken und Zebrastreifen an den Beinen einhergehen. Auch Palominos (Isabellen), Buckskins (Erdfarbene) und die durch das Silver-Gen aufgehellten Windfarbenen sind weit verbreitet. Schecken in allen denkbaren Mustern sowie Pferde mit dem Roan-Gen (Stichelhaarige) bereichern das bunte Bild. Diese Vielfalt macht jedes Islandpferd zu einem Unikat und ist ein sichtbares Zeichen seiner ursprünglichen und unverfälschten Genetik. Für viele Liebhaber der Rasse ist die Suche nach einer bestimmten, seltenen Farbe ein zusätzlicher Reiz, obwohl Charakter und Reiteigenschaften immer im Vordergrund stehen sollten.
Der Charakter des Islandpferdes ist so vielschichtig und faszinierend wie seine Heimat. Grundsätzlich gelten die Pferde von der Insel als freundlich, neugierig, unerschrocken und dem Menschen sehr zugewandt. Sie bauen oft eine enge Bindung zu ihrer Bezugsperson auf und zeigen sich als kooperative und verlässliche Partner. Ihre Nervenstärke und Gelassenheit sind legendär und ein direktes Ergebnis ihrer jahrhundertelangen Entwicklung in einer anspruchsvollen Umgebung, in der Panik oder Hektik tödlich sein konnten. Dennoch sind sie keine phlegmatischen „Schlaftabletten“. Im isländischen Zuchtwesen werden zwei zentrale Begriffe verwendet, um das Temperament zu beschreiben: „Vilji“ und „Þol“. „Þol“ steht für Ausdauer, Geduld und die Fähigkeit, Strapazen zu ertragen. Ein Pferd mit viel „Þol“ ist mental stark und lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen. „Vilji“ hingegen beschreibt den Vorwärtsdrang, den Arbeitswillen und den Geist des Pferdes. Ein Pferd mit viel „Vilji“ ist lauffreudig, energiegeladen und denkt mit. Das ideale Islandpferd besitzt eine ausgewogene Mischung aus beidem: Es ist sensibel und gehfreudig, aber gleichzeitig kontrollierbar und nervenstark. Diese Kombination macht sie zu so angenehmen Reitpferden, die motiviert mitarbeiten, ohne dabei kopflos zu werden.
Ihre hohe Intelligenz und Lernbereitschaft sind weitere prägende Eigenschaften. Islandpferde lernen extrem schnell, was für den Reiter sowohl ein Segen als auch eine Herausforderung sein kann. Sie verstehen feine Hilfen und neue Lektionen oft im Handumdrehen, wenn sie fair und konsequent trainiert werden. Genauso schnell lernen sie aber auch, Unachtsamkeiten oder inkonsequentes Verhalten des Reiters auszunutzen. Sie sind keine Befehlsempfänger, sondern denkende Partner, die eine klare und verständliche Kommunikation erfordern. Ihre Vergangenheit als selbstständige Herdentiere in der weiten Landschaft Islands hat ihnen eine gewisse Eigenständigkeit und Problemlösungskompetenz verliehen. Das bedeutet, dass sie in schwierigen Situationen im Gelände oft die besseren Entscheidungen treffen und auf sich selbst aufpassen. Für den Reiter heißt das, dem Pferd auch ein gewisses Maß an Vertrauen entgegenzubringen und seine Signale zu respektieren. Eine harte Hand oder ungerechte Behandlung quittieren sie schnell mit Sturheit oder dem Verlust ihrer Arbeitsfreude. Ein fairer, geduldiger und respektvoller Umgang ist der Schlüssel zu einer harmonischen Partnerschaft mit diesen klugen Tieren.
Die Bandbreite an Temperamenten innerhalb der Rasse ist enorm und es ist ein Trugschluss zu glauben, jedes Islandpferd sei automatisch ein sanftes Anfängerpferd. Die Ausprägung von „Vilji“ variiert stark von Pferd zu Pferd. Es gibt die absolut gelassenen, gemütlichen Freizeitpartner, die auch von Kindern oder unsicheren Reitern problemlos im Gelände geritten werden können. Diese Pferde sind Gold wert für Reitschulen und Familien. Auf der anderen Seite der Skala stehen die hochtalentierten, sensiblen Sportpferde. Diese „Feuerstühle“ haben extrem viel „Vilji“, sind sehr sensibel an den Hilfen und besitzen eine enorme Energie und Leistungsbereitschaft. In den Händen eines erfahrenen Reiters, der diese Energie zu kanalisieren weiß, können sie im Sport zu Höchstleistungen fähig sein. Für einen Anfänger wären solche Pferde jedoch völlig überfordernd und potenziell gefährlich. Daher ist es bei der Wahl eines Islandpferdes von entscheidender Bedeutung, eine ehrliche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten vorzunehmen und ein Pferd zu suchen, dessen Temperament und Energielevel zum eigenen Können und den persönlichen Zielen passt. Ein guter Züchter oder Verkäufer wird dich dabei ausführlich beraten, um das perfekte Match zu finden.
Die Vielseitigkeit des Islandpferdes ist einer seiner größten Trümpfe. Ursprünglich als reines Transport- und Arbeitspferd gezüchtet, hat es sich heute zu einem wahren Allrounder für Freizeit und Sport entwickelt. Sein Haupteinsatzgebiet liegt im Bereich des anspruchsvollen Freizeitreitens und Wanderreitens. Dank seiner angeborenen Trittsicherheit, seiner Ausdauer und seines unerschrockenen Wesens ist es der ideale Partner für lange Ausritte in jedem erdenklichen Gelände. Ob steile Bergpfade, unebene Waldwege oder durchquerte Bäche – ein Islandpferd meistert diese Herausforderungen mit einer beeindruckenden Souveränität. Die bequemen Spezialgangarten, insbesondere der Tölt, ermöglichen es dem Reiter, auch stundenlange Touren ohne Ermüdung oder Rückenschmerzen zu genießen. Viele Reiterhöfe in Deutschland und ganz Europa haben sich auf das Wanderreiten mit Islandpferden spezialisiert und bieten geführte Touren an, die Reitern aller Erfahrungsstufen ein unvergessliches Naturerlebnis ermöglichen. Ihre Genügsamkeit und Robustheit machen sie zudem zu unkomplizierten Begleitern auf mehrtägigen Wanderritten.
Neben dem Freizeitreiten hat sich eine lebendige und spezialisierte Turnierszene rund um das Islandpferd etabliert. Im Mittelpunkt stehen hier die einzigartigen Gangarten. In sogenannten Gangprüfungen werden die Qualität und die korrekte Ausführung von Tölt, Trab, Schritt, Galopp und Pass bewertet. Es gibt verschiedene Prüfungsklassen, die auf das Können von Reiter und Pferd zugeschnitten sind. In Töltprüfungen (z.B. T1, T2) wird der Tölt in verschiedenen Tempi gezeigt, vom langsamen, versammelten Tempo bis hin zum Renntempo. In Viergang- (V1) und Fünfgangprüfungen (F1) müssen die Pferde alle ihre Gänge in einer harmonischen und ausdrucksstarken Präsentation zeigen. Ein besonderes Highlight sind die Passrennen, bei denen Fünfgänger auf einer geraden Strecke von 150 oder 250 Metern im Rennpass gegeneinander antreten und Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen. Diese Disziplinen erfordern ein hohes Maß an Training, Präzision und Harmonie zwischen Reiter und Pferd und zeigen die beeindruckende Leistungsfähigkeit dieser kleinen Kraftpakete. Die Turniere sind oft große Feste für die ganze Community und spiegeln die Leidenschaft für die Rasse wider.
Der Tölt ist die Gangart, die das Islandpferd weltberühmt gemacht hat. Es handelt sich um einen angeborenen Viertakt ohne Schwebephase, bei dem immer mindestens ein Huf den Boden berührt. Die Fußfolge ist dieselbe wie im Schritt (z.B. hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts), wird aber in einem viel höheren Tempo ausgeführt. Das Ergebnis ist ein absolut erschütterungsfreier und fließender Bewegungsablauf, der für den Reiter extrem bequem ist. Man sagt, man könne im Tölt ein volles Glas Wasser halten, ohne etwas zu verschütten. Diese Gangart ermöglicht es dem Pferd, hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, ohne dass der Reiter wie im Trab durchgeschüttelt wird. Der Tölt kann in unterschiedlichsten Tempi geritten werden, vom langsamen, gesetzten Arbeitstempo bis hin zum rasanten Renntölt, der die Geschwindigkeit eines Galopps erreichen kann. Ein gut gerittener Tölt zeichnet sich durch einen klaren Viertakt-Rhythmus, eine stolze Haltung des Pferdes mit hoher Aufrichtung und viel freier Bewegung aus der Schulter aus. Die Fähigkeit zu tölten ist genetisch veranlagt, muss aber durch gezieltes Training gefördert und gefestigt werden, um die Qualität und Reinheit des Ganges zu optimieren.
Der Rennpass, auf Isländisch „Skeið“, ist die fünfte Gangart und die Krönung der isländischen Reitkunst. Es ist ein Zweitakt-Lateralgang, bei dem die gleichseitigen Beinpaare (z.B. links vorne und links hinten) fast gleichzeitig auffußen, getrennt durch eine deutliche Schwebephase. Diese Bewegung erzeugt ein Gefühl des „Fliegens“ und ermöglicht extrem hohe Geschwindigkeiten auf kurzen Distanzen. Der Rennpass wird nicht als Dauer- oder Reisegangart geritten, sondern nur über kurze Strecken, typischerweise 100 bis 250 Meter. Er erfordert vom Pferd enorme Kraft, Koordination und einen explosiven Antritt, vom Reiter hingegen viel Erfahrung, Balance und ein exaktes Timing, um das Pferd korrekt in den Pass zu „legen“ und wieder herauszunehmen. Nicht alle Islandpferde verfügen über eine Veranlagung zum Rennpass. Pferde, die neben den Grundgangarten auch Tölt beherrschen, werden als „Viergänger“ bezeichnet. Diejenigen, die zusätzlich über Passveranlagung verfügen, nennt man „Fünfgänger“. Der Rennpass ist die ultimative Demonstration von Kraft und Geschwindigkeit und ein aufregendes Spektakel auf Turnieren.
Aufgrund ihres oft ruhigen und geduldigen Wesens sowie ihrer überschaubaren Größe werden Islandpferde häufig als ideale Anfängerpferde empfohlen. Diese pauschale Aussage bedarf jedoch einer Differenzierung. Es stimmt, dass viele gut ausgebildete Islandpferde, insbesondere ältere, erfahrene Wallache, wunderbare Lehrmeister für Reitanfänger und Kinder sind. Ihre Nervenstärke und Verlässlichkeit geben unsicheren Reitern die nötige Sicherheit, um Vertrauen aufzubauen. Die geringere Höhe erleichtert das Auf- und Absteigen und reduziert die Fallhöhe, was psychologisch ein großer Vorteil ist. Allerdings ist das Reiten der Spezialgangarten nicht selbsterklärend. Ein Anfänger ohne fachkundige Anleitung kann leicht den Tölt durch einen falschen Sitz oder unklare Hilfengebung stören oder unterdrücken. Zudem kann die bereits erwähnte Intelligenz der Pferde dazu führen, dass sie die Unsicherheiten eines Neulings erkennen und eigene Entscheidungen treffen. Daher ist die Kombination aus einem braven, gut ausgebildeten Pferd und einem qualifizierten Reitlehrer, der sich mit Gangpferden auskennt, die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in die Welt der Islandpferde.
Die einzigartigen Eigenschaften des Islandpferdes machen es auch zu einem wertvollen Partner im therapeutischen Reiten und in der Hippotherapie. Insbesondere der weiche, rhythmische Tölt hat sich als äußerst vorteilhaft erwiesen. Die dreidimensionalen Schwingungen, die vom Pferderücken auf den Reiter übertragen werden, ähneln dem menschlichen Gangmuster und können helfen, die Rumpfmuskulatur zu lockern, die Balance zu schulen und Spastiken zu lösen. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist diese erschütterungsfreie Bewegung eine Wohltat, da sie die Gelenke und die Wirbelsäule schont. Aber auch im Bereich der pferdegestützten Psychotherapie und Pädagogik leisten Islandpferde wertvolle Dienste. Ihr freundlicher, neugieriger und unvoreingenommener Charakter erleichtert den Aufbau einer emotionalen Verbindung. Ihre handliche Größe wirkt weniger einschüchternd als die eines Großpferdes, was besonders bei der Arbeit mit Kindern oder ängstlichen Personen hilft. Die Interaktion mit dem Pferd, das Pflegen und das Führen fördern Verantwortungsbewusstsein, Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen auf eine ganz besondere, nonverbale Weise.
Die Haltung eines Islandpferdes sollte sich so nah wie möglich an seinen natürlichen Lebensbedingungen orientieren. Diese Pferde sind für ein Leben in der Herde und unter freiem Himmel gemacht. Die mit Abstand artgerechteste Haltungsform ist daher der Offenstall oder die Robusthaltung in einer Gruppe. Ein Offenstall bietet den Pferden die Möglichkeit, sich jederzeit frei zwischen einem wettergeschützten Unterstand, einem befestigten Auslauf (Paddock) und idealerweise einer Weide zu bewegen. Diese ständige Bewegungsfreiheit ist essenziell für die körperliche und seelische Gesundheit der lauffreudigen Tiere. Sie fördert eine gesunde Verdauung, stärkt Sehnen und Gelenke und beugt Verhaltensstörungen wie Weben oder Koppen vor. Der soziale Kontakt in der Herde ist ebenso unverzichtbar. Pferde sind hochsoziale Tiere, die Interaktion, gegenseitige Fellpflege und gemeinsames Ruhen für ihr Wohlbefinden benötigen. Eine reine Boxenhaltung, selbst mit täglichem Weidegang, wird den Bedürfnissen eines Islandpferdes nicht gerecht und sollte vermieden werden. Dank ihres dichten Winterfells sind sie extrem wetterfest und benötigen keine Decken, solange sie einen trockenen und windgeschützten Platz zum Unterstellen haben.
Die Fütterung ist einer der heikelsten und wichtigsten Aspekte bei der Haltung von Islandpferden außerhalb Islands. Ihre Genetik ist auf ein karges, nährstoffarmes Futterangebot und lange Perioden der Futtersuche ausgelegt. Sie sind Meister der Futterverwertung, was man als „leichtfuttrig“ bezeichnet. Auf den zuckerreichen, üppigen Weiden Mitteleuropas besteht daher eine ständige Gefahr der Überfütterung. Die Folge sind gravierende Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS), eine Form der Insulinresistenz, und die gefürchtete Hufrehe, eine äußerst schmerzhafte Entzündung im Huf. Die Fütterung muss daher streng kontrolliert werden. Die Basis sollte immer qualitativ hochwertiges, aber zuckerarmes Heu sein. Eine Fütterung ad libitum (zur freien Verfügung) ist für die meisten Islandpferde nicht geeignet. Als Faustregel gilt eine Menge von etwa 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag. Der Weidegang muss oft stark eingeschränkt werden, entweder zeitlich (z.B. nur ein bis zwei Stunden täglich) oder durch den Einsatz einer Fressbremse, die die Grasaufnahme reduziert.
Eine bedarfsgerechte Mineralisierung ist ein weiterer entscheidender Baustein für die Gesundheit. Da Heu allein den Bedarf an Spurenelementen und Vitaminen oft nicht deckt, ist die Gabe eines hochwertigen Mineralfutters unerlässlich. Dabei sollte ein Produkt gewählt werden, das speziell auf die Bedürfnisse von Robustrassen zugeschnitten ist. Besonders wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Zink, Kupfer und Selen, da diese Elemente für ein starkes Immunsystem, gesunde Haut und Hufe von großer Bedeutung sind. Auf Kraftfutter in Form von Müsli oder Pellets kann bei den meisten Freizeit-Islandpferden komplett verzichtet werden. Nur bei Pferden, die im Sport sehr hohe Leistungen erbringen oder bei Zuchtstuten kann eine moderate Ergänzung sinnvoll sein. Hierbei sollte man jedoch auf getreidefreie oder stärke- und zuckerreduzierte Produkte zurückgreifen, um den Stoffwechsel nicht unnötig zu belasten. Eine regelmäßige Kontrolle des Futterzustandes durch Abtasten der Rippen ist unerlässlich, um Übergewicht frühzeitig zu erkennen und die Fütterung entsprechend anzupassen. Ein gesundes Islandpferd sollte schlank und gut bemuskelt sein, aber niemals fett.
⚠️ Fütterungs-Faustregel für Islandpferde: Heu ad libitum ist oft zu viel! Richte dich nach ca. 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht. Weidegang auf fetten Wiesen nur stundenweise oder mit Fressbremse, um Hufrehe und EMS vorzubeugen.
In ihrer Heimat Island gelten Islandpferde als außergewöhnlich robust und langlebig. Durch die jahrhundertelange natürliche Selektion unter harten Bedingungen und die Isolation von vielen weltweit verbreiteten Pferdekrankheiten haben sie ein starkes Immunsystem und eine robuste Konstitution entwickelt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Islandpferde ein Alter von 30 bis 35 Jahren erreichen und oft bis ins hohe Alter reitbar und fit bleiben. Ihre harten Hufe und stabilen Gelenke machen sie bei korrekter Aufzucht und langsamem Anreiten wenig anfällig für viele der typischen Verschleißerscheinungen, die man bei anderen Rassen kennt. Diese grundlegende Gesundheit ist ein großer Pluspunkt der Rasse. Verlässt das Islandpferd jedoch seine Heimatinsel, wird es mit einer völlig neuen Umwelt konfrontiert, die spezifische gesundheitliche Herausforderungen mit sich bringt. Die größten Risiken liegen hierbei nicht in ansteckenden Krankheiten, sondern in den Folgen der veränderten Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie dem Kontakt mit Allergenen, die in Island nicht vorkommen.
Die mit Abstand bekannteste und am weitesten verbreitete rassetypische Erkrankung bei importierten oder außerhalb Islands gezogenen Islandpferden ist das Sommerekzem. Hierbei handelt es sich um eine allergische Überreaktion auf den Speichel von bestimmten Stechmücken (Gnitzen der Gattung Culicoides). Da diese Mücken in Island nicht existieren, hat die Rasse keine evolutionäre Abwehr oder Toleranz gegen das Allergen entwickelt. Bei betroffenen Pferden führt der Stich der Mücken zu einem extrem starken Juckreiz, vor allem an Mähnenkamm, Schweifrübe, Bauchnaht und Gesicht. Die Pferde scheuern sich unaufhörlich, was zu offenen, blutigen Wunden, Haarausfall und verdickter Haut führt. Dies ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine erhebliche Belastung für das Wohlbefinden des Pferdes und eine enorme Herausforderung für den Besitzer. Das Management eines Ekzemers ist zeit- und kostenintensiv und erfordert eine lebenslange, konsequente Pflege. Die Veranlagung zum Sommerekzem ist genetisch bedingt, weshalb beim Kauf eines Islandpferdes der Ekzem-Status ein entscheidendes Kriterium ist.
Die wirksamste Vorbeugung gegen das Sommerekzem besteht darin, den Kontakt des Pferdes mit den auslösenden Mücken so weit wie möglich zu minimieren. Dies beginnt bereits bei der Wahl des Stallstandortes: Offene, windige Lagen sind besser geeignet als feuchte, windstille Gebiete in der Nähe von Gewässern, wo sich die Gnitzen stark vermehren. Die wichtigste Maßnahme ist der Einsatz von speziellen Ekzemerdecken. Diese Decken bestehen aus einem dichten, aber atmungsaktiven Funktionsstoff und bedecken das Pferd vom Kopf bis zum Schweif. Sie müssen während der gesamten Mückensaison, also von etwa März bis Oktober, rund um die Uhr getragen werden. Zusätzlich ist es ratsam, die Pferde während der Hauptflugzeiten der Gnitzen – in der Dämmerung am Morgen und am Abend – in einem geschützten Stall unterzubringen. Die Anwendung von wirksamen Insektenschutzmitteln (Repellents) an den unbedeckten Stellen kann den Schutz weiter verbessern. Beim Kauf eines Pferdes, insbesondere eines Direktimports aus Island, sollte man sich des hohen Risikos bewusst sein. Es ist ratsam, ein Pferd zu wählen, das bereits mehrere Sommer in einer mückenbelasteten Region ohne Symptome verbracht hat, oder gezielt nach Nachkommen von ekzemfreien Elterntieren zu suchen.
Ist ein Pferd bereits am Sommerekzem erkrankt, erfordert dies ein lebenslanges, intensives Management. Die oben genannten prophylaktischen Maßnahmen wie Decke und Aufstallung sind dann unerlässlich, um weitere Stiche und eine Verschlimmerung der Symptome zu verhindern. Die Hautpflege steht im Mittelpunkt der Behandlung. Die juckenden, oft offenen Stellen müssen täglich mit speziellen, pflegenden und juckreizstillenden Lotionen behandelt werden. Es ist wichtig, die Haut sauber und geschmeidig zu halten, um Sekundärinfektionen durch Bakterien oder Pilze zu vermeiden. Eine angepasste Fütterung kann das Hautbild unterstützen. Die Gabe von Zink, Omega-3-Fettsäuren und bestimmten Kräutern kann entzündungshemmend wirken und die Hautbarriere stärken. Dies ist jedoch nur eine unterstützende Maßnahme und keine Heilung. Die Pflege eines Ekzemers ist eine tägliche Verpflichtung, die viel Disziplin, Zeit und auch finanzielle Mittel erfordert. Potenzielle Käufer müssen sich ehrlich fragen, ob sie bereit und in der Lage sind, diesen Aufwand zu leisten, um dem Pferd ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.
Neben dem Sommerekzem ist die Veranlagung zu Stoffwechselproblemen die zweite große gesundheitliche Achillesferse des Islandpferdes. Ihre Leichtfuttrigkeit macht sie, wie bereits im Kapitel zur Fütterung beschrieben, extrem anfällig für Hufrehe und das Equine Metabolische Syndrom (EMS). Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut, die eine extrem schmerzhafte Verbindung zwischen Hufbein und Hufkapsel lockert. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Rotation oder Absenkung des Hufbeins führen und das Pferd unreitbar machen oder sogar tödlich enden. Auslöser ist häufig ein Übermaß an Fruktan, einem Zucker, der in Gras besonders im Frühjahr und Herbst reichlich vorhanden ist. EMS ist eine Stoffwechselstörung, die mit Fettleibigkeit, insbesondere an typischen Fettdepots am Mähnenkamm und an der Kruppe, und einer Insulinresistenz einhergeht. Pferde mit EMS haben ein massiv erhöhtes Hufreherisiko. Die einzige wirksame Vorbeugung gegen diese Krankheiten ist ein striktes und lebenslanges Management von Fütterung und Bewegung, das auf eine schlanke Körperkondition abzielt.
Ein weiterer wichtiger gesundheitlicher Aspekt ist die Tatsache, dass Islandpferde Spätentwickler sind. Obwohl sie mit drei oder vier Jahren bereits erwachsen aussehen mögen, ist ihr Skelettsystem erst im Alter von etwa sieben bis acht Jahren vollständig ausgereift. Die Wachstumsfugen der Knochen, insbesondere in der Wirbelsäule, schließen sich erst spät. Ein zu frühes Anreiten und eine zu schnelle Steigerung der Belastung können zu irreparablen Schäden am Bewegungsapparat führen, wie z.B. Spat (Arthrose im Sprunggelenk) oder Kissing Spines (sich berührende Dornfortsätze der Wirbelsäule). Die traditionelle isländische Methode, die Pferde erst mit vier oder fünf Jahren schonend anzureiten und ihnen danach immer wieder lange Pausen auf der Weide zu gönnen, ist der Schlüssel zu ihrer Langlebigkeit. Als verantwortungsbewusster Besitzer solltest du deinem Islandpferd die Zeit geben, die es braucht, um vollständig heranzuwachsen. Ein langsamer, geduldiger Aufbau über mehrere Jahre zahlt sich durch ein gesundes, belastbares und motiviertes Reitpferd aus, an dem du jahrzehntelang Freude haben wirst.
Die Zucht von Islandpferden ist international bestens organisiert und folgt klaren, einheitlichen Richtlinien. Der weltweite Dachverband ist die FEIF (International Federation of Icelandic Horse Associations), der die Zuchtziele und Prüfungsordnungen festlegt. In Deutschland ist der IPZV (Islandpferde-Reiter- und Züchterverband e.V.) der zuständige Mitgliedsverband. Das zentrale Instrument der Zucht ist die Materialprüfung, die sogenannte FIZO (von isländisch: Fullorðinshrossa dómur fyrir kynbótahross). Bei einer FIZO werden Zuchtpferde detailliert nach einem standardisierten System bewertet. Die Beurteilung umfasst zwei Hauptbereiche: das Exterieur (Gebäude) und die Reiteigenschaften. Beim Exterieur werden unter anderem Kopf, Hals, Rücken, Proportionen, Gliedmaßen und Hufe bewertet. Bei den Reiteigenschaften werden alle Gänge (Tölt, Trab, Schritt, Galopp und, falls vorhanden, Pass) unter dem Reiter beurteilt, ebenso wie der Charakter, der Gehwillen und die Form unter dem Reiter. Die Ergebnisse werden in einem Punktesystem festgehalten und ergeben eine Gesamtnote, die die Zuchtwertschätzung des Pferdes widerspiegelt. Dieses transparente System hilft Züchtern bei der Auswahl geeigneter Anpaarungen und Käufern bei der Einschätzung der Qualität und Veranlagung eines Pferdes.
Wenn du dich für den Kauf eines Islandpferdes entschieden hast, ist eine sorgfältige und ehrliche Vorbereitung der erste Schritt zum Erfolg. Definiere zunächst klar deine eigenen Wünsche und Fähigkeiten. Suchst du ein ruhiges, verlässliches Pferd für entspannte Ausritte (ein sogenannter „Viergänger“ könnte hier ideal sein)? Oder bist du ein ambitionierter Sportreiter, der ein Pferd mit viel Energie und Talent für Fünfgangprüfungen sucht? Sei ehrlich zu dir selbst, was dein Reitkönnen und deine verfügbare Zeit angeht. Wende dich an renommierte Züchter oder Verkaufsställe, die für ihre seriöse Beratung und transparente Haltung bekannt sind. Nimm dir Zeit, das Pferd deiner Wahl mehrmals zu besuchen. Beobachte es nicht nur unter dem Sattel, sondern auch im Umgang, beim Putzen und im Herdenverband. Ein Probereiten ist unerlässlich – am besten nicht nur auf dem Reitplatz, sondern auch im Gelände. Wenn möglich, lass einen erfahrenen Trainer oder Freund, der sich mit Islandpferden auskennt, einen Blick auf das Pferd werfen. Ein entscheidender Punkt ist die Durchführung einer Ankaufsuntersuchung (AKU) durch einen unabhängigen Tierarzt. Diese Untersuchung gibt Aufschluss über den aktuellen Gesundheitszustand und kann vor bösen Überraschungen schützen.
Die Preise für Islandpferde können stark variieren und hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu gehören Alter, Ausbildungsstand, Abstammung, Qualität der Gänge, eventuelle Turniererfolge und natürlich der Gesundheitszustand, insbesondere der Ekzem-Status. Als grobe Orientierung kann man sagen, dass die Preise für ein junges, gerade angerittenes Pferd aus guter Zucht bei etwa 6.000 bis 9.000 Euro beginnen. Ein solide ausgebildetes, zuverlässiges Freizeitpferd für die ganze Familie liegt preislich oft zwischen 10.000 und 18.000 Euro. Für ein hochtalentiertes Sportpferd mit FIZO-Beurteilung, das Potenzial für den gehobenen Turniersport hat, sind Preise von 20.000 Euro und deutlich darüber keine Seltenheit. Pferde, die als Ekzemer bekannt sind, werden oft günstiger angeboten, aber hier musst du die erheblichen Folgekosten und den hohen Pflegeaufwand einkalkulieren. Bedenke, dass der Kaufpreis nur der Anfang ist. Die laufenden Kosten für Haltung, Futter, Hufschmied, Tierarzt und Ausrüstung sind ein wesentlicher Faktor, der in deine Budgetplanung einfließen muss.
ℹ️ Kauf-Checkliste: 1. Passt das Temperament (Vilji) zu mir? 2. Ist der Ausbildungsstand passend? 3. Ekzem-Status: Ist das Pferd betroffen, frei oder ist das Risiko unbekannt? 4. Wurde eine Ankaufsuntersuchung (AKU) von einem unabhängigen Tierarzt durchgeführt? 5. Kann ich die Haltungs- und Fütterungsanforderungen erfüllen?
Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Gesundheitsfragen immer einen qualifizierten Arzt. Ändern Sie niemals eigenständig Ihre Medikation oder Behandlung.
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