Als Stutenbesitzer oder Züchter kennst Du das bestimmt: Plötzlich verhält sich Deine Stute anders. Sie ist vielleicht anhänglicher, zickiger, unruhiger oder zeigt Hengsten gegenüber großes Interesse. Das sind oft Anzeichen für die Rosse, die Phase der Paarungsbereitschaft im Zyklus Deiner Stute. Diesen Zyklus zu verstehen, ist nicht nur für die Zucht entscheidend, sondern hilft Dir auch, das Verhalten Deiner Stute besser einzuordnen und im Alltag richtig darauf zu reagieren. Eine exakte „Berechnung“ wie bei einer mathematischen Formel ist bei diesem biologischen Prozess zwar schwierig, da viele Faktoren mitspielen. Aber wenn Du die Grundlagen kennst, die typischen Anzeichen beobachtest und vielleicht sogar Buch führst, kannst Du den Zyklus Deiner Stute ziemlich gut einschätzen. Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was genau während der Rosse passiert und wie Du den Überblick behältst.
Rosse-Rechner für Deine Stute
Bitte beachte: Dies ist eine Schätzung basierend auf einem durchschnittlichen Zyklus (14-16 Tage Zwischenrosse). Individuelle Abweichungen, die Jahreszeit und der Gesundheitszustand können den tatsächlichen Zeitpunkt beeinflussen.
Auf einen Blick: Das Wichtigste zum Rossezyklus
Der Sexualzyklus einer Stute ist ein faszinierender, hormonell gesteuerter Prozess, der vor allem durch die Jahreszeiten beeinflusst wird. Im Durchschnitt dauert ein kompletter Zyklus etwa 21 bis 23 Tage, kann aber individuell variieren. Dieser Zyklus teilt sich in zwei Hauptphasen: Die eigentliche Rosse (Östrus), in der die Stute paarungsbereit ist, dauert etwa 5 bis 7 Tage. In dieser Zeit reifen Eibläschen (Follikel) am Eierstock heran, und unter dem Einfluss von Östrogen zeigt die Stute typische Verhaltensweisen. Der Eisprung (Ovulation), also die Freisetzung der befruchtungsfähigen Eizelle, findet meist gegen Ende der Rosse statt, oft 1-2 Tage vor deren Abklingen. Nach der Rosse folgt die Zwischenrosse (Diöstrus), die etwa 14 bis 16 Tage andauert. In dieser Phase ist die Stute nicht paarungsbereit und würde einen Hengst abwehren. Dieser Zyklus wiederholt sich während der Zuchtsaison, die hauptsächlich von Frühling bis Herbst dauert (etwa März bis September), da die zunehmende Tageslichtlänge den Zyklus aktiviert. Im Winter legen viele Stuten eine Zyklusruhe (Anöstrus) ein. Eine exakte Berechnung ist schwierig, aber durch Beobachtung der Anzeichen und Führen eines Rossekalenders lässt sich der individuelle Rhythmus gut verfolgen.
- Zykluslänge: Durchschnittlich 21-23 Tage (während der Saison).
- Rosse (Östrus): Dauer ca. 5-7 Tage, Stute ist paarungsbereit.
- Zwischenrosse (Diöstrus): Dauer ca. 14-16 Tage, Stute ist nicht paarungsbereit.
- Eisprung (Ovulation): Findet meist 1-2 Tage vor Ende der Rosse statt.
- Saisonalität: Zyklus ist hauptsächlich im Frühling und Sommer aktiv (März-September), beeinflusst durch Tageslicht.
- Winterruhe (Anöstrus): Viele Stuten zeigen im Winter keine oder kaum Rosseanzeichen.
- Einschätzung: Beobachtung der Anzeichen und Führen eines Rossekalenders sind entscheidend.
Was genau passiert während der Rosse? Der Zyklus im Detail
Um die Rosse Deiner Stute richtig einschätzen zu können, ist es hilfreich zu verstehen, was in ihrem Körper während des Zyklus vor sich geht. Der gesamte Prozess wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen gesteuert und lässt sich, wie erwähnt, in zwei Hauptphasen unterteilen: den Östrus und den Diöstrus.
1. Östrus (Die eigentliche Rosse, Follikelphase): Diese Phase dauert durchschnittlich 5 bis 7 Tage, kann aber individuell zwischen 3 und 14 Tagen schwanken. Sie ist die Zeit, in der Deine Stute paarungsbereit ist und die typischen Rosseanzeichen zeigt. Was passiert physiologisch?
- Follikelreifung: Auf den Eierstöcken Deiner Stute beginnen mehrere kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen zu wachsen – das sind die Follikel. In jedem Follikel befindet sich eine Eizelle. Während des Östrus wächst in der Regel ein Follikel (manchmal auch zwei, was zu Zwillingsträchtigkeiten führen kann) zur dominanten Größe heran. Dieser dominante Follikel wächst täglich etwa 0,5 cm und erreicht kurz vor dem Eisprung eine Größe von etwa 3 bis 5 cm oder mehr.
- Östrogenproduktion: Das Gewebe der heranreifenden Follikel produziert das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Dieser ansteigende Östrogenspiegel ist der Hauptgrund für die Verhaltensänderungen Deiner Stute. Östrogen macht sie empfänglich für den Hengst, sorgt für die typischen äußeren Rosseanzeichen (wie das „Blitzen“) und bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Trächtigkeit vor, indem es sie aufbaut und besser durchblutet.
- Der Eisprung (Ovulation): Wenn der Follikel seine maximale Größe erreicht hat und der Östrogenspiegel einen Höchststand erreicht, löst ein anderes Hormon (das luteinisierende Hormon, LH) den Eisprung aus. Die Follikelwand platzt, und die reife Eizelle wird freigesetzt. Sie wandert dann in den Eileiter, wo sie für etwa 6 Stunden befruchtungsfähig ist. Der Eisprung findet typischerweise 24 bis 48 Stunden vor dem Ende der äußeren Rosseanzeichen statt. Das bedeutet, Deine Stute zeigt oft noch 1-2 Tage Rosseverhalten, obwohl der Eisprung bereits erfolgt ist.
2. Diöstrus (Die Zwischenrosse, Gelbkörperphase): Diese Phase beginnt nach dem Eisprung und dauert relativ konstant 14 bis 16 Tage. In dieser Zeit ist Deine Stute nicht paarungsbereit und zeigt keine Rosseanzeichen mehr; sie würde einen Hengst aktiv abwehren.
- Gelbkörperbildung: An der Stelle des gesprungenen Follikels auf dem Eierstock bildet sich eine neue Struktur, der sogenannte Gelbkörper (Corpus Luteum).
- Progesteronproduktion: Dieser Gelbkörper produziert nun das Hormon Progesteron, das oft als „Trächtigkeitsschutzhormon“ bezeichnet wird. Progesteron unterdrückt die Rosseanzeichen, verhindert das Heranreifen weiterer Follikel und bereitet die Gebärmutter optimal auf die Einnistung und Erhaltung einer möglichen Trächtigkeit vor. Es sorgt dafür, dass die Gebärmutter ruhiggestellt wird und die Schleimhaut für einen Embryo aufnahmebereit ist. Das unter Progesteron-Einfluss stehende Verhalten kann dazu führen, dass Stuten „zickiger“ oder abwehrender erscheinen, quasi in Alarmbereitschaft, um eine erneute Bedeckung zu verhindern.
- Gelbkörperrückbildung (Luteolyse): Wenn innerhalb von etwa 14 Tagen nach dem Eisprung keine Befruchtung und Einnistung eines Embryos stattgefunden hat, sendet die Gebärmutterschleimhaut ein Signal in Form des Hormons Prostaglandin F2α. Dieses Hormon führt dazu, dass sich der Gelbkörper zurückbildet (Luteolyse).
- Neuer Zyklusbeginn: Mit der Rückbildung des Gelbkörpers sinkt der Progesteronspiegel rapide ab. Dies ist das Signal für das Gehirn, erneut Hormone freizusetzen (GnRH, FSH), die das Wachstum neuer Follikel anregen – der Zyklus beginnt von vorn mit einer neuen Östrusphase.
Dieses zyklische Auf und Ab der Hormone Östrogen und Progesteron bestimmt also maßgeblich das Verhalten und die Fruchtbarkeit Deiner Stute während der Zuchtsaison.
Wie Du den Rossezeitpunkt Deiner Stute besser einschätzen kannst
Eine hundertprozentig genaue „Berechnung“ der Rosse im Sinne einer mathematischen Formel ist bei einem biologischen Wesen wie Deiner Stute nicht möglich. Jeder Zyklus kann leicht variieren, beeinflusst durch diverse Faktoren. Aber Du kannst lernen, den Rhythmus Deiner Stute sehr gut zu verstehen und einzuschätzen. Das ist besonders wichtig, wenn Du züchten möchtest, aber auch hilfreich, um ihr Verhalten im Alltag besser zu deuten.
Die Standard-Methode: Zykluslänge nutzen Die durchschnittliche Zykluslänge einer Stute beträgt während der Zuchtsaison rund 21 Tage (Schwankungen von 19 bis 24 Tagen sind normal). Die Rosse selbst dauert etwa 5-7 Tage. Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel zur Schätzung des nächsten Rossebeginns:
- Letzter Tag der beobachteten Rosse + ca. 14-16 Tage (Dauer des Diöstrus) = Geschätzter Beginn der nächsten Rosse
Wenn Deine Stute also beispielsweise am 10. Mai aufgehört hat zu rossen, könntest Du erwarten, dass die nächste Rosse um den 24. bis 26. Mai herum beginnt. Das ist jedoch nur ein Richtwert!
Der Schlüssel: Beobachtung und das Rosseprotokoll Da Stuten Individuen sind und ihre Zyklen variieren können, ist die genaue Beobachtung unerlässlich. Noch besser ist es, ein Rosseprotokoll oder einen Rossekalender zu führen. Das klingt vielleicht aufwendig, ist aber extrem wertvoll und kann ganz einfach sein:
- Notiere Dir in einem Kalender (digital oder auf Papier), an welchen Tagen Du deutliche Rosseanzeichen bei Deiner Stute beobachtest (z.B. „Blitzen“, häufiges Urinieren, Hengstinteresse). Markiere den ersten und den letzten Tag der sichtbaren Rosse.
- Vermerke auch besondere Vorkommnisse oder Verhaltensänderungen (z.B. besondere Anhänglichkeit, Zickigkeit beim Reiten, Empfindlichkeit beim Putzen).
- Wenn Du züchtest und tierärztliche Untersuchungen stattfinden: Notiere Ergebnisse wie Follikelgröße, den festgestellten Eisprungtag oder den Besamungszeitpunkt.
Nach einigen Zyklen wirst Du wahrscheinlich ein individuelles Muster erkennen: Wie lange dauert die Rosse bei Deiner Stute typischerweise? Wie lang ist der Abstand zwischen den Rossen (also die Zykluslänge)? Gibt es bestimmte Anzeichen, die bei ihr besonders zuverlässig sind? Dieses Wissen ist Gold wert!
Spezialfall: Die Fohlenrosse Eine Besonderheit ist die sogenannte Fohlenrosse. Die meisten Stuten werden bereits wenige Tage nach der Geburt ihres Fohlens wieder rossig. Diese erste Rosse beginnt oft zwischen dem 7. und 11. Tag nach dem Abfohlen. Die Berechnung des darauffolgenden Zyklus kann dadurch etwas komplizierter werden, da die Fohlenrosse selbst in ihrer Dauer und Intensität stark variieren kann. Manche Stuten haben hier sehr lange Follikelphasen, andere ovulieren schon am 8. oder 9. Tag nach der Geburt. Auch zeigen manche Stuten während der Fohlenrosse kaum äußere Anzeichen, da ihr Schutzinstinkt für das Fohlen im Vordergrund steht („stille Rosse“). Ob eine Bedeckung in der Fohlenrosse sinnvoll ist, wird kontrovers diskutiert und hängt von der Rückbildung der Gebärmutter und dem Zustand der Stute ab – hier ist tierärztlicher Rat unerlässlich.
Wenn die „Berechnung“ nicht aufgeht: Bleibt die Rosse aus, ist sie sehr unregelmäßig oder extrem lang, passt das nicht zur Jahreszeit oder beobachtest Du gar keine Anzeichen, obwohl Du es erwarten würdest? Dann solltest Du immer auch an mögliche gesundheitliche Ursachen denken (wie z.B. Zysten, Entzündungen, hormonelle Störungen) oder starke Stressfaktoren und im Zweifelsfall Deinen Tierarzt konsultieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die beste „Berechnung“ ist eine Kombination aus dem Wissen um den durchschnittlichen Zyklus und der genauen, dokumentierten Beobachtung Deiner individuellen Stute.
Die typischen Anzeichen: Woran erkennst Du die Rosse?
Das Erkennen der Rosse ist der Grundstein, um den Zyklus Deiner Stute zu verstehen und richtig zu handeln – sei es für die Zuchtplanung oder einfach nur, um ihr Verhalten im Alltag besser einordnen zu können. Die Anzeichen können von Stute zu Stute unterschiedlich stark ausgeprägt sein, aber es gibt eine Reihe typischer körperlicher Symptome und Verhaltensweisen.
Körperliche Anzeichen:
- „Blitzen“ oder „Winkeln“: Das ist eines der eindeutigsten Zeichen. Die Stute hebt den Schweif leicht an und bewegt rhythmisch ihre Schamlippen (Vulva), wodurch die Klitoris sichtbar wird. Dieses Verhalten tritt besonders oft in der Nähe von Hengsten oder Wallachen auf, kann aber auch spontan gezeigt werden.
- Häufiges Urinieren: Rossige Stuten setzen oft kleine Mengen Urin ab, manchmal vermischt mit schleimiger Flüssigkeit (Brunstschleim). Sie nehmen dabei oft eine breitbeinige Haltung ein. Der Urin kann während der Rosse auch anders riechen.
- Schleimiger Ausfluss: Aus der Scheide kann klarer bis leicht trüber, manchmal fadenziehender Schleim austreten (Brunstschleim).
- Schwellung der Genitalien: Die Schamlippen können leicht anschwellen und entspannter wirken als außerhalb der Rosse.
Verhaltensänderungen:
- Interesse an Hengsten/Wallachen: Die Stute sucht aktiv die Nähe männlicher Pferde, duldet deren Annäherung und zeigt ihnen gegenüber die typische Rossehaltung (Hinterbeine breit, Schweif zur Seite). Außerhalb der Rosse würde sie Hengste meist abwehren (Ohren anlegen, quietschen, ausschlagen).
- Verändertes Verhalten gegenüber anderen Stuten: Manche Stuten werden „hengstiger“ und versuchen, andere Stuten zu besteigen (Aufreiten) oder lassen sich von anderen Stuten besteigen.
- Stimmungsschwankungen: Das Verhalten kann stark schwanken. Manche Stuten werden extrem anhänglich und schmusig gegenüber ihren Bezugspersonen. Andere wirken nervös, unruhig, leicht reizbar oder „zickig“. Sie können empfindlicher auf Berührungen reagieren, besonders im Flanken- oder Rückenbereich.
- Verändertes Verhalten beim Reiten/Umgang: Viele Stuten sind während der Rosse schwieriger zu reiten. Sie können klemmig sein, empfindlich auf den Schenkel reagieren, mit dem Schweif schlagen, weniger konzentriert oder allgemein unwilliger sein. Das Putzen, besonders am Bauch oder an den Hinterbeinen, kann als unangenehm empfunden werden. Manche Stuten leiden während der Rosse auch unter Schmerzen, z.B. durch Spannungen an den Eierstöcken oder Kontraktionen der Gebärmutter, was ihr Verhalten zusätzlich beeinflusst.
- Verändertes Fressverhalten: Manche Stuten fressen während der Rosse schlechter oder sind wählerischer.
- Lautäußerungen: Gelegentlich können rossige Stuten vermehrt wiehern, besonders wenn sie Hengste in der Nähe wahrnehmen.
Die „Stille Rosse“: Wenn Anzeichen fehlen Nicht alle Stuten zeigen die Rosse deutlich. Bei manchen sind die Anzeichen nur sehr schwach ausgeprägt oder fehlen fast vollständig. Man spricht dann von einer „stillen Rosse“. Die Stute durchläuft zwar den normalen hormonellen Zyklus und hat auch einen Eisprung, zeigt aber kaum oder keine äußeren Verhaltensänderungen. Das kann die Zuchtplanung natürlich erschweren.
Was tun bei Unsicherheit oder stiller Rosse?
- „Abprobieren“ mit einem Hengst/Wallach: Die Reaktion der Stute auf einen (idealerweise erfahrenen und ruhigen) Hengst oder manchmal auch Wallach ist oft der beste Indikator. Ein Probierhengst wird vorsichtig zur Stute geführt (meist mit einer Schutzwand dazwischen), um ihre Reaktion zu testen.
- Tierärztliche Untersuchung: Ein Tierarzt kann mittels rektaler Untersuchung und Ultraschall den Zustand der Eierstöcke (Follikelgröße, Anwesenheit eines Gelbkörpers) und der Gebärmutter beurteilen und so den Zyklusstand sehr genau bestimmen und den Eisprung vorhersagen oder bestätigen. Dies ist in der Zucht Standard.
Je besser Du die individuellen Rosseanzeichen Deiner Stute kennst und dokumentierst, desto zuverlässiger kannst Du ihren Zyklus verfolgen und verstehen, wann sie rossig ist.
Was den Zyklus beeinflusst: Mehr als nur Hormone
Der Rossezyklus Deiner Stute wird zwar primär durch das innere hormonelle Zusammenspiel gesteuert, aber eine ganze Reihe äußerer und innerer Faktoren können diesen fein abgestimmten Mechanismus beeinflussen, verstärken, abschwächen oder sogar stören. Es ist wichtig, diese Einflüsse zu kennen, um den Zyklus Deiner Stute besser zu verstehen und eventuelle Unregelmäßigkeiten einordnen zu können.
1. Tageslichtlänge (Photoperiode) – Der wichtigste Taktgeber: Stuten sind saisonal polyöstrisch, was bedeutet, dass ihre Zyklen stark von der Jahreszeit bzw. der Tageslichtlänge abhängen.
- Frühling/Sommer (lange Tage): Zunehmendes Tageslicht im Frühjahr hemmt die Produktion des Hormons Melatonin (das „Schlafhormon“) in der Zirbeldrüse. Ein niedriger Melatoninspiegel wiederum regt die Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) im Gehirn an. GnRH ist das Startsignal für die Eierstöcke, aktiv zu werden, Follikel reifen zu lassen und Östrogen zu produzieren – der Zyklus kommt in Gang. Die Hauptzuchtsaison liegt daher auf der Nordhalbkugel etwa von März bis September.
- Herbst/Winter (kurze Tage): Abnehmendes Tageslicht im Herbst führt zu einer erhöhten Melatoninproduktion. Hohe Melatoninspiegel unterdrücken die GnRH-Ausschüttung, was die Eierstocksaktivität herunterfährt. Die meisten Stuten treten dann in eine Zyklusruhe (saisonaler Anöstrus) ein, in der keine regelmäßigen Rossen oder Eisprünge stattfinden. Diese Ruhephase dauert meist von etwa Oktober/November bis Januar/Februar/März. Einige Stuten können zwar auch im Winter unregelmäßig oder schwach rossen („Winterrosse“), diese sind aber oft nicht fruchtbar. Die ersten Zyklen im Frühjahr nach der Winterruhe sind oft ebenfalls noch unregelmäßig und verlängert („Übergangsrosse“) und führen nicht immer zu einem Eisprung.
2. Temperatur und Wetter: Auch die Umgebungstemperatur spielt eine Rolle. Anhaltend kalte Perioden können den Zyklusbeginn im Frühjahr verzögern oder die Rosseintensität dämpfen, während warme, sonnige Perioden die Rosse fördern können.
3. Ernährung und Körperkondition: Eine bedarfsgerechte Fütterung ist essentiell. Stuten, die unterernährt oder in schlechter körperlicher Verfassung sind, zeigen oft schwächere oder gar keine Rosseanzeichen, da der Körper Energie spart. Eine moderate Gewichtszunahme vor der Zuchtsaison kann hingegen die Zyklusaktivität anregen („Flushing-Effekt“). Eine Überfütterung kann jedoch ebenfalls problematisch sein, da Fetteinlagerungen den Hormonhaushalt beeinflussen können (z.B. Speicherung von Progesteron).
4. Gesundheitszustand: Chronische Schmerzen (z.B. durch Lahmheiten, Magengeschwüre, Rückenschmerzen), akute Erkrankungen oder Infektionen (insbesondere der Geschlechtsorgane wie Endometritis – eine Gebärmutterentzündung) können den Zyklus empfindlich stören oder unterdrücken. Auch hormonelle Störungen (z.B. Zysten an den Eierstöcken, Tumore) können zu anhaltender Rosse, unregelmäßigen Zyklen oder dem Ausbleiben der Rosse führen. Bei deutlichen oder anhaltenden Zyklusstörungen ist eine tierärztliche Abklärung unbedingt notwendig.
5. Alter: Junge Stuten werden mit etwa 12 bis 18 Monaten geschlechtsreif und beginnen zu rossen. Die Zuchtreife erreichen sie jedoch meist erst mit 3 Jahren oder später. Ihre Zyklen können anfangs noch unregelmäßig sein. Mit zunehmendem Alter (etwa ab 18-20 Jahren) können die Zyklen ebenfalls unregelmäßiger werden oder die Fruchtbarkeit nachlassen, obwohl Stuten keine klassischen Wechseljahre wie Menschen durchlaufen.
6. Stress: Transport, Stallwechsel, Änderungen in der Herdenstruktur, intensives Training oder soziale Konflikte können Stress verursachen. Stresshormone (wie Cortisol) können die Ausschüttung der für den Zyklus wichtigen Hormone (GnRH, LH) negativ beeinflussen und so zu unregelmäßigen oder unterdrückten Rossen führen.
7. Soziale Faktoren: Die Anwesenheit anderer Pferde, insbesondere eines Hengstes, kann die Rosseanzeichen bei Stuten verstärken und den Zyklus stimulieren.
Du siehst, der Rossezyklus ist kein isolierter Vorgang, sondern steht in enger Wechselwirkung mit der Umwelt und dem Gesamtzustand Deiner Stute. Ein gutes Management, das auf eine artgerechte Haltung, passende Fütterung, Stressvermeidung und gute Gesundheitsvorsorge achtet, schafft die besten Voraussetzungen für einen regelmäßigen und gesunden Zyklus.
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