Entdecke den Lusitano: Das barocke Juwel Portugals. Erfahre alles über Charakter, Haltung, Eignung und Kauf des edlen 'Sohn des Windes'.

Der Lusitano ist ein mittelgroßes Pferd mit einem Stockmaß von 155 bis 165 cm und einem Gewicht von etwa 500 kg. Sein Körperbau ist kompakt, quadratisch und gut bemuskelt, oft mit einem kräftigen, hoch aufgesetzten Hals und einem leicht konvexen Nasenprofil, dem sogenannten Ramskopf. Obwohl Schimmel am häufigsten sind, gibt es auch Braune, Füchse und Falben; besonders begehrt sind die selteneren Rappen. Charakteristisch sind zudem das üppige Langhaar und die ausdrucksvollen, mandelförmigen Augen.
Der Lusitano zeichnet sich durch seinen mutigen, intelligenten und menschenbezogenen Charakter aus. Er ist äußerst lernbereit und arbeitswillig, was ihn in Kombination mit seiner Sensibilität zu einem feinen Reitpferd macht. Bei fairer und konsequenter Behandlung baut er eine enge Bindung zu seinem Menschen auf und zeigt sich loyal und verlässlich. Seine angeborene Nervenstärke und Unerschrockenheit, historisch im Stierkampf geschult, machen ihn zu einem souveränen Partner in vielen Situationen.
Traditionell in der Hohen Schule der Dressur und der Working Equitation zu Hause, zeigt der Lusitano seine außergewöhnliche Versammlungsfähigkeit und Agilität. Aufgrund seiner Intelligenz und seines Mutes ist er ein vielseitiger Partner, der auch im anspruchsvollen Freizeitreiten, im Fahren oder sogar im leichten Springsport überzeugt. Wegen seiner Sensibilität und seines feurigen Temperaments ist er jedoch eher für fortgeschrittene und feinfühlige Reiter geeignet als für reine Anfänger. In der Therapie kann er bei entsprechender Ausbildung und unter erfahrener Führung eingesetzt werden.
Der Lusitano ist ein soziales und robustes Pferd, das eine Haltung mit viel freier Bewegung und Sozialkontakt zu Artgenossen benötigt. Eine Offenstallhaltung oder eine Boxenhaltung mit täglichem, mehrstündigem Weide- oder Paddockgang ist für sein körperliches und seelisches Gleichgewicht unerlässlich. In der Herde zeigt er sich meist unkompliziert und sozialverträglich. Er ist anpassungsfähig an verschiedene Klimabedingungen, solange ein trockener und zugfreier Unterstand zur Verfügung steht.
Lusitanos gelten als eine langlebige und robuste Rasse mit einer Lebenserwartung von 25 bis 30 Jahren. Rassetypische Erkrankungen sind selten, jedoch neigen Schimmel im Alter zur Bildung von Melanomen, und ihre Haut kann empfindlich sein. Eine sorgfältige Vorsorge durch angepasste, nicht zu reichhaltige Fütterung zur Vermeidung von Übergewicht, regelmäßige Hufpflege und tierärztliche Kontrollen ist entscheidend für ein langes und gesundes Pferdeleben.
Der Lusitano stammt von der Iberischen Halbinsel und zählt zu den ältesten Pferderassen Europas, mit einer Geschichte, die eng mit der des spanischen Andalusiers verknüpft ist. Ursprünglich als mutiges Kriegspferd und für den berittenen Stierkampf gezüchtet, wurde er später zum bevorzugten Reitpferd des europäischen Adels. Heute wird die Reinzucht durch die portugiesische APSL (Associação Portuguesa de Criadores do Cavalo Puro Sangue Lusitano) überwacht, und der Lusitano wird weltweit für seine Eignung in der Hohen Dressur und der Working Equitation geschätzt.
Die Geschichte des Lusitanos ist so alt, feurig und faszinierend wie die Iberische Halbinsel selbst. Seine Wurzeln reichen Tausende von Jahren zurück und sind untrennbar mit der Kultur, den Kriegen und den Traditionen Portugals verwoben. Als eines der ältesten Reitpferde der Welt teilt der Lusitano seine direkten Vorfahren mit dem eng verwandten Pura Raza Española (PRE) aus Spanien. Beide Rassen stammen vom legendären Iberischen Pferd ab, das schon in der Antike für seinen Mut, seine Wendigkeit und seine Eleganz berühmt war. Historiker und Züchter vermuten, dass der einheimische Sorraia-Pony-Typ, ein robustes und widerstandsfähiges Urpferd der Region, durch die Einkreuzung von Berberpferden veredelt wurde, die mit den Mauren über die Straße von Gibraltar kamen. Diese Verschmelzung schuf ein Pferd von unvergleichlicher Qualität, das von den Römern als das beste Reitpferd ihrer Zeit gepriesen wurde. Die antike Legende, sie seien von Zephyr, dem Westwind, gezeugt worden, brachte ihnen den poetischen Beinamen „Söhne des Windes“ ein – eine Hommage an ihre unglaubliche Schnelligkeit und Leichtfüßigkeit, die sie auf den Schlachtfeldern und in den Arenen unersetzlich machten.
Obwohl Lusitanos und PREs jahrhundertelang als eine einzige iberische Rasse galten, führte die Entwicklung unterschiedlicher Zuchtziele im 20. Jahrhundert zur formalen Trennung. Der entscheidende Wendepunkt kam 1967 mit der Gründung des portugiesischen Zuchtbuchs, der „Associação Portuguesa de Criadores do Cavalo Puro Sangue Lusitano“ (APSL). Während in Spanien der Fokus zunehmend auf ein quadratisches, barockes Erscheinungsbild und spektakuläre Gänge für die Hohe Schule und Morphologie-Wettbewerbe gelegt wurde, verfolgten die portugiesischen Züchter ein anderes Ideal. Ihr Zuchtziel blieb stark von der traditionellen Verwendung im Stierkampf zu Pferde, dem „Rejoneo“, geprägt. Für diese anspruchsvolle Disziplin waren nicht nur Mut und Nervenstärke, sondern auch extreme Wendigkeit, Antrittsschnelligkeit und ein unbedingter Vorwärtsdrang gefragt. Ein Pferd, das im Angesicht des Stiers zögert, wäre eine Lebensgefahr für seinen Reiter. Diese funktionale Selektion führte zu einem Pferd, das oft als etwas agiler, reaktionsschneller und mit mehr „Go“ oder „Fogo“ (Feuer) ausgestattet ist als sein spanischer Vetter. Diese Eigenschaften machen den Lusitano zu einem einzigartigen Athleten.
In der modernen Zeit hat der Lusitano eine beeindruckende Transformation von einem nationalen Kulturgut und Stierkampfpferd zu einem weltweit gefeierten Sport- und Freizeitpartner durchlaufen. Während er in Portugal nach wie vor das Pferd der Wahl für den Stierkampf und die traditionelle Arbeitsreitweise ist, hat seine unglaubliche Vielseitigkeit ihm die Türen zu den internationalen Dressurvierecken, Working-Equitation-Parcours und den Herzen anspruchsvoller Freizeitreiter geöffnet. Berühmte Zuchtlinien wie Veiga, Andrade und Coudelaria Nacional haben maßgeblich zur Bewahrung und Weiterentwicklung der rassetypischen Merkmale beigetragen und gleichzeitig den Weg für den modernen Sporteinsatz geebnet. Heute findet man Lusitanos auf höchstem Niveau im Dressursport, wo sie mit ihrer natürlichen Versammlungsfähigkeit und Ausdrucksstärke begeistern, und sie dominieren die Disziplin der Working Equitation. Ihre Intelligenz, Menschenbezogenheit und barocke Schönheit machen sie zu einem Traumpartner für Reiter, die eine tiefe, partnerschaftliche Beziehung zu ihrem Pferd suchen und die Herausforderung eines sensiblen, feurigen Charakters zu schätzen wissen.
Das Erscheinungsbild des Lusitanos ist eine meisterhafte Komposition aus Kraft, Eleganz und barocker Pracht. Er ist ein mittelgroßes, harmonisch gebautes Pferd, das auf den ersten Blick einen kompakten und muskulösen Eindruck hinterlässt, ohne dabei an Adel und Leichtigkeit zu verlieren. Ein markantes und für die Rasse typisches Merkmal ist das Kopfprofil. Während bei vielen anderen Rassen ein gerades oder konkaves Profil (Hechtkopf) bevorzugt wird, ist beim Lusitano ein leicht konvexes Profil, der sogenannte „Ramskopf“ oder die „Ramsnase“, ausdrücklich erwünscht und gilt als Zeichen von Adel und Rassetyp. Dieser edle Kopf wird von großen, mandelförmigen und ausdrucksstarken Augen dominiert, die eine bemerkenswerte Intelligenz und Sanftmut ausstrahlen. Getragen wird der Kopf von einem kräftigen, muskulösen und wunderschön geschwungenen Hals, der hoch aus der Schulter aufgesetzt ist. Diese „hirschartige“ Halsung verleiht dem Lusitano seine majestätische Aufrichtung und ist eine funktionale Voraussetzung für die hohe Versammlungsfähigkeit, die ihn in der Dressur und der Hohen Schule auszeichnet. Das Gesamtbild ist das eines stolzen, charismatischen Pferdes, das Kraft und Anmut perfekt vereint.
Im Detail betrachtet offenbart der Körperbau des Lusitanos seine funktionale Perfektion. Das Stockmaß, also die Höhe vom Boden bis zum höchsten Punkt des Widerrists, liegt typischerweise zwischen 155 cm und 165 cm, wobei das Gewicht je nach Typ und Trainingszustand um die 500 kg schwankt. Der Lusitano ist eher ein quadratischer als ein rechteckiger Pferdetyp, was durch seinen kurzen, aber tragfähigen und starken Rücken unterstrichen wird. Die Kruppe ist leicht abfallend, breit und sehr muskulös – sie ist der Motor, der die explosive Kraft für schnelle Wendungen und die Fähigkeit zur Lastaufnahme auf der Hinterhand liefert. Diese Eigenschaft ermöglicht die für die Rasse so typische Leichtigkeit in Lektionen wie Piaffe und Passage. Die Gliedmaßen sind trocken und korrekt, mit gut definierten Gelenken und einer starken Knochenstruktur. Ein gutes Maß für die Stärke des Fundaments ist der Röhrbeinumfang (der Umfang des Röhrbeins unterhalb des Vorderfußwurzelgelenks), der im Verhältnis zur Größe des Pferdes substanzvoll sein sollte. Die gesamte Konstruktion des Pferdes zielt auf eine natürliche Bergauf-Tendenz ab, die es ihm erleichtert, sich unter dem Reiter zu versammeln und mit beeindruckender Leichtigkeit zu bewegen.
Die Farbpalette des Lusitanos ist vielfältig, obwohl eine Farbe historisch und auch heute noch dominiert: der Schimmel. Graue Pferde in allen Schattierungen, vom Apfelschimmel bis zum fast reinweißen Ausschimmeler, sind am häufigsten anzutreffen. Dicht gefolgt werden sie von Braunen in allen Variationen. Füchse sind ebenfalls verbreitet. In den letzten Jahrzehnten erfreuen sich jedoch auch die Sonderfarben, die durch das Cream-Gen hervorgerufen werden, wachsender Beliebtheit. Dazu gehören Palominos (Isabellen), Falben (Buckskins) und seltener auch Cremellos. Diese Farben waren historisch schon immer im Genpool vorhanden und werden heute von spezialisierten Züchtern gezielt gefördert. Ein weiteres, unverwechselbares Markenzeichen des Lusitanos ist sein üppiges Langhaar. Eine volle, oft wellige oder lockige Mähne und ein dichter, tief angesetzter Schweif unterstreichen das barocke und romantische Erscheinungsbild dieser edlen Rasse. Das Fell ist meist fein und seidig, was die darunterliegende Muskulatur gut zur Geltung bringt und dem Pferd einen edlen Glanz verleiht.
Der Charakter des Lusitanos ist vielleicht sein faszinierendstes Merkmal und wird oft als eine dualistische Natur beschrieben: Unter dem Sattel zeigt er einen feurigen Geist, Mut und einen unbändigen Vorwärtsdrang, während er im Umgang am Boden eine bemerkenswerte Sanftmut, Menschenbezogenheit und Sensibilität an den Tag legt. Dieses Zusammenspiel aus „Fogo“ (Feuer) und Kooperationsbereitschaft macht ihn zu einem außergewöhnlichen Partner, stellt aber auch hohe Anforderungen an seinen Menschen. Ein Lusitano bindet sich in der Regel sehr eng an seine Bezugsperson und entwickelt eine tiefe, fast intuitive Verbindung. Er möchte seinem Reiter gefallen und alles für ihn geben, aber er erwartet im Gegenzug Fairness, Klarheit und eine ruhige, konsequente Führung. Grobheit, Ungeduld oder laute Worte verunsichern ihn zutiefst und können sein Vertrauen nachhaltig erschüttern. Er ist kein Befehlsempfänger, sondern ein Partner, der mitdenkt und eine Beziehung auf Augenhöhe sucht. Wer bereit ist, sich auf diese sensible Kommunikation einzulassen, wird mit einer Loyalität und Leistungsbereitschaft belohnt, die ihresgleichen sucht.
Die hohe Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe des Lusitanos sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits lernt er neue Lektionen und Aufgaben oft spielerisch und in beeindruckendem Tempo. Er liebt mentale Herausforderungen und abwechslungsreiches Training, das ihn fordert, aber nicht überfordert. Monotonie und stupides Wiederholen langweilen ihn schnell und können zu Unwillen oder dem Entwickeln von Unarten führen. Andererseits bedeutet seine Klugheit auch, dass er Inkonsequenzen im Training oder Schwächen des Reiters sofort erkennt und für sich zu nutzen weiß. Er lernt schlechte Angewohnheiten genauso schnell wie gute. Ein Lusitano hinterfragt die Hilfen seines Reiters – nicht aus Widersetzlichkeit, sondern weil er verstehen möchte, was von ihm verlangt wird. Eine unklare oder widersprüchliche Hilfengebung frustriert ihn. Daher ist es für den Reiter unerlässlich, an der eigenen Körperbeherrschung, dem Sitz und der Feinheit der Einwirkung zu arbeiten. Ein Lusitano spiegelt die Fähigkeiten und die innere Haltung seines Reiters wider und wird so zu einem unbestechlichen Lehrmeister, der einen zu einem besseren und gefühlvolleren Reiter macht.
Im Vergleich zu seinem spanischen Verwandten, dem PRE, wird dem Lusitano oft ein ausgeprägteres „Go“ zugeschrieben. Dieses angeborene Vorwärtsdenken ist ein direktes Erbe seiner Vergangenheit als Stierkampfpferd, wo Zögern oder mangelnder Mut fatale Folgen gehabt hätten. Für den Reiter bedeutet dies, dass er stets ein waches, aufmerksames und leistungsbereites Pferd unter sich hat, das auf feinste Signale reagiert. Ein Gedanke, eine leichte Gewichtsverlagerung oder ein kaum sichtbares Anspannen der Wadenmuskulatur genügen oft, um eine Reaktion hervorzurufen. Diese extreme Sensibilität ist für fortgeschrittene Reiter, die eine feine und präzise Kommunikation schätzen, ein wahrer Genuss. Sie ermöglicht ein Reiten in höchster Harmonie und Leichtigkeit. Für unsichere oder ängstliche Reiter kann dieses hohe Maß an Reaktionsfähigkeit jedoch schnell überfordernd sein. Ein Lusitano spürt die Unsicherheit seines Reiters sofort, was ihn selbst verunsichern kann. Daher ist es entscheidend, dass der Reiter die nötige Ruhe, das Selbstvertrauen und einen ausbalancierten, unabhängigen Sitz mitbringt, um diesem sensiblen Athleten die Sicherheit zu geben, die er braucht, um sein volles Potenzial zu entfalten.
Die natürliche Veranlagung des Lusitanos macht ihn zu einem Star in der Welt der Dressur, insbesondere in der klassischen und barocken Reitkunst. Sein Exterieur ist geradezu prädestiniert für die anspruchsvollen Lektionen der Hohen Schule. Der hoch aufgesetzte Hals, der kurze, starke Rücken und die kräftige, leicht abfallende Kruppe ermöglichen ihm eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Versammlung. Lektionen, die ein hohes Maß an Lastaufnahme auf der Hinterhand erfordern, wie Piaffe, Passage und Pirouetten, scheinen ihm oft angeboren zu sein. Er zeigt dabei eine Leichtigkeit und Ausdrucksstärke, die das Herz jedes Dressurliebhabers höherschlagen lässt. In den letzten Jahren hat der Lusitano jedoch auch bewiesen, dass er weit mehr ist als nur ein Pferd für barocke Showauftritte. Immer mehr Lusitanos etablieren sich erfolgreich im internationalen, modernen Turnierdressursport und konkurrieren auf Grand-Prix-Niveau. Sie beweisen, dass ihre Wendigkeit und Versammlungsfähigkeit, gepaart mit einem verbesserten Raumgriff in den Verstärkungen, sie zu ernstzunehmenden Konkurrenten für die etablierten Warmblutrassen machen. Ihre Intelligenz und ihr Wille zur Mitarbeit machen das Training zu einer Freude, vorausgesetzt, es wird fair und abwechslungsreich gestaltet.
Während die Dressur eine Paradedisziplin ist, gibt es einen Bereich, in dem der Lusitano unangefochten regiert: die Working Equitation. Diese vielseitige Disziplin, die aus der traditionellen Arbeitsreitweise der südeuropäischen Länder entstanden ist, spielt alle Stärken des Lusitanos aus. Sie besteht aus vier Teilen: einer Dressuraufgabe, einem Stil-Trail (Geschicklichkeitsparcours), einem Speed-Trail und in höheren Klassen der Rinderarbeit. Hier kann der Lusitano seine Intelligenz, seinen Mut, seine extreme Wendigkeit, seine Schnelligkeit und seinen Gehorsam voll unter Beweis stellen. Er meistert die anspruchsvollen Hindernisse mit einer Mischung aus Gelassenheit und Präzision und explodiert im Speed-Trail förmlich vor Energie. Es ist kein Zufall, dass die internationalen Championate der Working Equitation seit Jahren von portugiesischen Reitern auf ihren Lusitanos dominiert werden. Über diese Spezialdisziplinen hinaus ist der Lusitano aber auch ein fantastischer Partner für den anspruchsvollen Freizeitreiter. Seine Nervenstärke und Trittsicherheit machen ihn, bei entsprechender Ausbildung, zu einem verlässlichen Begleiter im Gelände. Auch in der Zirzensik, im Showreiten und sogar im Fahren findet man immer wieder talentierte Vertreter dieser Rasse.
Die Frage, ob ein Lusitano für Anfänger geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten und erfordert eine differenzierte Betrachtung. Aufgrund seiner bereits beschriebenen Sensibilität, Intelligenz und seines Vorwärtsdrangs wird er im Allgemeinen nicht als typisches Anfängerpferd empfohlen. Ein unerfahrener oder ängstlicher Reiter könnte die feinen Signale des Pferdes missverstehen oder von seiner Reaktionsschnelligkeit überfordert sein, was zu einem Teufelskreis aus Unsicherheit auf beiden Seiten führen kann. Ein junger, unausgebildeter Lusitano in den Händen eines Anfängers ist definitiv keine gute Kombination. Jedoch kann ein bereits älterer, gut ausgebildeter und im Charakter gefestigter Lusitano mit einem ruhigen Temperament ein wunderbarer Lehrmeister für einen ambitionierten Amateur sein, der bereit ist, dazuzulernen. Unter der Anleitung eines qualifizierten Trainers kann ein solcher Lusitano dem Reiter die Prinzipien der feinen Reitweise und eines ausbalancierten Sitzes auf höchstem Niveau vermitteln. Die Eignung hängt also weniger von der Rasse an sich ab, als vielmehr vom individuellen Charakter und Ausbildungsstand des Pferdes sowie von der Einstellung, dem Können und der Lernbereitschaft des Reiters.
Die Haltung und Fütterung eines Lusitanos erfordern ein besonderes Augenmerk auf seine mediterrane Herkunft und seine intelligenten, sozialen Wesenszüge. Diese Pferde sind nicht dafür gemacht, 23 Stunden am Tag isoliert in einer Box zu stehen. Eine solche Haltung wäre für ihre sensible Psyche und ihren Bewegungsdrang pures Gift und führt nicht selten zu Verhaltensstörungen wie Weben, Koppen oder Aggressivität. Der Lusitano ist ein Herdentier, das den Kontakt zu Artgenossen für sein seelisches Gleichgewicht dringend benötigt. Die ideale Haltungsform ist daher ein gut gemanagter Offenstall oder ein Paddock-Trail-System, das ihm freie Bewegung rund um die Uhr und die Möglichkeit zu sozialer Interaktion bietet. Dies kommt nicht nur seinem mentalen Wohlbefinden zugute, sondern stärkt auch Sehnen, Bänder und das gesamte Herz-Kreislauf-System. Wenn eine Boxenhaltung unumgänglich ist, muss für täglichen, mehrstündigen Auslauf in einer Gruppe auf einer ausreichend großen Koppel oder einem Paddock gesorgt werden. Ein reiner Paddock ohne Beschäftigungsmöglichkeiten reicht dabei oft nicht aus, um den klugen Kopf des Lusitanos auszulasten.
Bei der Gestaltung des Lebensraums für einen Lusitano musst du seine sozialen Bedürfnisse und seine körperlichen Anforderungen in Einklang bringen. Als hochsoziale Tiere leiden sie unter Einsamkeit und Isolation. Die Interaktion mit Artgenossen, das gegenseitige Kraulen, das gemeinsame Dösen in der Sonne oder das spielerische Kräftemessen sind elementare Bestandteile ihres natürlichen Verhaltensrepertoires. Eine Gruppenhaltung fördert ein ausgeglichenes Wesen und beugt Stress vor. Gleichzeitig ist der Lusitano ein athletisches Pferd, das für Bewegung geschaffen ist. Ein Haltungssystem, das ihn zur Bewegung animiert, ist daher optimal. Ein Paddock-Trail, der Futter, Wasser und Liegeflächen an verschiedenen Stellen anbietet, ist eine hervorragende Möglichkeit, den natürlichen Erkundungs- und Bewegungsdrang zu befriedigen. Wichtig ist dabei immer ein trockener, sauberer und windgeschützter Unterstand, in den sich die Pferde jederzeit zurückziehen können. Auch wenn sie robust sind, sind sie keine nordischen Ponys und schätzen einen komfortablen Liegebereich, der dick mit Stroh oder einer anderen geeigneten Einstreu ausgelegt ist.
Seine Herkunft von der warmen und trockenen Iberischen Halbinsel prägt auch die Ansprüche des Lusitanos an sein Umfeld in unseren oft kühleren und feuchteren Breitengraden. Er ist von Natur aus gut an Hitze angepasst, kann aber empfindlich auf nasskaltes Wetter und Dauerregen reagieren. Besonders im Winter, wenn die Pferde geschoren sind, um beim Training nicht übermäßig zu schwitzen, ist eine hochwertige, atmungsaktive und wasserdichte Decke unerlässlich, um Erkältungen und Muskelverspannungen vorzubeugen. Auch ungeschorene Pferde können bei extremer Kälte oder nasskaltem Wind von einem guten Regenschutz profitieren. Ein besonderes Augenmerk solltest du auf die Hufe legen. Lusitanos haben oft harte, widerstandsfähige Hufe, die aber für trockene, feste Böden gemacht sind. Langes Stehen in tiefem Matsch kann zu Hufproblemen wie Strahlfäule führen. Ein gut drainierter Paddock und saubere, trockene Liegeflächen sind daher von entscheidender Bedeutung für die Hufgesundheit. Eine regelmäßige und fachkundige Hufbearbeitung durch einen erfahrenen Schmied oder Hufpfleger ist selbstverständlich eine Grundvoraussetzung.
Die Fütterung des Lusitanos ist ein Kapitel für sich und erfordert viel Fingerspitzengefühl. Die Rasse gilt als ausgesprochen „leichtfuttrig“. Das bedeutet, sie hat einen sehr effizienten Stoffwechsel und kann Nährstoffe aus karger Nahrung hervorragend verwerten – eine evolutionäre Anpassung an die spärliche Vegetation ihrer portugiesischen Heimat. Diese Eigenschaft wird in unseren Breiten mit energiereichem Gras und Kraftfutter schnell zur Herausforderung. Die größte Gefahr für einen Lusitano ist die Überfütterung. Zu viel Zucker und Stärke aus Getreide oder fruktanreichem Weidegras können zu schweren Stoffwechselerkrankungen wie dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), Insulinresistenz und der gefürchteten Hufrehe führen. Die absolute Grundlage der Fütterung muss daher immer qualitativ hochwertiges Raufutter, also Heu, sein. Als Faustregel gilt eine Menge von mindestens 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag. Um die Fresszeiten zu verlängern und den Verdauungstrakt gesund zu halten, ist die Fütterung aus engmaschigen Heunetzen oder Raufen ideal.
Obwohl Lusitanos leichtfuttrig sind, haben sie, insbesondere wenn sie im sportlichen Training stehen, einen erhöhten Bedarf an Energie, Protein für den Muskelaufbau und essenziellen Mineralstoffen. Diesen Bedarf sollte man jedoch nicht unbedacht mit großen Mengen an hafer- oder maisbasiertem Kraftfutter decken. Besser geeignet sind stärke- und zuckerreduzierte Futtermittel auf Faserbasis, wie zum Beispiel unmelassierte Rübenschnitzel, Heucobs oder spezielle Müslis für barocke Pferderassen. Hochwertige Öle (z.B. Leinöl) können als sichere Energiequelle dienen, ohne den Zuckerstoffwechsel zu belasten. Eine bedarfsgerechte Mineralisierung ist absolut entscheidend für die Gesundheit, das Immunsystem, die Hufqualität und ein glänzendes Fell. Da Heu allein den Bedarf an Spurenelementen wie Zink, Kupfer und Selen meist nicht deckt, ist die Gabe eines hochwertigen Mineralfutters unerlässlich. Idealerweise lässt du dein Heu analysieren, um die Fütterung exakt auf die Inhaltsstoffe abzustimmen und eine Über- oder Unterversorgung zu vermeiden. Die Konsultation eines unabhängigen Futterberaters kann hier Gold wert sein, um einen maßgeschneiderten Futterplan für deinen individuellen Lusitano zu erstellen.
Grundsätzlich gilt der Lusitano als eine sehr robuste, langlebige und gesunde Pferderasse. Seine lange Geschichte als Arbeits- und Kriegspferd, in der nur die härtesten und widerstandsfähigsten Tiere zur Zucht kamen, hat ein solides genetisches Fundament geschaffen. Viele Lusitanos erfreuen sich bis ins hohe Alter bester Gesundheit und zeichnen sich durch eine starke Konstitution, widerstandsfähige Hufe und ein gutes Immunsystem aus. Diese natürliche Robustheit entbindet dich als Besitzer jedoch nicht von der Verantwortung für ein sorgfältiges Gesundheitsmanagement. Regelmäßige Impfungen, strategische Wurmkuren nach vorheriger Kotprobenuntersuchung, jährliche Zahnkontrollen durch einen spezialisierten Pferdedentalpraktiker und eine professionelle Hufpflege sind die unverzichtbaren Säulen der Gesundheitsvorsorge. Ein aufmerksamer Blick auf das tägliche Verhalten, den Appetit und den Allgemeinzustand deines Pferdes hilft dir, eventuelle Probleme frühzeitig zu erkennen, denn auch der stärkste Lusitano ist nicht vor Krankheiten gefeit.
Trotz ihrer allgemeinen Robustheit gibt es einige gesundheitliche Aspekte, bei denen Lusitanos eine gewisse Veranlagung zeigen können. Ihre barocke Statur mit dem kurzen, kräftigen Rücken kann bei unsachgemäßem Training zu Problemen führen. Wenn das Pferd nicht korrekt über den Rücken gearbeitet wird und lernt, mit aktiver Bauchmuskulatur die Hinterhand unter den Schwerpunkt zu bringen, kann es zu Verspannungen und auf lange Sicht zu Schäden an der Wirbelsäule, wie zum Beispiel „Kissing Spines“, kommen. Die bereits erwähnte Leichtfuttrigkeit macht sie zudem anfällig für Wohlstandskrankheiten. Ein unkontrollierter Zugang zu zuckerreichem Gras und eine übermäßige Kraftfuttergabe können schnell zu Übergewicht und in der Folge zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) und Hufrehe führen. Eine weitere Auffälligkeit, die insbesondere bei Schimmeln auftritt, sind Melanome. Dabei handelt es sich um Hauttumore, die oft im Bereich des Schweifansatzes, des Afters oder der Genitalien auftreten. In vielen Fällen sind sie gutartig und wachsen langsam, sollten aber immer von einem Tierarzt regelmäßig kontrolliert werden, da sie in seltenen Fällen auch bösartig werden oder durch ihre Größe mechanische Probleme verursachen können.
Die beste Medizin ist die Vorbeugung. Ein durchdachtes Management ist der Schlüssel zu einem langen und gesunden Pferdeleben. Die wichtigste präventive Maßnahme gegen Stoffwechselerkrankungen ist eine strikt an den Bedarf angepasste, zucker- und stärkearme Fütterung sowie ausreichend Bewegung. Regelmäßiges Training hält nicht nur den Stoffwechsel in Schwung, sondern stärkt auch die Muskulatur, die wiederum die Gelenke und die Wirbelsäule stützt und schützt. Beim Kauf eines Lusitanos ist eine umfassende Ankaufsuntersuchung (AKU) durch einen unabhängigen, pferdeerfahrenen Tierarzt absolut unerlässlich. Diese sollte nicht nur eine klinische Untersuchung umfassen, sondern auch einen kompletten Satz Röntgenbilder der Beine und idealerweise auch des Rückens und des Halses. So können potenzielle Risiken wie Gelenkveränderungen (z.B. Arthrose, Chips) oder eben Kissing Spines frühzeitig erkannt werden. Bei manchen Blutlinien kann auch ein Gentest auf PSSM1 (Polysaccharid-Speicher-Myopathie), eine Muskelerkrankung, sinnvoll sein, auch wenn diese beim Lusitano seltener vorkommt als bei anderen Rassen. Eine solche Investition in die Diagnostik vor dem Kauf kann dir später viel Kummer und hohe Tierarztkosten ersparen.
Wenn du dich entschieden hast, dass ein Lusitano dein zukünftiger Partner werden soll, beginnt eine aufregende, aber auch anspruchsvolle Suche. Der Kauf eines solchen besonderen Pferdes sollte gut überlegt und sorgfältig geplant sein. Es geht nicht nur darum, ein schönes Pferd zu finden, sondern einen Partner, dessen Charakter, Ausbildungsstand und Temperament zu deinen Fähigkeiten und Zielen passen. Der erste Schritt auf diesem Weg ist das Verständnis für die offizielle Zuchtstruktur und die Bedeutung von korrekten Papieren. Nur ein Pferd mit einer nachgewiesenen, reinen Abstammung ist ein echter „Puro Sangue Lusitano“ (PSL). Die Auseinandersetzung mit Zuchtverbänden, Blutlinien und seriösen Züchtern ist daher die Grundlage für eine erfolgreiche Suche. Gleichzeitig musst du dir selbstkritisch die Frage stellen, was du einem solchen Pferd bieten kannst und welche Erwartungen du hast. Ein ehrlicher Blick auf die eigenen Fähigkeiten und Ziele ist der beste Kompass auf der Suche nach dem Traumpferd.
Das offizielle und weltweit einzige anerkannte Zuchtbuch für den Puro Sangue Lusitano wird in Portugal von der „Associação Portuguesa de Criadores do Cavalo Puro Sangue Lusitano“ (APSL) geführt. Jedes reinrassige Lusitano-Fohlen wird dort registriert und erhält einen Pass mit einem Abstammungsnachweis. In Deutschland agiert der Cavalo Lusitano e.V. Germany als offizieller Partnerverband der APSL. Wenn du einen echten Lusitano kaufen möchtest, ist es von entscheidender Bedeutung, auf diese offiziellen Papiere zu achten. Ein Pferd ohne APSL-Papiere, auch wenn es äußerlich wie ein Lusitano aussieht, gilt nicht als reinrassig und ist von der offiziellen Zucht ausgeschlossen. Diese Papiere sind nicht nur ein Garant für die Reinheit der Rasse, sondern ermöglichen es dir auch, die Abstammung deines Pferdes über Generationen zurückzuverfolgen und mehr über seine genetische Veranlagung zu erfahren. Seriöse Züchter und Verkäufer werden dir diese Dokumente unaufgefordert vorlegen und alle Fragen dazu beantworten.
Innerhalb der Lusitano-Zucht haben sich über die Jahrzehnte verschiedene Blutlinien etabliert, die jeweils für bestimmte Merkmale und Eigenschaften bekannt sind. Ein grundlegendes Verständnis dieser Linien kann dir bei der Auswahl deines Pferdes enorm helfen. Die wohl berühmteste Linie ist die Veiga-Linie. Pferde aus dieser Zucht sind bekannt für ihren extremen Mut, ihre Schnelligkeit und ihr feuriges Temperament. Sie sind oft etwas kleiner und kompakter und gelten als die idealen Pferde für den Stierkampf und die Working Equitation. Die Andrade-Linie hingegen bringt oft größere, substanzvollere Pferde mit hervorragenden Gängen und einem etwas ruhigeren Gemüt hervor, was sie besonders für die Dressur interessant macht. Eine weitere wichtige Linie ist die der Coudelaria Nacional, des portugiesischen Nationalgestüts, die für sehr typvolle, harmonische und korrekte Pferde bekannt ist. Viele moderne Lusitanos sind eine Kombination aus diesen und anderen Linien. Ein guter Züchter kennt die Eigenschaften seiner Zuchttiere und deren Vorfahren genau und kann dich beraten, welche Anpaarung am besten zu deinen Wünschen passt.
Der wichtigste Faktor beim Pferdekauf ist das „Matching“ – die Passung zwischen Pferd und Reiter. Sei bei deiner Suche absolut ehrlich zu dir selbst. Was sind deine reiterlichen Fähigkeiten? Was sind deine Ziele – möchtest du im Dressurviereck glänzen, Working Equitation reiten oder einen verlässlichen Partner für Ausritte? Wie viel Zeit und Erfahrung kannst du in die Ausbildung eines jungen Pferdes investieren? So schön ein junger, roher Lusitano auch sein mag, für einen weniger erfahrenen Reiter ist ein bereits gut ausgebildetes, charakterlich gefestigtes Pferd ab etwa sechs oder sieben Jahren oft die weisere und sicherere Wahl. Nimm dir Zeit bei der Suche. Besuche verschiedene Züchter und Verkaufsställe. Beobachte das Pferd nicht nur unter dem Sattel, sondern auch im Stall, auf der Weide und im Umgang. Wie verhält es sich gegenüber Menschen und anderen Pferden? Ist es neugierig und aufgeschlossen oder eher ängstlich und zurückhaltend? Reite das Pferd deiner Wahl wenn möglich mehrmals und bitte darum, es auch einmal in einer fremden Umgebung (z.B. auf einem anderen Reitplatz) reiten zu dürfen, um seine Nervenstärke zu testen.
Die Preisspanne für Lusitanos ist enorm und hängt von vielen Faktoren wie Abstammung, Alter, Ausbildungsstand, Geschlecht und natürlich der Qualität des Pferdes ab. Als grobe Orientierung kannst du davon ausgehen, dass die Preise für ein vielversprechendes, aber rohes Jungpferd von einem seriösen Züchter bei etwa 8.000 bis 12.000 Euro beginnen. Ein solide ausgebildetes Freizeitpferd mit guter Grundausbildung liegt oft im Bereich von 15.000 bis 25.000 Euro. Für Pferde, die bereits auf hohem Niveau in der Dressur oder Working Equitation ausgebildet sind und vielleicht schon Turniererfolge vorweisen können, sind Preise von 30.000 bis 50.000 Euro und weit darüber keine Seltenheit. Unabhängig vom Kaufpreis ist eine umfassende Ankaufsuntersuchung (AKU) durch einen Tierarzt deines Vertrauens nicht verhandelbar. Bestehe auf einem „großen TÜV“ mit einem vollständigen Satz digitaler Röntgenbilder. Diese Investition von einigen hundert Euro ist deine beste Versicherung gegen böse und kostspielige Überraschungen und gibt dir Sicherheit bei deiner Entscheidung. Ein seriöser Verkäufer wird einer solchen Untersuchung immer zustimmen.
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Weitere wichtige Informationen zum Thema
Lusitanos zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Robustheit und Langlebigkeit aus. Bei artgerechter Haltung und einer auf das Pferd abgestimmten Arbeitsbelastung erreichen viele Vertreter dieser Rasse problemlos ein Alter von 25 bis 30 Jahren. Es ist keine Seltenheit, dass Lusitanos bis ins hohe Alter von über 20 Jahren leistungsfähig bleiben und sogar noch in anspruchsvollen Dressurlektionen geritten werden können.
Die späte körperliche Reife der Iberer spielt hierbei eine Rolle; oft sind sie erst mit sieben oder acht Jahren voll ausgewachsen. Werden sie in jungen Jahren nicht überfordert, danken sie es mit einer langen Gesundheit. Regelmäßige Vorsorge durch Zahnkontrollen und eine angepasste Fütterung im Alter unterstützen diesen Prozess maßgeblich.
Die Preise für einen Lusitano variieren stark je nach Abstammung, Ausbildungsstand und Farbe. Ein solider Freizeitpartner oder ein Absetzer beginnt preislich oft bei etwa 8.000 bis 12.000 Euro. Für gut ausgebildete Pferde im reitfähigen Alter, die bereits Lektionen der Klasse L oder M beherrschen, steigen die Preise schnell auf 20.000 bis 45.000 Euro an. Besonders exklusive Zuchtlinien oder Pferde mit Potenzial für den Grand-Prix-Sport können deutlich höhere Summen kosten.
Zusätzlich zum Kaufpreis sollten Interessenten die Importkosten einkalkulieren, falls das Pferd direkt aus Portugal bezogen wird. Hier fallen Transportkosten und ggf. Gebühren für Ankaufsuntersuchungen (AKUs) an, die aufgrund der Entfernung logistisch aufwendiger sind. Seltene Sonderfarben wie Cremellos oder Buckskins erzielen auf dem Markt zudem oft einen signifikanten Aufpreis.
Grundsätzlich gelten Lusitanos als sehr zäh, jedoch gibt es rassetypische Aspekte, die beachtet werden sollten. Wie viele iberische Pferde neigen sie zu Stoffwechselerkrankungen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder Hufrehe, wenn sie auf zu energiereichen nordeuropäischen Weiden stehen. Ihre Genetik ist auf karge Böden und nährstoffarmes Futter ausgelegt, weshalb eine restriktive Weideführung oft notwendig ist.
Ein weiteres Thema bei Schimmeln, die beim Lusitano sehr häufig vorkommen, sind Melanome. Diese meist gutartigen Hautveränderungen treten bei älteren Schimmeln oft an der Schweifrübe oder im Genitalbereich auf. Zudem sollte auf das sogenannte Sommerekzem geachtet werden, da die Umstellung vom trockenen portugiesischen Klima in feuchtere Regionen bei einigen Pferden Überreaktionen auf Kriebelmücken auslösen kann.
Lusitanos sind in der Regel sehr soziale Tiere, die eine klare Kommunikation innerhalb einer Herde pflegen. Durch ihre Aufzucht in Portugal, wo sie oft in großen Verbänden auf weitläufigen Korkeichenweiden (Montados) aufwachsen, verfügen sie über ein exzellentes Sozialverhalten. Sie lassen sich meist gut vergesellschaften, sofern das Platzangebot stimmt und die Herdenstruktur nicht ständig wechselt.
In gemischten Herden mit sehr dominanten oder phlegmatischen Warmblütern kann es manchmal zu Missverständnissen kommen, da der Lusitano sehr reaktiv und schnell in seinen Bewegungen ist. Aufgrund ihres „Fogo“ spielen sie oft intensiv und körperbetont, was passende Spielpartner erfordert. Eine Haltung im Offenstall oder Paddock Trail kommt ihrem Bedürfnis nach Bewegung und Interaktion sehr entgegen.
Obwohl der Lusitano primär für die Dressur und die Rinderarbeit gezüchtet wurde, verfügen viele Exemplare über ein beachtliches Sprungvermögen. Ihre enorme Kraft aus der Hinterhand ermöglicht ihnen eine gute Basküle über dem Sprung. Für den Einsatz in der Working Equitation müssen sie ohnehin Geländehindernisse und kleine Sprünge meistern, was sie meist mit großem Mut und Geschick tun.
Für den gehobenen Springreitsport auf Turnierniveau sind sie aufgrund ihres Exterieurs – insbesondere der steileren Schulter und der kürzeren Galoppade – jedoch weniger prädestiniert als spezialisierte Warmblüter. Als vielseitige Freizeitpferde oder für kleine Parcours und Springgymnastik sind sie dennoch bestens geeignet und haben oft große Freude an der Abwechslung.

Pferdeliebhaberin seit Kindertagen und Autorin auf pferdekumpel.de. Lisa vereint ihre langjährige Erfahrung als Reiterin und Pferdebesitzerin mit fundiertem Wissen über artgerechte Haltung, Pferdegesundheit und Reitsport. Als Fachautorin und passionierte Dressurreiterin liegt ihr Fokus auf praxisnaher Wissensvermittlung — von der richtigen Ausrüstung über Pferdeernährung bis hin zu Trainingstipps für Reiter aller Levels.
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