Lerne alles über die Parade beim Reiten: die feine Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Von halben bis ganzen Paraden – unser Ratgeber erklärt es.

Die Parade ist keine Ausrüstung, sondern eine grundlegende Reiterhilfe im Pferdesport. Sie bezeichnet das koordinierte Zusammenspiel von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. Ihr Zweck ist es, die Aufmerksamkeit des Pferdes zu gewinnen, es zu versammeln, sein Gleichgewicht zu verbessern oder es auf eine neue Lektion, einen Tempowechsel oder einen Übergang zwischen den Gangarten vorzubereiten. Sie dient der Kommunikation und der Verfeinerung der Hilfengebung.
Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten. Die halbe Parade ist die häufigste Form und wird fließend während des Reitens eingesetzt, um das Pferd vorzubereiten, das Tempo zu regulieren oder die Haltung zu korrigieren, ohne die Bewegung zu unterbrechen. Die ganze Parade dient dazu, das Pferd aus einer Bewegung heraus zu einem korrekten, ruhigen und geraden Stillstand zu bringen. Je nach Kontext spricht man auch von vorbereitenden, verwahrenden oder aufnehmenden Paraden.
Da die Parade eine reiterliche Einwirkung und keine Ausrüstung ist, gibt es kein Material. Die Qualität einer Parade hängt ausschließlich vom Können, dem Timing, der Dosierung und dem Gefühl des Reiters ab. Eine qualitativ hochwertige Parade ist für den Betrachter kaum sichtbar, für das Pferd aber klar verständlich und leicht. Sie verbessert die Durchlässigkeit und das Gleichgewicht. Eine schlechte Parade ist oft grob, handlastig und stört das Pferd.
Die korrekte Anwendung ist ein komplexer, sekundenschneller Vorgang. Der Reiter richtet sich auf und erhöht die Körperspannung. Gleichzeitig treibt der Schenkel die Hinterhand des Pferdes vermehrt unter den Schwerpunkt. Die Hand fängt diese Energie mit einem annehmenden oder nur anstehenden Zügel ab, ohne rückwärts zu ziehen. Sobald das Pferd reagiert, indem es nachgibt, sich balanciert oder das Tempo reguliert, gibt der Reiter mit allen Hilfen sofort nach. Das Timing ist entscheidend.
Eine Parade kann man nicht kaufen, sondern nur erlernen. Die Investition besteht in qualifiziertem Reitunterricht bei einem erfahrenen Ausbilder. Die Kosten für Reitstunden variieren stark je nach Qualifikation des Trainers und der Region. Sinnvoll ist es, einen Trainer zu suchen, der die klassische Reitlehre versteht und vermitteln kann. Ergänzend helfen Fachbücher und Lehrgänge, das Konzept theoretisch zu verstehen und praktisch umzusetzen.
Die Fähigkeit, eine korrekte Parade zu reiten, muss ständig gepflegt und verfeinert werden. Dies geschieht durch regelmäßiges, bewusstes Training, idealerweise unter den Augen eines Trainers. Selbstreflexion, zum Beispiel durch Videoanalysen der eigenen Ritte, hilft, Fehler zu erkennen. Die Pflege besteht darin, das eigene Körpergefühl und die Feinabstimmung der Hilfen kontinuierlich zu verbessern und die Lektion an den Ausbildungsstand des Pferdes anzupassen.
Die Parade ist einer der fundamentalsten und zugleich am häufigsten missverstandenen Begriffe in der Reitkunst. Viele Reiter, insbesondere am Anfang ihrer Ausbildung, assoziieren die Parade fälschlicherweise ausschließlich mit dem Anhalten oder „Bremsen“ des Pferdes. Doch diese Sichtweise greift viel zu kurz. Eine Parade ist in Wahrheit eine hochentwickelte Form der Kommunikation, ein feines Zwiegespräch zwischen Reiter und Pferd, das auf dem harmonischen Zusammenspiel von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen basiert. Sie ist kein isolierter Akt des Anhaltens, sondern ein dynamischer Prozess, der dazu dient, die Aufmerksamkeit des Pferdes zu gewinnen, sein Gleichgewicht zu verbessern, es auf eine neue Lektion vorzubereiten oder das Tempo innerhalb einer Gangart zu regulieren. Stell dir die Parade nicht als Notbremse vor, sondern eher als ein kurzes Innehalten im Gespräch, ein „Hör mal zu, gleich kommt etwas Neues“ oder ein „Bitte konzentriere dich wieder auf mich“. Das übergeordnete Ziel ist es, das Pferd dazu zu veranlassen, mit der Hinterhand vermehrt Last aufzunehmen, also die Hanken zu beugen und weiter unter den eigenen Schwerpunkt zu treten. Dadurch wird die Vorhand entlastet, der Rücken wölbt sich auf und das Pferd bewegt sich in verbesserter Selbsthaltung. Dieser Zustand wird als „Durchlässigkeit“ bezeichnet – die Hilfen des Reiters fließen ungehindert durch den gesamten Pferdekörper, vom treibenden Schenkel über den schwingenden Rücken bis zur annehmenden Hand und wieder zurück. Eine korrekt gerittene Parade ist somit ein Schlüsselelement der Gymnastizierung und trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung und zum korrekten Muskelaufbau deines Pferdes bei.
Um die Komplexität und Vielseitigkeit der Parade zu verstehen, muss man zwischen zwei grundlegenden Arten unterscheiden: der halben Parade und der ganzen Parade. Die halbe Parade ist das wohl am häufigsten genutzte Instrument im Werkzeugkasten eines jeden ambitionierten Reiters. Sie ist ein flüchtiger Moment der Sammlung, eine kurze Erhöhung der Aufmerksamkeit und eine Neuausrichtung des Gleichgewichts, ohne dass das Pferd dabei seine Gangart oder seinen Grundrhythmus verliert. Du nutzt sie unzählige Male während einer einzigen Trainingseinheit: vor jeder Ecke, um das Pferd auf die Biegung vorzubereiten; vor jedem Übergang, sei es vom Schritt in den Trab oder vom versammelten Galopp zum starken Galopp; vor jeder anspruchsvollen Lektion wie einem Schulterherein oder einer Traversale. Die halbe Parade ist der ständige Dialog, der die Verbindung zwischen dir und deinem Pferd aufrechterhält und verfeinert. Die ganze Parade hingegen hat ein klares, definiertes Ziel: das Pferd aus der Bewegung heraus zu einem ruhigen, ausbalancierten und geraden Stillstand zu bringen. Sie ist im Grunde eine intensivierte und bis zum Ende durchgeführte halbe Parade. Während die halbe Parade die Bewegung verbessert und vorbereitet, beendet die ganze Parade sie kontrolliert. Ein perfekter Halt ist dabei kein abruptes Stehenbleiben, bei dem das Pferd auf die Vorhand fällt, sondern ein fließender Übergang, an dessen Ende das Pferd „quadratisch“ steht – also mit allen vier Beinen gleichmäßig belastet – und aufmerksam auf die nächste Hilfe des Reiters wartet, um sofort wieder antreten zu können. Die Beherrschung beider Paradearten ist ein Gradmesser für die Qualität der Ausbildung und die Harmonie des Reiter-Pferd-Paares.
Die biomechanischen Vorgänge im Pferdekörper während einer Parade sind faszinierend und essenziell für das Verständnis ihrer gymnastizierenden Wirkung. Wenn du eine Parade einleitest, ist das primäre Ziel, eine vermehrte Aktivität der Hinterhand zu provozieren. Deine treibenden Hilfen (Schenkel) fordern das Pferd auf, mit seinen Hinterbeinen energischer abzufußen und weiter nach vorne unter den gemeinsamen Schwerpunkt von Pferd und Reiter zu treten. In diesem Moment muss dein Sitz die vorwärts-aufwärts gerichtete Energie, die im Rücken deines Pferdes entsteht, zulassen und gleichzeitig durch eine stabilisierende Rumpfmuskulatur rahmen. Die Zügelhilfe, die als letztes Glied in der Kette folgt, fängt diese Energie sanft ab und verhindert, dass das Pferd einfach schneller wird oder sich über die Schulter entzieht. Stattdessen wird die Energie quasi „recycelt“: Das Pferd beginnt, seine Hanken- und Kniegelenke stärker zu beugen und senkt dadurch seine Kruppe ab. Physikalisch gesehen verlagert sich der Schwerpunkt nach hinten. Dies führt zu einer relativen Aufrichtung der Vorhand; der Widerrist kommt höher, der Hals richtet sich auf und das Pferd wird im Genick nachgiebiger. Es kaut zufrieden auf dem Gebiss und trägt sich selbst, anstatt auf die Hand des Reiters zu lehnen. Dieser Moment der Versammlung, auch wenn er bei einer halben Parade nur den Bruchteil einer Sekunde dauert, ist von unschätzbarem Wert für die Ausbildung. Er schult die Tragkraft der Hinterhand, fördert einen losgelassenen, schwingenden Rücken und verbessert die allgemeine Balance und Rittigkeit deines Pferdes. Eine korrekt ausgeführte Parade ist also weit mehr als nur Kontrolle – sie ist aktive Gymnastik und Gesundheitsvorsorge.
Die korrekte Ausführung einer Parade ist eine Kunst, die auf einem präzisen und fein abgestimmten Zusammenspiel der Hilfen beruht. Entgegen der weit verbreiteten Annahme beginnt eine Parade nicht an der Hand, sondern tief im Zentrum des Reitersitzes. Deine Gewichtshilfen sind das erste und wichtigste Signal an dein Pferd. Um eine Parade einzuleiten, musst du deinen Oberkörper aufrichten, deine Bauch- und Rückenmuskulatur anspannen und dein Becken leicht abkippen, als wolltest du dich „schwerer“ in den Sattel setzen. Diese Veränderung in deiner Körperspannung überträgt sich direkt auf den Pferderücken und signalisiert deinem Partner: „Achtung, eine Veränderung steht bevor.“ Ein ausbalancierter und unabhängiger Sitz ist hierfür die absolute Grundvoraussetzung. Wenn du selbst nicht im Gleichgewicht bist oder dich mit den Händen am Zügel festhältst, kannst du keine klaren und subtilen Gewichtshilfen geben. Dein Sitz muss in der Lage sein, die Bewegung des Pferdes elastisch mitzugehen, aber auch gezielt zu verlangsamen und zu rahmen. Stell dir vor, dein Rumpf ist ein stabiler, aber dennoch flexibler Kern, der die Energie, die von der Hinterhand des Pferdes kommt, kanalisieren kann. Ein unruhiger, klemmender oder steifer Sitz hingegen wirkt wie ein Störgeräusch in der feinen Kommunikation und macht es dem Pferd unmöglich, die eigentliche Botschaft zu verstehen. Deshalb sind Sitzlongen und gezieltes Training der eigenen Körperwahrnehmung und -stabilität unerlässlich für jeden Reiter, der die Parade meisterhaft beherrschen möchte.
Unmittelbar nach der einleitenden Gewichtshilfe folgt die Schenkelhilfe. Dies mag zunächst paradox klingen – warum sollte man treiben, wenn man das Tempo verringern oder anhalten möchte? Die Antwort liegt in der Biomechanik des Pferdes. Die Schenkelhilfe in der Parade ist kein Beschleunigungssignal, sondern eine Aufforderung an die Hinterhand, aktiv zu bleiben und unter den Schwerpunkt zu treten. Ohne den treibenden Impuls würde das Pferd bei der annehmenden Zügelhilfe einfach nur die Vorwärtsbewegung einstellen, auf die Vorhand fallen und auseinanderfallen. Der Schenkel sorgt dafür, dass der „Motor“ – die Hinterhand – weiterhin läuft und die Energie durch den Pferdekörper nach vorne fließt. Er erhält die für die Versammlung notwendige Schubkraft. Die Schenkelhilfe sollte als kurzer, pulsierender Impuls am Pferdebauch anliegen, idealerweise genau in dem Moment, in dem das jeweilige Hinterbein nach vorne schwingt. So kannst du den Bewegungsablauf gezielt beeinflussen. Ein dauerhaft klemmender Schenkel führt zur Abstumpfung und Verspannung, während ein fehlender Schenkel die Parade wirkungslos macht. Es geht darum, das Pferd von hinten nach vorne „an die Hand heranzutreiben“. Der Schenkel sagt „vorwärts“, der Sitz sagt „langsamer und versammelter“, und die Hand gibt den abschließenden Rahmen. Dieses Zusammenspiel verhindert, dass das Pferd den einfachsten Ausweg wählt und sich der Anstrengung der Lastaufnahme in der Hinterhand entzieht.
Als letztes und feinstes Glied in der Kette der Hilfengebung kommt die Zügelhilfe zum Einsatz. Ihre Rolle ist es, die durch Gewichts- und Schenkelhilfen erzeugte Energie sanft aufzufangen, zu rahmen und zu formen – niemals aber, das Pferd rückwärts zu ziehen oder zu blockieren. Die Zügelhilfe ist eine annehmende, keine ziehende Hilfe. Sie entsteht durch ein sanftes Schließen der Finger um den Zügel, eine minimale Drehung der Handgelenke, als würdest du einen Schwamm ausdrücken. Die Verbindung zum Pferdemaul sollte dabei weich und elastisch bleiben. Sobald du die gewünschte Reaktion deines Pferdes spürst – sei es eine Verlangsamung des Tempos, ein Nachgeben im Genick oder ein vermehrtes Untertreten – folgt der entscheidendste Moment der gesamten Parade: das sofortige Nachgeben. Das Nachgeben ist die Belohnung für das Pferd. Es signalisiert ihm, dass es die Aufgabe korrekt ausgeführt hat. Du öffnest deine Finger wieder leicht, gibst mit dem Handgelenk nach und erlaubst dem Pferd, sich wieder vorwärts-abwärts zu dehnen. Ohne dieses prompte Nachgeben lernt das Pferd, dass es keinen Ausweg aus dem Druck gibt, und wird sich entweder gegen die Hand wehren oder abstumpfen. Die Reihenfolge ist also immer: Sitz -> Schenkel -> Hand -> Nachgeben. Dieses zeitversetzte, aber in der Praxis fast simultan erscheinende Zusammenspiel ist das Geheimnis einer jeden guten Parade. Es ist ein Dialog, der auf Vertrauen, Timing und Gefühl basiert, nicht auf Kraft.
Merke dir für die korrekte Hilfengebung die Eselsbrücke „Erst das Kreuz, dann der Kuss“. Das „Kreuz“ steht für deine stabilisierende Rumpf- und Gewichtshilfe. Der „Kuss“ symbolisiert die treibende Schenkelhilfe (vergleichbar mit einem Schnalzlaut) und erst danach folgt die sanft annehmende Hand. Die Parade beginnt immer im Sitz, nie in der Hand!
Die halbe Parade ist das Schweizer Taschenmesser des Reiters – ein multifunktionales Werkzeug, das in nahezu jeder Situation zum Einsatz kommt und die Grundlage für fast alle Lektionen und Übergänge bildet. Ihre Hauptfunktion ist nicht das Bremsen, sondern die Vorbereitung und Verbesserung. Stell dir vor, du reitest auf einem großen Zirkel. Ohne korrigierende halbe Paraden würde dein Pferd dazu neigen, mit der Zeit an Gleichgewicht zu verlieren, auf die innere Schulter zu fallen und schneller zu werden. Durch das Reiten von etwa vier gezielten halben Paraden pro Zirkelrunde – jeweils kurz vor den Zirkelpunkten – kannst du das Gleichgewicht wiederherstellen. Die äußeren Hilfen (Schenkel und Zügel) begrenzen das Pferd, während die inneren Hilfen die Biegung und den Schwung erhalten. Die halbe Parade sorgt dafür, dass dein Pferd sich wieder „gerade“ auf der gebogenen Linie ausrichtet und die Last vermehrt mit dem inneren Hinterbein aufnimmt. Ein weiteres klassisches Anwendungsfeld sind Übergänge. Bevor du vom Trab zum Schritt durchparierst, reitest du eine oder mehrere halbe Paraden, um das Pferd auf die neue, langsamere Gangart vorzubereiten. Es nimmt den Kopf etwas höher, tritt mit der Hinterhand aktiver unter und ist somit in der Lage, fließend und ausbalanciert in den Schritt zu wechseln, anstatt einfach nur aus dem Trab „herauszufallen“. Ebenso bereitest du eine anspruchsvolle Lektion wie das Schulterherein mit einer halben Parade vor, um die Aufmerksamkeit zu bündeln und die nötige Versammlung für die Seitwärtsbewegung zu erzeugen. Die Ausführung ist dabei extrem subtil: ein kurzes Anspannen der Rumpfmuskulatur, ein Impuls mit dem Schenkel und ein kaum sichtbares Annehmen und sofortiges Nachgeben der Hand, alles innerhalb weniger Sekunden. Für einen außenstehenden Beobachter ist eine gut gerittene halbe Parade oft gar nicht als solche zu erkennen – sie wirkt wie pure Harmonie.
Im Gegensatz zur allgegenwärtigen halben Parade hat die ganze Parade ein singuläres, klares Ziel: das Pferd aus jedweder Gangart in einen perfekten, ruhigen und ausbalancierten Stillstand zu überführen. Sie ist die logische Konsequenz einer bis zum Ende durchgeführten Serie von halben Paraden. Während die halbe Parade die Energie im Fluss hält und neu ordnet, bringt die ganze Parade diesen Fluss kontrolliert zum Erliegen. Die Hilfengebung ist im Prinzip dieselbe – Gewicht, Schenkel, Zügel – jedoch wird die annehmende Phase so lange aufrechterhalten, bis das Pferd vollständig zum Stehen gekommen ist. Der Moment des Nachgebens erfolgt erst, wenn das Pferd ruhig und gerade steht. Das Idealbild eines gelungenen Halts ist das „quadratische Stehen“, bei dem die Vorder- und Hinterbeine des Pferdes paarweise geschlossen nebeneinanderstehen. Das Pferd sollte dabei nicht auf die Vorhand gelehnt sein, sondern das Gewicht gleichmäßig auf allen vier Beinen verteilen. Der Hals ist dabei in einer natürlichen, leichten Wölbung, das Genick ist der höchste Punkt, und das Pferd kaut zufrieden ab. Es ist ein Zustand wacher Gelassenheit, aus dem heraus es auf die kleinste Hilfe hin sofort wieder vorwärts, rückwärts oder seitwärts treten kann. Eine schlecht gerittene ganze Parade hingegen endet oft in einem unschönen Bild: Das Pferd stemmt sich gegen die Hand, der Rücken drückt sich weg, ein Hinterbein wird entlastet oder nach hinten herausgestellt, und der Halt ist unruhig und spannig. Die ganze Parade ist daher eine wichtige Lektion, die in Dressurprüfungen abgefragt wird, da sie ein exzellenter Indikator für die Durchlässigkeit und die korrekte Ausbildung des Pferdes ist.
Um die beiden Paradearten noch klarer voneinander abzugrenzen, hilft ein direkter Vergleich ihrer Merkmale und Anwendungsbereiche. Die halbe Parade ist ein proaktives Werkzeug zur ständigen Feinjustierung, während die ganze Parade eine reaktive Aktion ist, um eine Bewegung zu beenden. Die Intensität der Hilfen ist bei der halben Parade minimal und subtil, bei der ganzen Parade hingegen deutlicher und anhaltender, aber niemals grob oder kraftvoll. Die Dauer der Einwirkung unterscheidet sich ebenfalls markant: Eine halbe Parade ist ein flüchtiger Moment, der oft nur einen einzigen Pferdeschritt andauert. Die ganze Parade wird so lange aufrechterhalten, bis das gewünschte Ergebnis – der Stillstand – erreicht ist. Ihre Frequenz im täglichen Training könnte nicht unterschiedlicher sein: Halbe Paraden reitest du Dutzende, wenn nicht Hunderte Male pro Reiteinheit. Sie sind der Kitt, der alle Lektionen miteinander verbindet. Ganze Paraden hingegen reitest du gezielt am Anfang, am Ende oder zwischen bestimmten Lektionen, um die Durchlässigkeit zu überprüfen oder eine Aufgabe abzuschließen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede übersichtlich zusammen:
| Merkmal | Halbe Parade | Ganze Parade |
|---|---|---|
| Ziel | Aufmerksamkeit erhöhen, Balance verbessern, Tempo regulieren, Lektionen vorbereiten | Pferd aus der Bewegung zum vollständigen, ausbalancierten Stillstand bringen |
| Dauer der Einwirkung | Sehr kurz, oft nur 1-2 Sekunden oder einen Pferdeschritt lang | Anhaltend, bis das Pferd ruhig und gerade steht |
| Intensität der Hilfen | Fein, subtil, für Außenstehende oft unsichtbar | Deutlicher und länger anhaltend, aber stets ohne Kraft |
| Ergebnis der Aktion | Pferd bleibt in Bewegung, wird aber aufmerksamer, balancierter oder langsamer | Pferd beendet die Bewegung und kommt zum Stehen |
| Häufigkeit der Anwendung | Sehr häufig, bildet einen ständigen Dialog mit dem Pferd | Gezielt und seltener, um eine Bewegung bewusst zu beenden |
Die absolute Grundlage für das Erlernen und Verfeinern jeder Parade sind saubere Übergänge. Beginne mit der einfachsten Übung: Übergänge zwischen Halten und Schritt. Reite auf einer geraden Linie, zum Beispiel auf der langen Seite der Reitbahn, und bereite dein Pferd mit einer halben Parade auf den bevorstehenden Halt vor. Gib dann die Hilfen zur ganzen Parade: Setz dich tief und schwer in den Sattel, gib einen kurzen Impuls mit beiden Schenkeln und nimm die Zügel sanft an, bis dein Pferd steht. Lobe es sofort und gib nach. Achte darauf, dass es gerade und idealerweise geschlossen steht. Verharre nur wenige Sekunden im Halt und reite dann wieder energisch im Schritt an. Der Fokus liegt hier auf der Qualität, nicht auf der Quantität. Wiederhole diese Übung, bis dein Pferd auf feinste Hilfen hin flüssig anhält und willig wieder antritt. Sobald dies zuverlässig klappt, erweiterst du die Übung auf Übergänge zwischen Trab und Schritt. Auch hier bereitest du den Übergang nach unten mit einer oder mehreren halben Paraden im Trab vor. Dein Ziel ist es, dass dein Pferd nicht in den Schritt „fällt“, sondern aktiv mit der Hinterhand untertritt und quasi „in den Schritt hineinschreitet“. Später kannst du die Schwierigkeit weiter steigern, indem du Übergänge zwischen Trab und Halten oder sogar Galopp und Schritt reitest. Jeder einzelne Übergang, den du reitest, ist eine exzellente Übung für die Parade und schult die Durchlässigkeit und Reaktionsfähigkeit deines Pferdes.
Eine weitere, äußerst effektive Übung zur Schulung der halben Parade ist das Reiten von Tempounterschieden innerhalb einer Gangart. Diese Übung, oft als „Akkordeon-Reiten“ bezeichnet, lehrt dein Pferd, auf feinste Gewichts- und Schenkelhilfen zu reagieren und sich zwischen Schub- und Tragkraft zu bewegen. Beginne im Arbeitstrab auf der langen Seite. In der Mitte der langen Seite bittest du dein Pferd um eine leichte Tempoverschärfung, indem du etwas mehr aus der Hüfte mitschwingst und die Schenkel treibend einsetzt. Reite einige Tritte im Mitteltrab. Noch bevor du die Ecke erreichst, fängst du das Tempo mit mehreren aufeinanderfolgenden halben Paraden wieder ein. Setze dich schwerer, spanne deine Rumpfmuskulatur an und gib kurze, treibende Impulse, während du die Hand sanft schließt. Dein Ziel ist es, wieder zum ursprünglichen Arbeitstrab zurückzukehren. Wenn das gut funktioniert, kannst du die Übung erweitern, indem du dein Pferd aus dem Arbeitstrab noch weiter zurückführst in Richtung eines versammelten Trabs. Du wirst spüren, wie dein Pferd unter dir „kürzer“ wird, sich mehr auf die Hinterhand setzt und erhabener trabt. Diese ständigen Wechsel zwischen „Zulegen“ und „Einfangen“ sind eine hervorragende Gymnastik. Sie verbessern nicht nur die Reaktion auf die halbe Parade, sondern fördern auch die Lastaufnahme der Hinterhand und die allgemeine Rittigkeit deines Pferdes. Dieselbe Übung lässt sich natürlich auch im Galopp durchführen und ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Versammlung.
Gebogene Linien sind der perfekte Ort, um die ausbalancierende Wirkung der halben Parade zu trainieren. Eine einfache, aber wirkungsvolle Übung sind Schlangenlinien durch die ganze Bahn. Reite zum Beispiel drei Bögen und plane bei jedem Handwechsel über die Mittellinie eine halbe Parade ein. Diese halbe Parade hilft dir, das Pferd vor dem neuen Bogen wieder geradezurichten und auf die neue Biegung vorzubereiten. Achte darauf, dass du das Pferd mit dem neuen inneren Schenkel an den neuen äußeren Zügel herantreibst. Eine Variation dieser Übung sind Schlangenlinien an der langen Seite mit fünf bis sieben Schritten pro Bogen, um die Durchlässigkeit und schnelle Reaktion auf die wechselnden Hilfen zu überprüfen. Auch das Reiten von Ecken ist eine ständige Übung für die Parade. Eine korrekt gerittene 90-Grad-Wendung erfordert eine vorbereitende halbe Parade, um das Pferd vor der Ecke auszubalancieren und zu verhindern, dass es über die innere Schulter davonläuft. Der äußere Zügel und der äußere Schenkel wirken dabei begrenzend und rahmend. Laut Ausbildungsexperten sind etwa vier halbe Paraden auf einem korrekt gerittenen 20-Meter-Zirkel ideal, um das Pferd im Gleichgewicht zu halten. Diese Übungen schulen nicht nur die Reaktion des Pferdes, sondern auch dein eigenes Timing und Gefühl für den richtigen Moment der Einwirkung. Sie integrieren die Parade nahtlos in den Bewegungsfluss und machen sie zu einem selbstverständlichen Teil deiner täglichen Arbeit.
Der wohl am weitesten verbreitete und gravierendste Fehler beim Reiten einer Parade ist die Dominanz der Hand. Viele Reiter lernen, dass „Zügel annehmen“ gleichbedeutend mit „anhalten“ ist und initiieren die Parade, indem sie an den Zügeln ziehen. Dieser sogenannte „Hand-Reiter“ agiert nach dem Prinzip „vorne ziehen, hinten tritt drauf“. Die Konsequenzen sind verheerend für die Rittigkeit und das Vertrauen des Pferdes. Ein rückwärts wirkender Zügelzug führt unweigerlich dazu, dass das Pferd den Unterhals anspannt, den Rücken wegdrückt und sich im Genick verkriecht oder gegen die Hand stemmt. Es kann die geforderte Lastaufnahme mit der Hinterhand gar nicht leisten, weil die Energieblockade im Genick und Rücken dies verhindert. Das Pferd wird auf der Vorhand laufen, im Maul abstumpfen und die Freude an der Mitarbeit verlieren. Die Lösung dieses Problems liegt in einem fundamentalen Umdenken: Die Parade beginnt im Sitz und wird vom Schenkel unterstützt. Die Hand ist nur das letzte, passive Glied der Kette. Stell dir vor, du schließt eine Tür (deine Hand), durch die dein Pferd (angetrieben von deinem Schenkel) hindurchgehen möchte. Die Tür blockiert nicht, sie gibt nur einen Rahmen vor. Übe, die Parade konsequent mit deinem Kreuz und deiner Rumpfspannung einzuleiten. Konzentriere dich darauf, deinen Sitz zu schließen und schwerer zu machen, bevor du überhaupt daran denkst, die Hand zu benutzen. Oft wirst du feststellen, dass eine deutliche Gewichtshilfe, kombiniert mit einem treibenden Schenkel, bereits ausreicht, um die gewünschte Reaktion zu erzielen, und die Hand nur noch minimal einwirken muss.
Ein weiterer häufiger Fehlerkomplex betrifft die Schenkelhilfe. Hier gibt es zwei Extreme, die beide zu Problemen führen. Das erste Extrem ist die fehlende oder zu schwache Schenkelhilfe. Der Reiter konzentriert sich so sehr auf seine Gewichts- und Zügelhilfen, dass er vergisst, den „Motor“ des Pferdes am Laufen zu halten. Das Ergebnis: Das Pferd wird bei der Parade langsam, verliert jeglichen Schwung und „stirbt unter dem Reiter ab“. Es fällt auf die Vorhand und der Übergang ist spannungslos und unkorrekt. Das zweite Extrem ist der klemmende oder überaktive Schenkel. Aus Angst, das Pferd könnte nicht genug von hinten kommen, presst der Reiter die Beine permanent an den Pferdebauch oder gibt unkoordinierte, treibende Hilfen. Dies führt zu Verwirrung und Verspannung beim Pferd. Es weiß nicht, ob es vorwärts oder langsamer gehen soll, wird hektisch und drückt den Rücken weg. Die korrekte Schenkelhilfe ist ein gut getimter, kurzer Impuls. Sie muss im richtigen Moment kommen, um die Hinterhand zum vermehrten Untertreten zu animieren, ohne das Pferd vorwärts zu jagen. Um dies zu lernen, ist ein langer, locker aus der Hüfte fallender Schenkel essenziell. Nur ein entspanntes Bein kann feine und präzise Hilfen geben. Übe, deine Beine bewusst locker hängen zu lassen und den Schenkel nur dann gezielt einzusetzen, wenn er gebraucht wird. Das Gefühl für das richtige Timing entwickelt sich mit der Zeit und Erfahrung.
Ein steifer Reitersitz und das Versäumnis, im richtigen Moment nachzugeben, sind zwei weitere Kardinalfehler, die eine harmonische Parade unmöglich machen. Wenn du in deinem Becken, deiner Hüfte oder deinem Rücken fest bist, kannst du die schwingende Bewegung des Pferderückens nicht elastisch begleiten. Deine Parade wird dann zu einem harten Blockieren, anstatt einer fließenden Verlangsamung. Das Pferd spürt diesen Widerstand und wird sich ebenfalls verspannen. Arbeite kontinuierlich an deiner eigenen Losgelassenheit durch Sitzschulungen, Gymnastik oder sogar Yoga. Ein geschmeidiger Sitz ist die Basis für feine Reitkunst. Mindestens genauso wichtig ist das korrekte Timing des Nachgebens. Die Parade ist erst dann beendet, wenn du nachgegeben hast. Das Nachgeben ist die positive Bestätigung für dein Pferd, die ihm sagt: „Ja, genau das war richtig!“ Viele Reiter halten den Druck der Hilfen – insbesondere den Zügeldruck – zu lange aufrecht. Sie parieren durch, das Pferd reagiert, aber der Reiter gibt nicht nach. Für das Pferd gibt es also keinen Anreiz, auf die Hilfe zu reagieren, da der unangenehme Druck bestehen bleibt. Es lernt, die Hilfe zu ignorieren oder sich ihr zu widersetzen. Mache es dir zur Gewohnheit, in dem Sekundenbruchteil, in dem du die korrekte Reaktion deines Pferdes fühlst, deine Hand wieder weich werden zu lassen und den Druck aus Sitz und Schenkel zu nehmen. Diese prompte Belohnung wird dein Pferd motivieren, aufmerksamer und williger mitzuarbeiten.
Es kann nicht oft genug betont werden: Der ausbalancierte, unabhängige Reitersitz ist die unumstößliche Grundlage für jede erfolgreiche Parade. Ohne einen Reiter, der losgelassen und im Gleichgewicht sitzt, verkommen selbst die besten theoretischen Kenntnisse über die Hilfengebung zu einer groben und missverständlichen Gestik. Ein Reiter, der mit der eigenen Balance kämpft, wird sich unweigerlich an den Zügeln festhalten, mit den Schenkeln klemmen oder im Oberkörper einknicken. All diese unwillkürlichen Bewegungen sind für das Pferd wie ein ständiges „Grundrauschen“, das die feinen, gezielten Signale einer Parade überlagert. Wie soll ein Pferd eine subtile Gewichtshilfe zum Versammeln verstehen, wenn der Reiter ihm permanent unkontrolliert in den Rücken plumpst? Wie soll es eine feine Zügelannahme akzeptieren, wenn die Reiterhand ständig unruhig ist? Deshalb ist die Investition in die eigene Sitzschulung die direkteste Investition in die Verbesserung deiner Paraden. Regelmäßige Sitzlongen bei einem qualifizierten Ausbilder sind hier Gold wert. Ohne Zügel in der Hand lernst du, deine Balance aus deinem Zentrum zu finden und deine Hände und Beine unabhängig voneinander zu koordinieren. Ergänzende Sportarten wie Pilates, Yoga oder gezieltes Rumpfmuskulaturtraining können ebenfalls Wunder wirken, um die für einen stabilen Sitz nötige Körperspannung und -wahrnehmung aufzubauen. Betrachte deinen Sitz nicht als gegeben, sondern als ein Instrument, das du stetig pflegen und verfeinern musst.
Auch wenn gutes Reiten nicht von teurer Ausrüstung abhängt, kann unpassendes Equipment die korrekte Ausführung von Paraden erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen. An vorderster Stelle steht hier der Sattel. Ein Sattel, der nicht optimal auf den Pferderücken passt, ist eine der häufigsten Ursachen für Rittigkeitsprobleme. Drückt der Sattel auf den Widerrist, schränkt er die Schulterfreiheit ein oder liegt er im Lendenbereich auf, wird das Pferd Schmerzen empfinden und reflexartig den Rücken wegdrücken und sich verspannen. Die für eine Parade essenzielle Aufwölbung des Rückens und das aktive Untertreten der Hinterhand werden so mechanisch blockiert. Eine Überprüfung der Sattelpassform durch einen Fachmann ist daher unerlässlich. Als grobe Richtlinie gilt, dass zwischen deinem Gesäß und dem hinteren Sattelkranz etwa drei Finger breit Platz sein sollten, um dir genügend Bewegungsfreiheit für die Gewichtshilfen zu geben. Ebenso muss die Kammerweite zum Widerrist deines Pferdes passen. Auch die Zäumung spielt eine Rolle. Ein zu scharfes Gebiss, ein zu eng verschnallter Nasenriemen oder ein unpassendes Reithalfter können dem Pferd Schmerzen im empfindlichen Maul- und Kopfbereich zufügen. Ein Pferd, das Schmerzen erwartet, kann sich nicht vertrauensvoll an die Hand herandehnen und wird auf eine annehmende Zügelhilfe mit Abwehr statt mit Nachgiebigkeit reagieren. Die Wahl der Ausrüstung sollte stets dem Wohl des Pferdes und den Grundsätzen einer fairen Ausbildung folgen, wie sie auch in den Regelwerken wie der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) und der Wettbewerbsordnung (WBO) verankert sind.
Der Weg zur meisterhaft gerittenen Parade ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es ist ein Prozess, der Geduld, Konsequenz, Selbstreflexion und vor allem ein tiefes Einfühlungsvermögen in deinen Partner Pferd erfordert. Es wird Tage geben, an denen die Paraden wie von selbst gelingen und du das Gefühl hast, mit deinem Pferd zu verschmelzen. Und es wird Tage geben, an denen die Kommunikation gestört scheint und nichts zu funktionieren scheint. An solchen Tagen ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten und die Ursache nicht beim Pferd, sondern bei sich selbst zu suchen. Bin ich verspannt? Gebe ich meine Hilfen im richtigen Moment? Ist mein Sitz ausbalanciert? Bin ich vielleicht zu ungeduldig und fordere zu viel? Die Parade ist der ultimative Spiegel deiner Reitkunst und deiner Beziehung zum Pferd. Sie offenbart jede Steifheit, jedes Ungleichgewicht und jede Ungeduld. Aber sie belohnt auch jede Verbesserung in deiner eigenen Geschmeidigkeit und deinem Gefühl mit einer deutlicheren und harmonischeren Antwort deines Pferdes. Sei konsequent in deiner Hilfengebung, damit dein Pferd eine klare Sprache lernen kann, aber sei auch fair und geduldig, wenn es Zeit braucht, um zu verstehen und die nötige Kraft zu entwickeln. Die Perfektionierung der Parade ist eine lebenslange Reise, doch jede kleine Verbesserung auf diesem Weg bringt dich der wahren Harmonie zwischen Reiter und Pferd ein Stück näher.
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Weitere wichtige Informationen zum Thema
Die Ausbildung zur korrekten Reaktion auf Paraden ist ein Prozess, der sich über mehrere Monate bis Jahre hinweg verfeinert. In der ersten Phase der Ausbildung lernt ein junges Pferd zunächst die grundlegenden treibenden und verhaltenden Hilfen kennen. Hierbei steht das Vertrauen zur Reiterhand im Vordergrund, wobei die Parade oft noch grob als 'Bremsen' interpretiert wird, bevor das Pferd lernt, die Energie biomechanisch korrekt nach hinten zu verlagern.
Eine echte Durchlässigkeit, bei der das Pferd auf feinste halbe Paraden mit einer Lastaufnahme der Hinterhand reagiert, entwickelt sich erst mit zunehmender Kraft und Balance. Es ist wichtig, junge Pferde nicht mit zu vielen Paraden zu überfordern, sondern die Signale erst dann zu verfeinern, wenn die Losgelassenheit und der Vorwärtsdrang stabil gefestigt sind.
Grundsätzlich ist nicht das Gebiss für die Qualität einer Parade verantwortlich, sondern die Hand des Reiters. Dennoch eignen sich für das Training feiner Paraden am besten einfach oder doppelt gebrochene Wassertrensen aus hochwertigen Materialien wie Aurigan oder Sensogan. Diese fördern die Kautätigkeit und ermöglichen eine präzise Übertragung der annehmenden und nachgebenden Zügelhilfen an die Zunge und die Laden des Pferdes.
Scharfe Gebisse oder Hebelwirkungen sind oft kontraproduktiv, da sie das Pferd dazu veranlassen können, sich festzumachen oder hinter den Zügel zu kriechen, anstatt vertrauensvoll an die Hand heranzutreten. Ziel sollte es immer sein, das Pferd so auszubilden, dass es auf die minimale Einwirkung des Ringfingers reagiert, unabhängig von der spezifischen Zäumung.
Wenn ein Pferd gegen die Parade drückt, liegt dies oft an einem Ungleichgewicht zwischen treibenden und verhaltenden Hilfen oder an körperlichen Verspannungen. In einem solchen Fall sollte der Reiter die Parade sofort auflösen und das Pferd durch vermehrtes Vorwärtsreiten oder Schenkelweichen wieder zur Losgelassenheit bringen. Ein festes Gegenhalten der Hand führt meist nur zu einem Kräftemessen, das der Reiter biomechanisch nicht gewinnen kann.
Zudem sollte überprüft werden, ob die Parade zu abrupt kam oder die Hand zu lange 'stehen' blieb. Oft hilft es, die Parade in viele kleine Reprisen zu unterteilen und den Fokus auf das sofortige Nachgeben zu legen, sobald das Pferd auch nur ansatzweise reagiert. Ergänzende Übungen wie lockeres Traben über Stangen können helfen, den Rücken beweglich zu halten und die Akzeptanz der Hilfen zu verbessern.
Für extrem sensible Pferde ist die Parade über den Sitz die wichtigste Strategie. Anstatt den Zügel aktiv einzusetzen, kann der Fokus fast ausschließlich auf das Anspannen der tiefen Rumpfmuskulatur und das minimale 'Einschweren' des Gesäßes gelegt werden. Viele feinfühlige Pferde reagieren bereits auf das Ausatmen des Reiters oder ein leichtes Zurücknehmen der Schultern, was eine klassische Zügelhilfe fast überflüssig macht.
Zusätzlich kann das Training mit der Stimme als unterstützendes Signal hilfreich sein, um den Übergang einzuleiten. Dennoch bleibt die biomechanische Definition der Parade (Lastaufnahme der Hinterhand) gleich; sie wird lediglich durch noch subtilere Signale ausgelöst, um das Vertrauen des sensiblen Pferdemauls nicht zu gefährden.
Das deutlichste Zeichen für eine gelungene Parade ist das Gefühl, dass das Pferd unter dem Reiter 'größer' wird und der Widerrist leicht ansteigt. Das Pferd sollte sich für einen Moment weicher in der Hand anfühlen, während die Hinterhand spürbar mehr Last aufnimmt und die Tritte federnder werden. Es entsteht ein Eindruck von komprimierter Energie, die jedoch jederzeit fließen kann.
Ein negatives Anzeichen wäre hingegen, wenn das Pferd langsamer wird, indem es die Beine stumpf in den Boden stemmt oder den Kopf hochreißt. Eine korrekte Parade fühlt sich nicht wie ein Widerstand an, sondern wie ein kurzes, elastisches Federn, nach dem das Pferd aufmerksamer und besser am Sitz des Reiters ist.

Pferdeliebhaberin seit Kindertagen und Autorin auf pferdekumpel.de. Lisa vereint ihre langjährige Erfahrung als Reiterin und Pferdebesitzerin mit fundiertem Wissen über artgerechte Haltung, Pferdegesundheit und Reitsport. Als Fachautorin und passionierte Dressurreiterin liegt ihr Fokus auf praxisnaher Wissensvermittlung — von der richtigen Ausrüstung über Pferdeernährung bis hin zu Trainingstipps für Reiter aller Levels.
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